Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 6 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022149--23845-3049064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr 6 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 10* nicht nnftominon zu lassen, was ihm auch völlig gelungen ist. Ausdrücklich bemerkte er dem Dr. Frank: „Wo Sie irgendwo etwas von Antisemitismus bei meinen Geistlichen beobachten, teilen Sie es mir mit, denn das dulde ich nicht." Der neue Erzbischof ist nicht minder von derselben freundlichen Gesinnung .erfüllt. Am vergangenen Sonnabend, 16. d. M-, hat Seine Eminenz Kardinal Dr. von Hartmen, Erzbischof von Köln, dem Rabbiner Dr. Frank einen längeren Besuch abgestattet; ein erfreuliches Zeichen interkonfessioneller Aufmerksamkeit. Wogromvitder zum Beweis deutscher Krausamkeit. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt in einer Sonderbeilage eine Zusammenstellung von Photographien, die unter der Spitzmarke: „Deutsche Barbaren, graphische Dokumente für die Geschichte", einer argentinischen Zeitung von russischer Seite zur Verfügung gestellt und von ihr veröffentlicht worden sind. In Wirklichkeit handelt es sich um Pogrombilder, also um die Darstellung russischer Greueltaten, die nun dazu herhalten sollen, die gegen die deutsche Armee erhobenen Lügen zu bekräftigen. Es handelt sich um Bilder ermordeter Juden und nicht ermordeter russischer Bauern. Nicht bloß die Physiognomien der Getöteten, sondern auch das jüdische Gebetbuch, die Dalethim, die über fast allen Leichen ausgebreitet sind, lassen keinen Zweifel darüber. Eines der Bilder stanunt aus den Judenpogromen von Bielostok aus dem Jahre 1905 und ist abgedruckt in dem Werke „Der letzte russische Selbst Herrscher", Seite 340. Zwei andere Bilder stammen aus den Judenpogromen in Odessa vom Jahre 1905 und sind in Tausenden von Exemplaren in Rußland verbreitet. Der auf einem dieser Bilder dargestellte Mann ist ein gewisser Notkin, der von Kosaken getötet worden war, nachdem man ihm die Arme abgehackt hatte. Krankreich. Oberrabbiner Armand Bloch, der seinen Tod bei Ausübung der Seelsorge an einem sterbenden Katholiken gefunden hat, erhält in der „Libertn" noch ein besonderes Denkmal der Liebe durch den Oberrabbiner von Frankreich, Herrn Israel L e ö i. Er teilt ein Schreiben mit, in dem der katholische Feldgeistliche die Umstände, unter denen Bloch gefallen ist, darstellt. Ter Pfarrer schreibt: „Als er (Blocht das Feld verlassen wollte, bat ihn ein Verwundeter, der ihn für einen katholischen Priester hielt, das Kruzifix auf ihn niederzulegen. Bloch fand dasselbe und legte es auf den Sterbenden. Nach Vollendung dieses Liebeswerkes begleitete er vom Felde einen anderen Verwundeten bis zum nächsten Fuhrwerk. Da traf ihn eine Haubitzgranate einige Schritte vor dem Fuhrwerk, als der Verwundete eben einsteigen wollte." Ein Beispiel von Toleranz und Achtung vor den Ueberzeugungen der Juden ist von einem französischen Dorfnotar gegeben worden, das verdient, hervorgehoben zu werden: Er hatte in seinem Hause einen tötlich verwundeten Offizier ausgenommen, der ihm, als er feinen Tod nahe fühlte, erklärte, daß er Jude sei. Einige Tage darauf hauchte der jüdische Soldat seine Seele aus. Der katholische Notar nun wandte alle Mittet an, um einen jüdischen Seelsorger in jeneni entlegenen Dorfe zu beziehen. Er schrieb an das Kommando, um möglichst den jüdischen Feldrabbiner zu bekommen. Schließlich gelang es ihm nach vielen Schwierigkeiten, den Rabbiner E i s e n b e t h zu bekommen, der alle jüdischen Vorschriften erfüllte. Darauf sandte der Notar auch ein besonderes Schreiben an den Oberrabbiner von Frankreich, in dem er ihm seine Genugtuung ausspricht, daß der jüdische Offizier ein strikt rituelles Begräbnis gefunden hat. Auf dem Schlachtfelde gefallen find: Adjutant Jacques Leval, die Soldaten Jean Cr 4 ange, Arnold Kahn, Henri Mayer, Georges David, Edmond Hecker, Rene C a h e n, Salomon F r i d m a n n, Robert Schill, Felix Birmann, Andre Boissel, Georges Belle, Adrien Lichtblau, Henri W e i l l, Robert Blum, Franck L e v y, Gerard C a h e n, Joseph Soussau, Gomez-Vaez u. v. a. Für die Verwundeten hat Baron Edmond von Rothschild seine Besitzungen in Boulogne sur Seine dem Hilsverein der verwundeten Soldaten als Genesungsheim mit 40 Betten zur Verfügung gestellt. Herr Nissim Samama, Advokat an dem Appellationshof in Paris, hat dem Präfekten der Bouches-du- Rhone seine Villa in der Rue du Prado als Lazarett zur Verfügung gestellt. Ernannt: Colonel L e in a r t (28. Dragonerreg.) ist zum Kommandanten des 15. Infanterieregiments ernannt worden. Hauptmann Cahn (144. Jnf.-Reg.) zum Bataillonschef, Intendant C a v a i l l o u zum General- Intendanten, M. Go u mann (72. Jnf.-Reg.) ist für die Militärmedaille wegen seiner heldenhaften Taten auf dem Schlachtfelde vorgeschlagen. Butztarrds Wünsche ans Wakäkina. Atu Tage der Wassertveihe fand in den Gemächern des Petersburger Metropoliten Wladimir eine feierliche Versammlung statt, an der viele Bischöfe, hoh^e Geistliche, Mitglieder des Heiligen Synods und Universitäts- Professoren teilnahmen. Ter Metropolit vertrat in seiner Rede den Standpunkt, daß es für Rußland nicht wünschenswert sei, auf die Neutralisierung des Heiligen Landes hinzuarbeiten, wofür ein Teil der öffentlichen Meinung von Petersburg sich ausgesprochen habe. Das Heilige Land müsse dem russischen Reiche unterstehen, wobei die übrigen christlichen Völker das Recht hätten, die heiligen Orte zu besuchen. Spione, Juden und — Theodor Fritsch. Ein bemerkenswertes Beispiel, welches Unheil die „Spionageriecherei" der ersten Kriegswochen zugefügt hat, entnehmen wir der angesehenen Monatsschrift: „Aus dem Posener Lande". In einem Aussatz „Bilder von der Ostgrenze" äußerte sich Schulrat Fritz Kempff aus Kempen über das Spionagewesen an der Grenze, und er schreibt darin u. a. : „Wie man hört, ist in dem schlesischen Orte Zessel ein Bombenlager bei einem deutschen Wirte entdeckt worden. Dorthin mögen auch Bomben aus Weruszow (Rußland) geliefert sein, die, wie mir in Wilhelmbrück (der Grenzstadt) berichtet wurde, zu einer wohlhabenden jüdischen Familie als Butterpakete nach Deutschland gingen. Die Verbrecher — Vater und Sohn — sind schon in Posen hinter Schloß und Riegel . . . Ein Offizier und sechs Mann begaben sich von Wilhelmsbrück nach Weruszow, um die beiden Juden zu verhaften. Der Sohn war schon entflohen. Der Vater dagegen konnte festgenommen und nach Wilhelmsbrüä eingeliefert werden. Er mochte um sein Leben bangen und erfüllte die ganze Straße mit seinem Geschrei: „Au waih, au waih, Herr Laitnant, was wird mit mir geschehen?" .... Wenn die Juden in Weruszow aber glaubten, daß mit der Flucht des einen Uebeltäters die Sache erledigt sei, so sollten sie sich bitter getäuscht sehen. Am Mittag wurde ihnen die Eröffnung gemacht, daß, wenn am nächsten Morgen 3 Uhr der Flüchtling nicht an der Grenzkette abgeliefert worden sei, mit der Stadt kriegsmäßig verfahren werden würde. Pünktlich 2 Uhr stellte sich der Vorstand der jüdischen Gemeinde, begleitet vom Woyt (Polizeiverwalter) an der Brücke ein und lieferten den Flüchtling aus. Eine Abordnung der Gemeinde war in der Nacht nach Wielun gereist und hatte den Verbrecher aus dem ihnen bekannten Versteck geholt." Man kann sich leicht vorstellen, welches Aufsehen, besonders in jüdischen Kreisen, diese mit etwas bissiger Feder gezeichnete Schilderung eines Mannes machen mußte, der den Titel eines Schulrates führt, und der, wie uns mitgeteilt wird, sich bei Christen und auch bei Juden seiner Heimatstadt großer Achtung erfreut. Nun, es stellte sich bald heraus, daß die beiden Juden völlig unschuldig waren und aus der Haft entlassen werden mußten. Schulrat K e m p f f, der durch eine Mitteilung von sonst zuverlässiger Seite irregeführt worden war, veröffentlichte denn auch in der Nächsten Nummer der Zeitschrift „Aus den Posener Landen" eine entsprechende Erklärung. Zu diesem Vorfall wird uns noch eine bezeichnende Ergänzung berichtet. Als der erste Artikel Kempffs