Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 5 (29.1.1915)
- Date
- 1915-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022142-3022148--23820-3049038- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Nr. & Dr. Bloch s Wochenschrift Geile itt herbei und versorgt sie. Er ist ein wahrer Held. Er wurde außertourlich zum Unterjäger befördert und erhielt dann die große Tapserkeitsmedaille. Er wurde wohl auch von zwei russischen Kugeln getroffen, blieb jedoch dort und versieht tont Selbstaufopferung seine Pflicht für unser Bataillon. Selbst wenn er nicht gerufen wird, bewegt er sich immer hurtig bei der Schwarmlinie hin und her und fragt immer, ob es keine Verwundere zu versorgen gebe." Kranz Politzer. Franz Politzer ist Spezereihändler in Budapest. Anläßlich der allgemeinen Mobilisierung rückte er zur 1.3. Kompagnie des 32. Regiments ein. Am 23. August wurde er bei Schabatz verwundet. Die Kompagnie liegt neben einem Kukurutzfelde im heftigsten Kugelregen. Die Soldaten fallen in großer Zahl, aber trotzdem vorwärts durch Feuer- und Bleiregen. Plötzlich komrnt die Nachricht, Hauptmann K a n o w i t s ch sei gestürzt und liege schwer verwundet im Kukurutzfeld. Man sollte ihn holen. Die Offiziere sind der Meinung, daß es unmöglich sei, denn wer sich in die Mitte des Ichrapnellfeuers hineinwage, werde von den Kugeln in Stücke gerissen. Infanterist Franz Politzer erklärt jedoch: „Ich hole ben Hauptmann," und geht. Die Vorsehung beschützt ihn, keine Kugel trifft ihn. Er bringt den Hauptmann, der in seinen Armen stirbt, indem er Politzer zuflüsterr. „Ich grüße die 13. Kompagnie." Politzer legt den T^ten nieder und geht zurück. Er bringt Oberleutnant L u n g und geht abermals zurück, uni einen Infanteristen zu holen. Und er kehrt unversehrt zurück. Der Oberst ernennt ihn zum Korporal und schlägt ihn für die silberne Tapferkeitsmedaille vor. Bald darauf fiel der Oberst- Einige Tage später gingen sie auf den nördlichen Kriegsschauplatz. Es kommt der 9. September. Rawaruska. Franz Politzer ist zur Rückendeckung eingeteilt, welche den Rückzug zu decken hatte. Er kämpft Tag und Nacht. Eine Kugel trifft ihn in der Seite, er wird verbunden und känrpft weiter. Denn jeder Mann war notwendig. Bald traf ihn eine zweite Kugel und dann eine dritte in der Lunge. Da fiel er zusammen. In einem Budw pester Spitale, wo er geheilt wurde, erhielt er die silberne Tapferkeitsmedaille. Fetzt kehrt er aus ben Kriegsschau Platz zurück, mit einer Kugel im Leibe. Politzer hatte noch zwei Brüder bei den Soldaten im Felde. Der eine ist bereits gefallen. Franz Politzer dürfte bereits als Zugsführer den Kriegsschauplatz erreichen. Emil Taster. Emil Ta fl er, Gesellschafter der Firma Jakob Taster & Sohn in Oroshaza, Reserveleutnant und später Bataillonskommandant des 63. Infanterieregimentes, hat den Heldentod gefunden. Vom ersten Tage der Mobilisierung au kämpfte er auf dem südlichen Kriegsschauplatz, die Mannschaft umgab ihn mit schwärmerischer Liebe, seine Offizierskameraden und Vorgesetzten bewunderten seinen Heldenmut und ließen ihn bald zum Kommandanten vorrücken. Am 7. November wurde er bei Sauac von einer feindlichen Kugel getroffen und starb im Alter von 32 Jahren den Heldentod. Er war der Sohn des im ganzen Lande angesehenen Oroshazaer Fabrikanten Jakob T a f l e r, der an dem öffentlichen Landes- und konfessionellen Angelegenheiten lebhaften Anteil nimmt. Der Verblichene..selbst hatte sich auch durch seine hervorragende Arbeitsliebe, Pflichttreue, Charakterfestigkeit und Herzensgüte ausgezeichnet und genoß allgemeine Liebe und Achtung. Seine Offizierskollegen bestatteten ihr: auf dem Kriegsschauplätze und bezeichneten sein Grab. Die Familie hat die Absicht, sobald dies möglich tvird, die Leiche heimzubringen und sie aus der Chrengrabftätte des jüdischen Friedhofes vott Oroshaza zur ewigen Ruhe zu bestatten. Jakob Taster hat noch zwei Söhne und einen Schwiegersohn auf dem Kriegsschauplätze, sämtlich im Range eines Reserveleutnants. Der eine Sohn wurde im September auf dem nördlichen Kriegsschauplätze verwundet und kehrte, kaum daß seine Wunde vernarbt war, wieder zu seiner Truppe zurück, an deren Spitze er auch jetzt in Galizien kämpft. Auch sein Schwiegersohn kan: verwundet ins Spital und ist, wieder hergestellt, auf den Kriegsschauplatz geeilt, um tveiter zu kämpfen für König und Vaterland. Me ein frommer Zude stirbt. Aus Dorna-Warta wird gemeldet: Als nach den letzten großen Kämpfen in der Bukowina das Schlachtfeld geräumt wurde und Freund und Feind ins friedliche Grab gemeinsam gebettet werden sollten, da bemerkte man, daß einem toten russischen Soldaten an die linke Hand ein kleines Säckchen gebunden war. Es wurde abgelöst und darin, neben einigen Silbermünzen und etwas weißer Kalkerde, auch noch ein Zettel gefunden mit der Bitte, das Geld dem zunächst liegenden „Heiligen Verein" zu übergeben, um den Verstorbenen auf eigene Kosten in einem jüdischen Grab nach jüdischer Sitte zu bestatten. Man solle den Wunsch des Sterbenden nicht abschlagen und von seinem Tode den Vater, den Rabbiner von Odessa, verständigen. Die Leiche wurde tatsächlich der Chewra-Kadischa des zunächst gelegenen Ortes übergeben. Bei der Entkleidung der Leiche wurde entdeckt, daß der Mann unter seinem grauen Militärmantel das ganze vorschriftsmäßige jüdische Sterbegewand angezogen hatte. Er wurde begraben mit dem Haupte auf dem Säckchen mit der weißen Erde aus Palästina. Der erste gefabene österreichifcheZKutomobilist. Als erster im .Felde tätiger Automobilfahrer hat auf österreichischer Seite, nach dem Ausweise in den Verlustlisten, der Angehörige des k. k. Freiwilligen Motorfahrerkorps Oberleutnant i. d. E. Th. Mannheimer den Heldentod gefunden. Mannheimer, in seiner Zivilstellung Oberrevident der Südbahngesellschaft i. R. und Sanatoriumbesitzer in Grado, ist bei einer Meldesahrt nlit dem Automobil ein Opfer strenger Pflichterfüllung geworden, wie aus nachstehendem, dem Gruppenkommando des Freiwilligen Motorfahrerkorps erstatteten und der Familie des Gefallenen mitgeteilten offiziellen Bericht hervorgeht: „Oberleutnant i. d. E. Theodor Mannheimer wurde am 3. November, abends zwischen 7 und 8 Uhr, mit einer Meldung und einem Befehl von O . . . über über K . . . nach R. . . zu einem dort befindlichen Detachement geschickt. In dem Dorfe . . . wurde das mit Lichtern fahrende Auto von einer dort befindlichen kleineren russischen Kävalleriepatrouille, die es von weither bemerkte, durch quergestellte Fuhrwerke aufgehalten « zirka 9 Uhr 30 Minuten abends). Die russische Abteilung eröffnete auf das anhaltende Auto sofort ein heftiges Gewehrfeuer und verwundete dadurch den Chauffeur schwer, wodurch das Auto führerlos wurde. Mannheimer wehrte sich in heldenmütiger Weise bis zum letzten Augenblick und fand erst, nachdem er seine Waffen ausgeschossen, in ungleichem Handgemenge den Heldentod. Das Auto wurde von den Russen einem Gutsbesitzer in M. . . übergeben und zwei Tage darauf vom Leutnant Broch dortselbst abgeholt und nach Deutschland abgesendet. Die Leiche wurde von Soldaten am nächsten Tage aufgefunden, nach K . . . gebracht und auf dem dortigen Friedhofe mit militärischen Ehren beigesetzt. Ergänzend wäre hiezu zu bemerken, daß die Fahrt gefahrlos schien, da niemand vermuten konnte, daß