Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-22 · 4 (22.1.1915) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
4 (22.1.1915)
Date
1915-01-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022147--23795-3049012
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mr. 4 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXII Zentralorgan für die gesamten Interessen des Audentums. Wien, 22. Jänner 1915 LrsiDeLnr jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie«, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. Inhalt: Leitartikel: Ein Wort für die internierten jüdischen Russen. — Zivilpersonen in Kriegszelten. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Auszeichnung eines gefallenen Stabsopiziers. Sonstige Dekorierungen. Beförderungen im Staatsbahndienste. Auszeichnung Dr. Bachrachs. Gefallene jüdische Militärärzte. Vor dem Feinde gefallen. Heldentod des Dr. Alexander Freund. Aus der Gefangenschaft entkommen. Aus Newyork. Japan und die Juden. Wie die Ruspn in Rvmanow hausten. Wie ein jüdischer Held in Petersburg empfaugen wurde. Judenverfolgungen in Rußland. Sch'ma. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Eisernes Kreuz für einen Oesterreicher. Einer, der mit niemandem tauschen will. Sonstige Auszeichnungen. Flieger und „Tauben" aus — hebräisch. — Korrespondenzen: Einlauf zur Plenarsitzung des Kultusvorstandes. Ein offener Brief in Angelegenheit der galizischen Flüchtlinge. In Wien beerdigte jüdische Krieger, die den Heldentod starben. „Praterspatzen. Zur Frage der Mazzessendung aus Amerika. Appell zu Gunsten der unter dem Protektorate der Erzherzogin Zita geplanten Wohlfahrtseinrichtungen für die Flüchtlinge. Ein Puppenheim als Reservespital. Dte neue Tee- und Suppenanstalt der Frau Annita Müller-Rosenzweig. Aufruf des „Jüdischen Kriegsarchiv". Auftuf. Klein-Pöchlarn. Malaczka. Pardubitz. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Zar. — Theaert und Literatur. — Brieftasten. — Notizen. — Inserate. OG o ÖO o TS. k. Postlparksffenittnt Llearing-Verkebr Mr. 910.976. Redaktion und Administration: BDiJ» II/i, Praterstraße 9. Telephon 45.359. nP - ’-^Qo Oü- --- 7) Bezugspreis für Oesterreich OO - Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplars 50 Heller. Äür das Ausland: Halbjährig l0 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Dte 2mal gespaltene Petitzeile 48 Heller. oP- - ■-■■■■■ - —-Do Gk« Wort für die internierten jüdische« Russe«. Als 1886 der Statthalter v. Zaleski bei Seiner Majestät in Audienz war, kam die Rede auf die Paßschwierigkeiten jüdischer Geschäftsreisender in Rußland. Herr v. Zaleski wies daraus hin, wie diese Schikanen den Handel Galiziens empfindlich schädigen. Se. Majestät erwiderte hierauf: „Ich bin von all diesen Verhältnissen genau unterrichtet und habe denn auch meinem Minister des Aeußern, Grafen Kalnoky, bereits die Weisung erteilt, auf diplomatischem Wege dahin zu wirken, daß diese gegen die fremden Juden gerichtete Verfügung, welche jeden Handel und Verkehr im allgemeinen schädigt, beseitigt werde. Leider kann man hiebei keine Gewaltmaßregeln in Anwendung bringen! Retorsion zu üben ist in diesem Falle unangebracht, wir würden sonst zu dem Verfahren gelangen: „Schlägst du meinen Juden, schlage ich deinen Juden." Unsererseits als Vergeltung die russischen Juden mißhandeln, wäre das größte Unrecht. Rußland würde das möglicherweise ja gerne sehen: doch ich werde ihm dieses Vergnügen nimmer machen." An diese interessante Episode, welche die edle Gesinnung unseres erhabenen Kaisers so recht offenbart, möchten wir heute unsere Behörden erinnern. Nach völkerrechtlichen Grundsätzen werden Kriege bloß gegen die Armeen geführt, Niedliche Zivilpersonen der kriegführenden Staaten sollten nicht unter Feindseligkeiten zu leiden haben. Dem stolzen, freien Albion war es Vorbehalten, in die ewige Mauer dieses über allem Völkerrechte stehenden allgemeinen Menschenrechts eine Bresche zu schlagen, .Deutsche upd Oesterreicher, die zum Kriege, zum Heere und zur Politik in gar keiner Beziehung stehen, in Konzentrationslagern unter allen Geboten der Menschlichkeit hohpsprechenden Verhältnissen vegetieren zu lassen. Natürlich sind Repressalien nicht ausgeblieben, und in Deutschland sind gegen die Russen und Franzosen Maßnahmen getroffen worden, die sich als eine gelinde Reaktion auf die unerhörten Mißhandlungen deutscher Bürger in Rußland und Frankreich darstellen. Auch bei uns sind zahlreiche russische Staatsangehörige interniert worden, und wir möchten dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck geben, daß alle diese Maßnahmen gegen die Ausländer den Geist der Gerechtigkeit atmen und nach den Gesetzen der Zweckmäßigkeit erlassen und gehandhabt werden. Gerechtigkeit erwarten wir gegen diejenigen Ausländer, die nach den obwaltenden Verhältnissen im Feindesland auch ihr Feindesland sehen müssen. Daß wir es ganz offen aussprechen: Die vielen russischen Juden, die in Oesterreich zum Teile seit Jahrzehnten sich des Gastrechtes erfreuen, das in diesen: Lande unter der Regierung des Kaisers Franz Josef I. von jeher ein sittlicher Imperativ mar, und die mit der russischen Heimat nur die traurige Erinnerung einer endlosen Leidenskette verbindet, diese müßten samt und sonders von ihr gänzlich unberührt bleiben. Diese Leute, die das Unglück, Untertanen des russischen Zaren zu sein, nicht erst zu Kriegszeiten so schwer tragen, sollten nicht verantwortlich gemacht werden für eine Politik, deren bemitleidenswerteste Opfer sie selber darstellen. Käme es allein darauf an, die Gesinnung der Treue zu uns zu beweisen, den jüdischen Russen in Deutschland und Oesterreich würde es wahrlich ein Leichtes fein, diesen Nachweis kollektiv zu erbringen. Man sehe sich nur die russisch-jüdischen Zentren in den Großstädten an, man belausche diese Auchrussen in ihren Bethäusern, in ihren Versammlungslokalen, man betrachte ihre glänzenden Gesichter bei der Kunde eines österreichischen und deutschen Sieges, und man wird bei diesen schlichten, harmlosen, leidgewbhnten und dankbaren Menschen eine zu allen Opfern bereite treue Gesinnung beobachten, wie sie manchem Oesterreicher und Deutschen von Geburt und Rasse vorbildlich sein könnte. Es diesen Leuten vergelten zu wollen, was ihre Verfolger im Lande ihrer Geburt an Attentaten am Menschtum verübt haben, wäre, sagen wir es offen heraus, mehr als ungerecht. Viele solcher „Russen" aus den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.