Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 5 (29.1.1915)
- Date
- 1915-01-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022148--23828-3049046- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 5 Dr. Bloch s Wochenschrift Veite 89 kaum eine zweite Gemeinde in ganz Böhmen sich befinden dürfte, die für die galizischen -Flüchtlinge derartige Fürsorge pflegt. Die Egerer Kultusgemeindemitglieder stehen diesen Armen mit Rat und Tat in großzügiger Weise zur Leite, wofür allen aufrichtiger Dank quittiert wird. Die Worte des Herrn Kultusvorstehers lösten allgemeinen Beifall aus. Zum Schluffe dankte Herr Präses Fleischt den Anwesenden für ihr zahlreiches Erscheinen und sprach Frau Oberkantor Wilkowitsch seine spezielle Anerkennung für ihre außerordentlich aufopfernden Leistungen in bezug der Fürsorge für die Flüchtlinge aus. womit die Generalversammlung in Eintracht und Gemütlichkeit ihren Abschluß fand. Moses Rappaport — gefallen. In Tarnopol hat sich am ersten Tage der russischen Invasion ein furchtbar tragischer Fall ereignet. Als die Russen am 23. August vergangenen Jahres in die Stadt einmarschierten, eröffneten sie wider alles Völkerrecht und trotz der Versicherung des Kommandeurs, die Stadt zu schonen, ein derartig mörderisches Feuer auf die innere Stadt, daß in manchen Straßen ein wahrer Kugelregen herniedersauste. Vier Zivilpersonen wurden dabei getötet; darunter fiel als Opfer auf dem Altäre seines Vaterlandes — der bekannte Gemeinderat und Repräsentant der Tarnopoler israelitischen Kultusgemeinde, Herr Moses Rappaport. Mit ihm ist eine der populärsten und markantesten Persönlichkeiten der dortigen Gemeinde dahingegangen. ®err Moses Rappaport, der ein Alter von 57 Jahren erreicht hat, entstammte einer hochangesehenen galizischen Gelehrtenfamilie; er war der einzige Sohn des weiland Rabbiners Rubin Rappaport in Tarnopol, und ein Nachkomme des weltberühmten Lemberger Oberrcwbiners Ehaim Kohen Rappaport. Ein Mann voll inniger Religiosität und reich an jüdischem Wissen, hat er frühzeitig all seine geistigen und physischen Kräfte in den Dienst seiner Vaterstadt, vornehmlich aber der dortigen israelitischen Kultusgemeinde, gestellt. Nahezu achtundzwanzig Jahre gehörte er dem Gemeinderate an und ein volles Vierteljahrhundert wirkte er in aufopfernder, uneigennützigster Weise als Repräsentant der Kultusae meinde. Er war ferner Vorstandsmitglied vieler humanitärer Vereine, Mitbegründer des jüdischen Handwerkervereins „Jad Charuzim", Kurator der jüdischen Perlschule, Zensor und Ausschußmitglied der städtischen Sparkasse re. Ueberall hat der teure Verblichene tatkräftigst mitgewirkt und sich um den Fortschritt und das Gedeihen der Gemeindeinstitutionen hervorragende Verdienste erworben. Wiewohl mit irdischen Gütern nur wenig gesegnet, war er dennoch im vollsten und schönsten Sinne dieses Wortes ein Vater der Armen und half, wo er nur helfen konnte. Er hinterläßt eine Witwe und drei Töchter. Gott tröste sie in ihrem großen Schmerze! -- Ein jüdischer Geist, gepaart mit einem echtjüdischen Herzen das war Moses Rappaport. Er war ein begeisterter Patriot und das unerbittliche Schicksal hat es gewollt, daß er wie ein Held in der Schlacht für Kaiser und Reich gefallen ist. Sein Andenken sei gesegnet! Dr. Mar Nord au in Madrid. Aus Madrid wird unter dem 9. d. M. geschrieben: Dr. Max Nord au, der zurzeit mit seiner Familie Spaniens Gastfreundschaft genießt, erfährt in Madrid die mannigfachsten Ehrungen, an denen sich alle Kreise der schönen Stadt in gleich warmer Weise beteiligen. Kürzlich hielt Dr. N o r d a u im Athenäum und in der Oasa del pneblo zwei Vorlesungen, denen alle geistigen Notabilitäten der spanischen Hauptstadt anwohnten. Die geistsprühenden Ausführungen Dr. Nordaus, die er mit der bei ihm bekannten zündenden Redekunst oorzubringen wußte, fanden reichsten Beifall. Den Neujahrsabend verbrachte Dr. Nord au im Kreise der Familie des ihm befreundeten und in Spanien angesehenen Arztes und Schriftstellers Dr. Philipp Hauser, eines gebürtigen Oesterreichers, dem der große Rat der Stadt Sevilla erst kürzlich die große goldene Medaille verlieh. Trinkspruch eines Hunderjährigen in Amerika auf Kaiser Wilhelm. Herr Moses Wohl, der sich - als „junger Mann", wie er sagt, - mit 78 Jahren und hinlänglichen Reuten vor etwa zwei Jahrzehnten von seinem Geschäft aus Böhmen zu seinen Kindern nach Newyork zurückgezogen hat, feierte unlängst in großer Gesellschaft seinen 100. Geburtstag. Er selbst war der Fidelste unter allen und der flotteste Tänzer. Bei Tisch brachte er einen Toast auf Kaiser Wilhelm aus, in - den die Tafelrunde begeistert einstimmte. Herr Wohl rüstet sich für uoch ein halbes Jahrhundert, eines Lebens, das er sich in voller Frische und Freude erhalten hat bei täglich acht Zigarren, etlichen Glas Bier, mehreremale im Tage vier Stock Alls und Niedersteigen, einer gemüäichen Wonok Partie und absoluter Gleichgiltigkeit gegen die Gesundheit. Zentralisierung der Palästina-Geldsendungen in Italien. Einen beachtenswerten Beschluß hat das Zeuual komitee des Verbandes der jüdischen Gemeinden von Italien in seiner am 6. Dezember in Ferrara abgehaltenen Sitzung gefaßt, lieber Antrag des Delegierten Paeifici aus Florenz wurde beschlossen, daß in Hin kunft jede Kultusgemeinde in Italien in ihr Jahresbudget eine entsprechende Summe zur Unterstützung der Juden in Palästina aufzunehmen habe. Diese Summen sind an das 3eiitraliomttee des Gemeindeverbandes zu senden, welches die gesamte Subventioussumme nach Palästina absendet. Hingegen werden die jüdischen Gemeinden in Italien von nun ab an abgesandte Rabbiner oder andere Delegierte aus Palästina, welche bisher von Stadt zu Stadt zu reisen und Gelder für Palästina zu sammeln pflegten, keine wie immer geartete Spende bewilligen. Vermischtes. Kranzablösuugsspendeu zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Leiteustetteugaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen Anlätzlich des Ablebens des sel. 2. Arnoti: Schüller, Wien Kr. 5.—. Anlätzlich be;> Ablebens des sei. Leopold Zoll. Tbereiie Puschak Kr. 10.- . Anlätzlich des Ablebens dss sei. Karl WeUesz: Ado'.s Bruckner Kr. 20.— , Otto Schwitzer 20. , Dr. Münch 20. . k. Na: Moritz Bruckner 20.—, Joses I. Leinkauf 20.—, Marlin Kallis 20.—, Regine Schwitzer 20 Zusammen Kr. 140. . Anlätzlich des Ablebens des sel. Hermann K^hn. Ignatz und Anna Kohn Kr. 10.—, Ignatz Weiß und Frau 10.— , Armin Zelinka 5.— , Frru Moritz Fischer 10—. Zusammen Kr. 30. . Anlätzlich des Ablebens des sei. Tobias Seligmann: Moritz Fischer, Budapest, ,ür Flüchtlinge Kr. 10.—. Anlätzlich des Ablebens der sei. Melnuie Reich: k. Rat Philipp Fuchs und Frau Kr. 10.--. Anlätzlich des Ablebens des iel. Jose, Goidschmid. Dr. Aoolf Stein Kr. 20.—, Anl. d. Abl. der sel. Adele v. Reumann: Js. Kaufmann 10. . Math. Goldschmidt, s. Flüchtl. 20.—. Gustav und Franz Scheer, Nachod, für Flüchtlinge 20.—, Artur A. Steiner, Pardubitz 20 — Klara und Hugo Goldberg 20.— , Arnold und Eveline Goldschmied 20.—, Karl und Friederike Schütz 30 Julius und Malvine Schütz 30.—. Marimilian von Bondy 20. —, Dr. Carl Stein 20.—. Zusammen Kr. 210.—.