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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-12-25 · 51 (25.12.1914) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
51 (25.12.1914)
Date
1914-12-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 9,08 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. ZI Epirn Salamon, derzeit in Rosenberg, Böhmen, sucht seine Kinder Leib und Moses Aron Spirn aus Nadbrzezie, ferner die Familien Isaak Scheer und Samuel Brener aus Tarnobreg. Klapper Eftoim, derzeit in Rosenberg, Böhmen, sucht seine Eltern Joses und Reisel Klapper. Blatt Oscher und Mirtl aus Radimno werden gesucht von ihrem Sohn Samuel Blatt; Mechel Winzer und Freide Fischer aus Komarno werden gesucht von ihrem Sohn Liepne Fischrr. Beide sind leicht verwundet und befinden sich in Hohenfurth, Lazarett im Forsthaus. Berger Daniel aus Przeworsk, derzeit in Klein-Pöchlarn, sucht seine Frau Feige Berger und Tochter Beile, wie auch seinen Schwiegersohn Wolf Dreifuß mit seiner Frau Cirel samt vier Kindern. Rotowitfch Efraim aus Kolbuschow, derzeit in Klein-Pöchlarn, sucht seine Frau Ciwje und drei Kinder. Hüttner Tobias aus Ralna bei Tarnow sucht seine Tochter Beile Sattler aus Brzesko. Korn Salomon aus Tarnobrzeg sucht seine Frau Veile Korn. Zweckdienliche Mitteilungen nimmt das Rabbinat in Lundenburg entgegen. Sternberg David, Ersatzreservist des Landwehr-Infanterieregiments Nr. 22, Feldpost 26, wird seit Anfang des Krieges vermißt. Auskunft erbeten an seinen Vater Janlel Abraham, Tereblestie bei Sereth. Spitzer Markus und Frau aus Jezierzany werden gesucht von Frau Rosa Kirmayer, Gendarmeriewachtmeistersgattin in Jllischestie, Bukowina. Bodenstein Moses aus Zapalow sucht seine beiden Söhnen Samuel Bodenstein, 18 Jahre, und Jakob Bodenstein, 17 Jahre alt. Mitteilungen an das Rabbinat in Polna. Lichtmann Ahron aus Tarnobrzeg, derzeit in Polna, Böhmen, sucht Schisrah Gutmann nebst deren Tochter Chanue; Tobias Tänzer aus Tarnobrzeg; Moses Gutmann aus Rzeszow. Weinreb Kalman aus Borowa, derzeit in Polna, Böhmen, sucht Jachet Kurz und Rüben Kurz aus Mielec. Simon Abraham aus Pilzno sucht seinen Vater Abraham Elms und seinen Bruder Osyas. Zuschriften an das Rabbinat in Polna. Raab Abraham, derzeit in Bensen, Böhmen, Schützenyaus, sucht seine Frau Anna Raab mit drei Kinder aus Florinka, seinen Schwiegervater Moses Bodner und seinen Vater David Raab. Orgler Jakob, Würzburg a. M., Sterngasse 12, sucht seine Frau Ernestine Orgler und seine Kinder Aron, Berisch, Michael und Frieda aus Krosno. Jäger Bernhard aus Trembowla, bei Firma Amalie Harzopf in Wien, 3. Bezirk, Großmarkthalle sucht seinen Großvater Abraham Ehaim Jäger aus Brlice-Zlote, seine Onkeln Joses Goldstein und Frau aus Trembowla, Jfak Jäger aus Jagielnica, Meilech Jäger aus ^Kutkorce und Frau Channa Eckhaus. Spinner Klara aus Lemberg wird gesucht von Heinrich Spinner, 89.! Infanterieregiment, 4. Ersatzkompagnie, Parkany bei Esztergom. Liesing. <Schulkinderbekleidung.) Der Frauenwohltätigkeitsverein „Nächstenliebe" für Atzgersdorf, Mauer, Liesing, der seit erst einem Jahre besteht, hat sich kriegsfürsorglichen Werken gewidmet. Im Rahmen einer erhebenden patriotischen Feier fand am 13. d. M. in den Räumen des Parkcafes die Bekleidung armer Schulkinder aus dem ganzen Bezirke statt. Nach der Begrüßung der Präsidentin Frau Dr. Helene Hatschek und einem Präludium des Virtuosen H e i m a n n sang Herr Kantor Rosenzweig zwei patriotische Lieder. Im Anschlüsse an die Dankesworte armer beschenkter Kinder hielt Professor Nascher aus Wien die Festrede, die in einem .Hoch auf den Kaiser ausklang, und alle Anwesenden stimmten die Volkshymne an. Der junge Frauenverein zählt bereits 80 Mitglieder, an deren Spitze die Vorstandsdamen Helene H a t s ch e k, Melanie Donnebaum, Paula Szmetana, Hermine Lang selber, Emma Katz und Frau Helene Grün überaus verdienstlich wirken. Beden. (Chanukafeier.) Sonntag den 20. d. M. fand im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde eine Chanukafeier statt, die auf alle Teilnehmer einen überaus erhebenden und dauernden Eindruck machte. Der schön dekorierte Sitzungssaal und die anschließenden Räumlichkeiten waren von den Besuchern, deren allergrößter Teil aus galizischen Flüchtlingen, deren Kindern und Soldaten, unter denen sich auch Offiziere befanden, überfüllt, aus welche das solenne Arrangement erheiternd und erfreuend wirkte. Die Arrangeure des Festes: der Gemeindeausschuß, mit dem Präsidenten Herrn Moriz Lettner an der Spitze, und die Vorstandsdamen des hierortigen israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines, mit dessen Präsidentin Frau Julie L e i t n e r, waren vollauf bestrebt, das Fest aufs glänzendste durchzuführen, und wurde ihnen auch von allen Seiten Dank und Lob ausgesprochen. Alles, überhaupt die Jugend, delektierte sich an dem dargebotenen Festmahl, zumeist aber an den geistigen Zugaben, die in reicher Fülle gespendet wurden. Diese bestanden aus den trefflichen Ansprachen vonseiten Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner W. Rei ch, Dr .Samuel Rapaport, Beirat ,Simon Mandl, und zum Schlüsse den patriotischen Worten des Herrn Präsidenten Moriz L e i t n e r an die anwesenden Soldaten. Auch die Jugend leistete hiezu das ihrige: Fräulein Sidonie Reich produzierte sich auf dem Klavier mit der türkischen Volkshymne, Fräulein Rapoport trug hebräische Gedichte vollendet vor und viele andere wieder anderes. Den Abschluß fand das Fest mit der Verteilung von schönen Gebetbüchlein an die Kinder und die Soldaten zur Erinnerung an diese denkwürdige Feier. Meran. Unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Alt mann erhielt vom Militärkommando den Auftrag, sich um die Seelsorge der hier untergebrachten jüdischen verwundeten Soldaten zu kümmern, welchem Aufträge Herr Dr. Altm a n n in aufopferungsvollster Weise nachkommt. So veranstaltete er am Dienstag den 15. Dezember anläßlich des Chanukafestes im hiesigen Tempel einen Festgottesdienst, an welchem die ganze Gemeinde mit ihrem Vorstande und alle hier anwesenden jüdischen Soldaten sich beteiligten. Nachdem der Herr Rabbiner die Lichter entzündet hatte, hielt er eine von echtem Patriotismus erfüllte gehaltvolle Ansprache an die Krieger, die er mit den tapferen Makkabäern verglich und forderte gleichzeitig die Gemeinde auf, fortzufahren in dem Bestreben, die Not und das Leid der Soldaten und deren Hinterbliebenen möglichst zu lindern. Daraufhin wurde bei offener Bundeslade das Kaiserlied ,von der ganzen Gemeinde gesungen. In langem Zuge begab sich dann die Versammlung mit den Soldaten ins Hotel Bellaria, wo das Damenkomitee eine opulente Jause servierte. Reichhaltige Geschenke wurden verteilt. Aus der benachbarten Kaserne wurden noch 15 nichtjüdische Krieger hierzu eingeladen und bei Gesang und begeisterten Reden verlief der Tag aufs angenehmste. Die nichtjüdischen Soldaten fanden nicht genug Dankesworte für die herzliche und reiche Bewirtung; es war ein echter Kidusch-Haschem. Ein höherer Offizier, den ich nachher sprach, meinte: Wenn der Erfolg dieses grausamen Krieges nur der wäre, daß der Rassenhaß gemildert würde, wäre es nicht vergebens, ihn geführt zu haben. Chanuka in Tirol. Herr Redakteur! Fast möchte man glauben, daß diese zwei Begriffe einander ausschließen. Wir jüdischen Verwundeten hätten es uns niemals träumen lassen, hier, „im heil'gen Land Tirol", ein Chanukafest zu behen. Umso angenehmer waren wir berührt, als am 12. d. Mts. der Tagesbefehl erschien: „Die jüdische Mannschaft hat abends um 5 Uhr in der Synagoge zu erscheinen." Jetzt hieß es rasch unsere etwas defekt gewordenen Monturen Herrichten und die Synagoge erfragen. Jedoch dieser letzten Sorge hat uns das Arrangement enthoben, denn schon um 1/.25 Uhr erschien ein Pfadfinder, um uns bis zur Synagoge zu geleiten. Dort angekommen, trafen wir schon zahlreiche Kameraden aller Waffengattungen an, man hörte die verschiedensten Sprachen und auf allen Gesichtern las man die Freude, wieder einmal einem Gottesdienste beiwohnen zu können. Das Fest beginnt. Der hochwürdige Militärseelsorger Rabbiner Dr. Link besteigt die Kanzel. In markigen Worten schildert er die Kämpfe der Makkabäer, preist ihre Liebe zum Judentum, und, auf die Gegenwart hinweisend, zeigt er, wie der alte Makkabäergeist noch heute im Judentum lebendig ist und Wunder wirkt. Die Chanukalichter erstrahlen, im vielstimmigen Chore erschallt das Moaus zur jeschuosi wir singen mit, vergessen unsere Wunden, vergessen all die Strapazen des Schlachtfeldes, ich sehe mich wieder in die Jahre der Kindheit versetzt, glaube in der alten mährischen Kehille zu sein, wo mein alter Lehrer heute die Lichter anzündet. Die Feier ist zu Ende, wir wollen gehen. Da kommt eine weitere Ueberraschung. Einige Damen treten hervor, und wir alle, arm oder reich, werden in der zartsinnigsten Weise beschenkt. Das war unser denkoürdiges Chanukafest „im heiligen Land Tirol", das uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ich bitte Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, diesen Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte Raum zu geben, denn es war uns keine Gelegenheit gegeben, den Damen und den edlen Spendern zu danken. Erst nachträglich erfuhren wir, daß das Arrangement des Festes in den Händen des Vorstandes des Jüdischen Frauenhilfsvereines, der Damen Dannhaufer, Dubsky, Steiner und Schwarz lag, die auch jenen Verwundeten, denen die Teilnahme an der Feier in der Synagoge nicht möglich war, ihr Chanukageschenk in den Krankenzimmern der Spitäler überreichten und sie so vergessen ließen, daß es ein Chanuka in der Fremde war. All denen, die uns so große Freude bereitet, unfern herzlichsten Dank! ~ Genehmigen Sie den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung Karl Oesterreicher, Einj.-Freiw. Innsbruck, den 15. Dezember 1914.

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