Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 4 (22.1.1915)
- Date
- 1915-01-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Ar. 4 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 71 Em guter Oesterreicher. Aus Lundenburg schreibt man uns: Das gewaltige Ringen der Kulturvölker Europas, ^dessen entsetzte Zeugen wir jetzt sind, gibt nicht blotz den mit der Schärfe des Schwertes den frechen Friedensstörer abwehrenden Kriegern Gelegenheit zur Betätigung ihrer patriotischen Gesinnung, nein, auch die einfachen Bürger, die zu Hause geblieben, ihrem friedlichen Berufe nachgehen, wetteifern miteinander in Betätigung ihrer patriotischen Pflichten. Einer der wirklich als Muster in dieser Hinsicht hingestellt zu werden verdient, führen wir unfern geschätzten Lesern im Bilde vor. Es ist dies der ehemalige Geschäftsmann in unserer Stadt, Herr Nathan Kornreich. Obwohl er schon 63 Jahre zählt, dem Alter nach ein Greis, hat er sich gleich zu Kriegsbeginn freiwillig zu Kriegsdienstleistungen gemeldet und verrichtet seine Obliegenheiten mit einem seltenen Pflichteifer und mit einer Ausdauer, die für so manchen Jungen vorbildlich sind. Seine Haupttätigkeit widmet er hauptsächlich der so segensreichen Institution des „Roten Kreuzes". Seit der Gründung der Lpudenburger Feuerwehr im Jahre 1878 ist er ein eifriges Mitglied derselben und hat für sein verdienstvolles Wirken in dieser Körperschaft unter vielen schmeichelhaften Anerkennungen auch die kaiserliche Auszeichnung erhalten. Nun kommt ihm bei seiner Wirksamkeit beiin „Roten Kreuz" die ihm Feuerwehrdienste erworbene reiche Erfahrung trefflich zu statten. Mit rührender Sorgfalt bemüht er sich um die auf dem Felde der Ehre verwundeten Soldaten. Gar oft unterzog er sich der Ausgabe, als Transportführer die Verletzten ins Spital nach Wien, nach Znaim usw. zu begleiten und die aus dem Bahnhof genannter Stationen tätigen Militärärzte würdigten in anerkennenden Worten seine fürsorgliche Tätigkeit. Wir beglückwünschen uns, einen solchen seltenen Menschen als Mitbürger zu besitzen und hoffen, datz es ihm noch viele Jahre vergönnt sein werde, seine unübertreffliche Arbeitskraft im schönsten Dienste, dem Dienste fürs teuere Vaterland, nicht blotz in stürmischen, sondern auch in Tagen des Friedens zu betätigen als treuer Sohn seiner Heimatsstadt, , als echter Oesterreicher. . ' ’ .Veritas. Jüdische Arbeiter für ein deutsches Kohlenbergwerk werden gesucht. Aus Halber st adt schreibt Herr Rabbiner Doktor Auerbach: In der Nähe von Halberstadt befindet sich ein Kohlenbergwerk, in dem 40 bis 80 jüdische Arbeiter mit Koscherverpflegung und Befreiung von Sabbatarbeit ankommen können. Bei neunstündiger Arbeit Tagelohn 3.80 bis 4 Mark, bei Akkord 4.25 M., für Verpflegung geht etwa 1.80 M. ab. Kräftige, ausdauernde Arbeiter unter den galizischen Flüchtlingen, die sich für längere Zeit verpflichten müssen, können Aufnähme finden. Die sich dazu entschließen wollen, wollen sich bei Herrn I. Th um im aus Przemysl, dz. Wien, Hotel „Do.mu". melden. Feuilleton. Der Zar. (Ein letzter Akt.) Von Kurt Sonnenfeld.*) Personen: T ,'ar; der Generalgouverneur von Moskau: Pater Jgna::;u. — Ort der Handlung: Ein Zimmer im Kren . — Zeit: Hoffentlich keine allzu ferne! ... Gon T ijestät, unsere jüdischen Soldaten weigern sich geg' I Oesterreich zu kämpfen. Pa: er: Wollen Majestät die Gnade haben, die Todes:: 'eile dieser Verbrecher zu unterschreiben? *) Änm.: Aus der kleinen Schrift „1914". Dem Roten Kreui widmet von Kurt S o n n e n f e l d. Der interessante Einnftn t viele Anerkennung gefunden, die Aufführung wurde jedoch von. c-r Theaterzensur inhibiert. Zar: Haben heute in Moskau Hinrichtungen statt gefunden? Go uv.: Ein paar Deutsche sind wegen Spionageverdachtes erschossen worden, ebenso einige Soldaten wegen Verweigerung des Gehorsams. Pater: Jede Hinrichtung ist eine Tat im Dienste unseres heiligen Rußland. In Kiew, in Odessa ist das Gesindel in hellem Aufruhr, ja die Empörung wagt sich schon hieher nach Moskau. Zar: Mir ist sehr unheimlich zumute. . . . Ich weiß nicht, was ich tun soll. Pater: Hier find die Todesurteile. Majestät. Zar (unterschreibe: Man soll in allen Kirchen für den Sieg unserer Waffen beten. Gouv.: Eines von den verurteilten Mädchen, die heute erschossen wurden, hätte sich vielleicht zu etwas Anderem verwenden lassen. Eine schöne Jüdin. . . Pater: Wenn ich das gewußt hätte, so hätte ich vor ihrer Hinrichtuug noch einen Bekehrungsversuch gemacht. . . . G o u v.: Ein achtzehnjähriges Weib. Warum sie erschossen wurde, habe ich schon vergessen. Es ist ja gleichgiltig. Aber schön war sie. . . . Pater: Schade, daß ich nicht dabei war. Wenn schon an so ein Geschöpf eine russische Kugel verschwendet wird, so will man doch wenigstens ein Vergnügen davon haben. Gouv.: Du hast wirklich viel versäumt, Väterchen. Man hätte beinahe vergessen können, daß sie diesem schmutzigen Volke entstammte. Blauschwarzes Haar hatte sie wie eine Kreolin. Ganz nackt war sie bei der Hinrichtung. Mir wird heiß, wenn ich daran denke. Zar: Hat sie geweint? Gouv.: Nein, Majestät. Die freche Dirne hat vor den Kosakerr ausgespien und gerufen:. „Aug' um Auge, Zahn um Zahn!" Und wie man ihr Kolbenstöße versetzt hat, da hat sie gelacht. Ich habe noch nie so blitzende Augen gesehen. Sogar ihren Namen habe ich mir gemerkt: Ruth Kialyn. Zar (stöhnt auf): Ruth Kialyn! Gouv.: Sind Majestät unwohl? Zar: Nein, lieber Gouverneur, aber ich muß noch mit Väterchen Jgnatiew einiges besprechen. Auf Wieder sehen! Gouv.: Gute Nacht, Majestät. (Ab.) Zar und Pater Jgnatiew. Zar: Ich möchte dir beichten, Väterchen. Pater: Majestät sind so erregt.... Zar: Bete für mich, Väterchen. Ich habe viel gesündigt. Pater: Was Eure Majestät getan haben, geschah für unsere heilige Kirche und unser heiliges Rußland. Gott und die heilige Jungfrau werden Eure Majestät segnen und unsere Feinde, Deutschland und Oesterreich, in Fetzen reißen. Zar: Amen! Wie heißt die heilige Jungfrau, Väterchen? Pater: Haben Majestät ihren Namen vergessen? Sie heißt Maria. Zar: Ja, Maria. . . . Ich möchte dir etwas er zählen, Väterchen. Es ist schon lange her. Pater: Ich höre, Majestät. Zar: Ich war damals noch Großfürst. Da kannte ich ein Mädchen. Sie hieß Maria. Aber ich nannte sie mit ihrem hebräischen Namen Mirjam. Pater: Sie war Jüdin?