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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-15 · 3 (15.1.1915) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
3 (15.1.1915)
Date
1915-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 45 Heldentod des Leutnants Ar. I. Lemberger. Am 7. November hat bei einem Sturmangriff gegen die serbischen Truppen der Leutnant der Reserve im 42. Infanterieregiment Dr. Felix Lemberger in tapferem Borwärtsgehen den Tod gefunden. Dr. F. Lemberger, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, stand im Alter von 34 Jahren; er wurde von allendie ihn kannten, wegen seines streng ehrenhaften Charakters hoch geschätzt und feine Freunde erinnern sich tiefbewegt der patriotischen .Kampfesfreude, mit der er ins Feld zog. Er war der einzige Sohn einer Witwe, eilt Enkel des seinerzeit sehr bekannten und angesehenen Hoswechslers Deutsch. ßhannkafeier im Ielde. Prag. Ein k. k. Feldwebel eines böhmischen Landsturmbataillons auf dem sndl. Kriegsschauplätze schreibt uns: „Bei diesem Bataillon dient auch Herr Kantor Fuchs vom Karolinenthaler Tempel, der noch vor Kriegsbeginn in Trebitsch als erster Kantor tätig war. Die jüdischen Soldaten dieses Bataillons, wiewohl im Felde stehend, haben im größten Kugelregen nicht vergessen, daß Chanuka war und haben durch acht Tage dieses schöne Fest erhebend gefeiert und die ganzen acht Tage das Licht entzündet. Herr Kantor Fuchs hat als Borbeter fungiert. Herr Feldblum, dem vor kurzem der Schwiegervater starb, mtb auch ein Soldat, der soeben die Nachricht von Pardubitz erhielt, daß sein Vater das Zeitliche gesegnet hat, haben das Kaddischgebet die ganze Zeit bei dieser Andacht verrichtet. Trotz des heftigen Gefechtes haben diese Tapferen das Gottvertrauen bewahrt und in frommer Andacht bekundeten sie, dgß sie Juden auch im Kriege geblieben sind. Dies soll hier besonders hervorgehoben werden, zumal die Fama in der Welt erzählt, als wenn Juden aus Böhmens Landen die größten Aniha razzim wären. Gerade in dieser schweren Zeit verschaffen wir uns die Ueberzeugung, wie fast jeder seine Blicke zu Gott dem Allnlächtigen richtet, um sich Heil und Gnade zu erbitten." Schema Israel. „Höre, Israel" — mit dieser Anrede beginnt Moses (5. 5, 1.) seine zweite Verkündigung der zehn Gebote und desgleichen (5. 6, 4.) eine bedeutsame Steile seiner Predigt zur Einschärfung des Gesetzes: „Höre, Israel, der Herr unser Gott ist ein einiger Gott.". Diese Stelle und ihr weiterer Verfolg gehören zu den feierlichsten Gebeten der Juden,' die beiden Worte aber sind ein abgekürztes Glaubensbekenntnis und als solches oft der letzte Seufzer des Sterbenden. Eine Zeitung in Odessa erzählt, wie im November ein schwerverwundeter russischer Soldat aus den Kämpfen am San eingebracht wurde, der sich weigerte, die Hilfe des Arztes und der Pflegerinnen anzunehmen; man sollte ihn ruhig sterben lassen und nur noch den Rabbiner herbeirufen, Zn seiner letzten Stunde vertraute er diesem an.- „Als ich meinen Gegner, einen österreichischen Infanteristen, mit dem Bajonett erstach, rief dieser hinstürzend aus: „Schema Israel!" Ich habe, wie es Soldatenpslicht war, weitergetämpft, bis ich selbst meine schwere Wunde erlitt; aber es ist mir nicht möglich weilerzuleben, nachdem ich weiß, datz ich einen Glaubensgenossen getötet habe." Die Erzählung hat alle Züge der Echtheit, zumal bei dem Mangel eines besonderen Anlasses, sie zu erfinden. Sie dürste für die Empfindungen der Juden des Ostens bezeichnend sein. („Arbeiter-Zeitung.") Oer Sch’ma-Ruf im Feuer. Im >Pesti Hirlap« -war kürzlich der Inhalt einer Feldpost karte vom galizischen Kriegsschauplätze wiedergegeben, die ein ruthenischer Soldat an seine Frau schrieb. In derselben heißt es unter anderem: »Ich bitte Dich, gehe zum Chajem-Juden und frage ihn, was Sch’ma Jisroel zu bedeuten habe. YVenn die Kugeln am heftigsten um unsere Köpfe pfeifen, rufen das die Juden, und wahrhaftig, die Kugeln scheinen sie zu meiden. Von uns fallen viele, von ihnen im Verhältntß nur wenige. Deshalb bitte ich Dich, frage den Chajem-Juden, was das zu bedeuten habe, damit ich es auch weiß und im Notfälle verwenden kann.« Welcher Talmudkundige würde beim Lesen dieser Zeilen nicht an den Ausspruch eines unserer größten Lehrer im 2. Jahrhundert, an Rabbi Simon ben Jochai, denken, der anschließend an den Bibeltext Deuteron. 20, 3.: »Höre Israel, ihr nahet jetzt zum Kampfe gegen eure Feinde«, im Talmud Sotah 42a die Frage aufwirft: »Warum wird die Ansprache des Feldpriesters mit Sch’ma Jisroel eingeleitet?« — »Weil das Lesen des Sch’ma im Kriege vor dem Feind schützen kann«, lautet die Antwort. — »Mit den Worten des Sch’ma-Gebetes«, bemerkt S. R. Hirsch s. A., »ruft jeder Jude sich täglich früh und spät die Huldigung des Einzig-Einen mit allen ihren Konsequenzen in die Seele. Es ist auch derselbe Gedanke und dieselbe Huldigung des Einzig-Einen, vor dem im Momente der Schlacht alle sonstige Größe und Macht jede Bedeutung verliert, und mit dem Bewußtsein, ihm zu dienen und seines Beistandes sicher zu sein — der schwächsten Menscbenbrust Kraft und Mut, Ruhe und Stärke verleiht«. Die Ausführung des obgenannten großen Gesetzeslehrers, der dem Sch’ma sohhe Geheimkraft beimißt, deckt sich auch mit seiner Ansicht darüber an einer anderen Talmudstelle, Menachot 99b: »Wer im Notfälle«, heißt es dort, »auch nur das Sch ma morgens und abends liest, der erfüllt die Weisung »Forsche und sinne in ihr — der Thora nämlich — Tag und Nacht««, Josua 1, 8. — Mit welcher Andacht und Genauigkeit dieses Gebet verrichtet werden soll, erwähnt derselbe Tanraite in den Sprüchen der Väter, 2, 13 : »Sei gewissenhaft im Lesen des Sch’ma und des Achtzehn- Gebetes, und wenn Du betest, mache das Gebet nicht zu einer Sache der Gewohnheit, sondern zur Sache der Herzinnigkeit, der Gnade und Barmherzigkeit vor Gott. Das Gebet sei das Ergebnis eines Ergusses der Seele, entspringe einem innigen Herzenstriebe iund habe nichts Gezwungenes an sich«. Tiföres Isroel zur Stelle st ein Juwel. nS JT^H — Seit mehr denn 30C0 Jahren bildet das Sch’ma unser Glaubensbekenntnis, durch das wir die Einheit Gottes in uns wachgehalten und in alle Welt hinausgetragen haben. — Das Sch’ma begleitet uns von der Wiege bis zum Grabe, denn sobald das jüdische Kind die Sprachfähigkeit erlangt hat, wird es'darin unterwiesen und angeb alten, es zu beten. — Als Erwachsener hat man die Pflicht, es täglich zweimal, morgens und abends, mit Andacht zu lesen. — Am heiligen Versöhnungstag nach dem Neila-Gebet, wenn wir bereits 24 Stunden ohne Speise und Trank in Rückkehr zuTGott zugebracht haben, wird es zum Schluß vom Vorbeter feierlichst und mit voller Hingabe laut vorgesagt und von der versammelten Gemeinde mit tiefer Innigkeit nachgesprochen. — Endlich sind es noch die letzten Worte eines aus der Welt'Scheidenden als Ruf der "Erhebung und Ergebung in den Willen Gottes. — Als Stammvater Jakob nach 22jähriger Trennung seinen heißgeliebten, verlorengeglaubten Sohn Joseph wieder"in "seine Arme schloß, soll er im Augenblicke des Wiedersehens — auf dem Gipfel seines Glückes — das Sch’ma gelesen haben." Raschi, Genesis 46, 29. Im; Midrasch Rabba B,jr27i fwird die'i Verrichtung des Sch’ma als ein Protogamaia, eine tägliche Erneuerung der Verbindung mit Gott hingestellt. Es > wirdZhrn eine Wichtigkeit und Heiligkeit wie keinem anderen Gebet zuerkannt. Im Midrasch Jalkut 1, 835, wird es der Darbringung der täglichen Opfer im Heiligtum gleichgestellt und in Berach. 10 b. vorzüglicher als das Studium des Gesetzes gehalten. Der Sohar zu Ende ^Tl rählt sogar die Worte des ganzen Sch’ma,,'und bringt die Zahl 248 heraus gleich den Gliedern des Menschen. Ebenso lehrt Midrasch Tanchuma zu : »Nimm es nicht leicht mit dem L e s e n d e s S c h ’ m a, de n'nVs b e s’te h t a u s 248 Wörtern nachderAnzahlderGlieder des menschlichen Körpers. Gott spricht: »Beobachtest Du das Sch’ma ordnungsgemäß* zu lesen, so bist Du meines Schutzes sicher, behüte ich auch Dich«. — Und wahrlich, jeder Krieger hat den innigsten Wunsch, siegreich und womöglich mit unversehrten Gliedern heimzukehren, darum lasset uns das Sch’ma stets mit tiefer Andacht, mit innerer Bewegung lesen. — rUT!22 Altona, im Kriegsjahr 1914. Stifts-Rabb. Dr. Spiegel. Dos Signum laudis für Dr. DiUenti» gtofcnfeC». Der als Oberleutnant der Reserve im Felde stehende Wiener Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Valentin Rosen seid, ein Sohn Dr. Viktor Rosenfelds, wurde „für besonders tapferes Verhalten vor dem Feinde" durch das Signum laudis ausgezeichnet. Auszeichnungen jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. (Bisher wurden 1369 mitgeteilt, in der vorliegende» Nummer 82, zusammen 1451.) Grog-Berlin. Salomo», bei den Wrangeltürassieren in Königsberg, in Firma Salomon £ Kaminsky, auch zum Vizewachtmeister befördert; Oberarzt Dr. Martin Ascher; Ingenieur Mar Paul; Offiziersstellvertreter Julius R a u m a n n, in einem Artillerieregiment, Sobn des Herrn Eduard Raumann; Unteroffizier der Reserve Paul E o h n, Schöneberg; Georg Arnd t, Beamter der jüdischen Gemeinde; Oberarzt der Reserve Dr. Kurt A u ft e r 1 i tz, im 2. bayrischen Armeekorps, aus Eharlottenburg;

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