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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-01-01 · 1 (1.1.1915) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
1 (1.1.1915)
Date
1915-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 3 Der eine der beiden Juden machte seine in orientalischer Demut übliche Begrüßungsrevereuz. Da frug ihn der andere, wer dies sei, den er so demutsvoll grüßt. „Es war der König," erwiderte der Gefragte. „Nu, was is," meint der andere, „der ist doch auch nur e in I ud!" Daher die Disziplinlosigkeit des einen Juden dem anderen gegenüber. Es ist das Prinzip der Gleichheit und des gleichen Rechtes und Ranges, das bei uns und unter uns,, eine stramme Disziplin nicht recht zur Entwicklung gelangen läßt. Diese Strammheit der Gesinnung knickt jedoch vollkommen in, sich zusammen, wenn es sich um das Verhalten einem Nichtjuden gegenüber handelt. Das tönneu ivir schon bei den Kindern ist der Schule' bemerken. Es gibt doch kein bejammernswerteres Geschöpf als den jüdischen Religionslehrer. Ist bei der Zeugnisverteilung die Religionsnote des jüdischen Schülers ungünstig, dann gibt es keinen schlechteren Menschen aus Erden als den jüdischen Religionslehrer: ist sie gut, wenn auch unverdient, dann ist es nur seine verdammte Pflicht, die er dem Kinde gegenüber erfüllte. Wie demütig blickt aber das jüdische Kind auf seinen Herrn Lehrer nichtjüdischer Konfession: kein Kind würde es wagen, wegen einer schlechten Note gegen den Lehrer auszuarten, noch viel weniger der jüdische Vater oder die jüdische Mutter, und wenn es eine gute Note ist, wie dankbar blickt das Kind hiefür aus zu dem guten Lehrer. Und wie es bei den Kindern ist, so nicht minder bei den Erwachsenen, bei den Großen, sei es im Gemeinde- oder Vereinsleben. Dieses altvererbte Uebel hat bereits der große Moses an sich selbst erlebt, bei seinem ersten Schritt in die große Oeffentlichkeit. Er war doch als Prinz im Hause des' Königs erzogen und war sich dennoch seiner jüdischen Zugehörigkeit bewußt. Er kannte auch die traurige Lage seiner bedrängten Brüder. Das ließ ihm keine Ruhe, und trotz seiner hohen Stellung ging er hinaus zu ihnen, um sich ihrer anzunehmen. Welch ein herrlicher Zug seines Charakters, der gewiß schon allein seine spätere hohe Bestimmung kennzeichnete und ein rühmenswertes Beispiel für alle Zeiten sein sollte. Der hochstehende Jude sollte sich seiner bedrückten Brüder annehmen. Jedoch sieh, wie traurig die Erfahrung war, die Moses bei seinem edlen Vorgehen machte. Als er da zwei Hebräer miteinander im Streue sah und erkannte, daß der eine frevlerisch die Hand gegen den anderen erhoben hatte, wies er diesen zurecht. Das Wort eines Prinzen hatte aber jgar keine Wirkung auf die Streitenden, weil er doch für sie nur ein Jude war und es wurde ihm noch spöttisch zugerufen: „Wer hac Dich zum Fürsten und Richter über uns gesetzt?" Einem wirklichen ägyptischen Prinzen gegenüber hätte der Jude diese höhnische Abweisung nicht aufgebracht; vor dem hätte er sich in Demut gebepgt — aber vor einem Juden, da konnte er die freche Abweisung aufbringen. Dieses Erbübel ist uns durch alle.Zeiten geblieben, das der Disziplinlosigkeit, des Mangels jeder Ehrfurcht vor der Autorität unter Juden, jeder Unterordnung dem jüdischen Vorgesetzten gegenüber, und deshalb find wir auch als Minorität in allen Ländern der Diaspora allen Angriffen schutzlos preisgegeben. Diese Golusblüte jedoch, die uns die Autorität des jüdischen Vorgesetzten so niedrig einschätzen läßt, hat andererseits wieder den großen Vorzug in uns ausgelöst, in der Disziplin, der Unterordnung, der Ergebung dem nichtjüdischen Vorgesetzten gegenüber, in dem Gehorsam gegen Staat und Staatsgesetz und ihren Vertretern als beispielgebendes Muster voranzuleuchten. Schon in Friedenszeiten üben wir uns in der Vorschule des Gehorsams, sind wir dressiert für die stramme Disziplin in K r iegsze iten. Wir sind auch hiezu religiös verpflichtet geworden, in der Erweiterung des prophetischen Testamentes eines Jirmijahu, der uns den Gehorsam vor der herrschenden Regierung für das Exil eingeprägt hat, und das im Talmud eine Erweiterung in folgender Erklärung gefunden hat. Er sagt: „Drei Schwüre hm Gott seinem Volke Israel und den anderen Völkern, in deren Mitte es im Exile leben sollte, abgenommen. Einen, daß Israel nie mit Gewalt die Mauer stürmen wolle, in die es eingcschlossen ist. Einen zweiten, daß Israel nie rebelliere gegen die Herrschaft der anderen Völker und einen dritten, den Gort den Völkern abgenommen hat, wenn sie nicht dem Verderben und der Vernichtung anheimfallen und ihre Weltherrschaft verlieren sollen, daß sie Israel nicht unmenschlich behandeln." Das jüdische Volk hat seine beiden Schwüre treulich eingehalten, dafür zeugt jedes Blatt seiner tränenreichen Geschichte: es blieb immer gehorsam und treu der herrschenden D y n a ft i e. Die Völker haben den Schwur, zu dem sie vor Gott, vom Standpunkte einer jeglichen Religion aus verpflichtet sind, nicht immer eingehalten. Das Nichteinhalten eines solchen Schwures hat aber noch immer sich traurig an diesen selbst gerächt: alle Völker, die dieses göttlichen Schwures sich entschlagen haben, sind noch immer zugrunde gegangen und haben ihre Weltstellung eingebüßt. Iw unserer Zeit ist es Rußland, das Land der P o g r o m e, das diesem Ende bei Gottes Gerechtigkeit früher oder später entgegensiehr. Der Rächer wird sich in diesem Weltkriege finden, der uns Juden denselben, gleichwie bei den 300 Millionen Mohammedanern, zu einem heiligen Kriege stempelt, und wenn die jüdische Hingebung in unseren beiden Bundesstaaten, die diesen Krieg führen, überhaupt einer Steigerung fähig ist, so erhebt sie sich zu der höchsten Höhe, in der Einhaltung der strengsten Disziplin indieser K r i e g s z e i t. Der k k. Bezirkshauptmann in Bade». Z. -239/1 V. Pr. Baden, am 22. Dezember 1914. An Herr» Oberrabbiner Wilhelm Reich, Wolgeboren Baden. Ueber die von Ener Wolgeboren mit eine« Majestät-- gcsuche vorgebrachte Bitte um allergnädigste Annahme zweier von Ihnen aus Anlaß des Krieges verfaßter und in Doktor Bloches „Oesterreichischer Wochenschrift" veröffentlichter Publikationen „Oesterreichs Zuve» ficht" und „Der Kaiser betet", beehre ich mich auf Grund des Erlasses des k. k uö. Statthatterei-Pläfisiums vom 18. d. M Pr. Z. 2759/1 Euer Wolgeboren für diese Vorlage de« Allerhöchsten Dank mit dem Beifügen bekauntzugebe». daß die erwähnten Publikationen der k. u. k. Familienfideikommißbibliothek eiuverleibt werden. Es gereicht mir zur besondere« Befriedigung Euer Wolgeboren hievon in Kenntnis setzen zu können. Der k. k. Bezirkshauptmann Ritter von Galatti.

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