Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 50 (18.12.1914)
- Date
- 1914-12-18
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022140--23707-3048919- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 50 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 891 Ziterat«»!. Moriz Frühlings „Jüdisches Kriegsgedenkblatt". Im Berlag von HalwL Goldmann, Wien I. ist soeben die 1. Lieferung des Prachtwerkes erschienen, das die Absicht hegt, unseren in Nord und Süd in Massen- und Einzelgräbern ruhenden jüdischen Offizieren ein Monument aere perennuis zu setzen. Nicht den Offizieren allein, sondern dem jüdischen Volke, das bis 1. November nicht weniger als 200, meist Reserveoffiziere, am Altäre des Vaterlandes hingeben mußte. Dies historisch in einem der breiten Allgemeinheit zugänglichen Werke festzulegen, ist von höchstein Interesse nicht nur für liefgebeugte Eltern, Witwen, Geschwister, sondern für die Gesamtheit des Judentums. Wenn trotz unerhörter Opfer an Gut und Blut die große Menge noch immer nicht an die Tapferkeit, die Pflichttreue und den soldatischen Sinn eines Volkes glauben will, das Napoleon seinem tollkühnsten und rücksichtslosesten General, Massen a, geschenkt hat, so nützeit nicht statistische Tabellen, cs ist itützlich, bei jedem Einzelnen, der den Tod gesunden, die nächsten Umstände darzulegen. Wie die Biographie der kurzen militärischen Laufbahn der meisten erweist, ist es nicht eine blinde Kugel, die getroffen hat, fast alle 22 Gefallenen hatten schon Auszeichnungen erhalten, waren zu solchen vorgeschlagen oder hatten sich * sonst hervorragend exponiert. Die erste Lieferung bringt die wohlgetrossenen Bilder eines Berufsoffiziers, Oberstleutnant Adolf Flecker, und von 21 Reserveoffizieren, durchwegs so schmucke und hübsche Jünglinge, daß einem unsentimentalen christlichen berühmten Gelehrten, dem ich das Heft zeigte, die Tränen über den wohlgepflegten Gcrmanenbart liefen. Zwei der Gefallenen sind Advokaten, zwei Studentetl gewesen, einer ein unersetzliches Talent als Komponist, der Musiker Aladar Rado. Alle übrigen gehören aber, und dies gereicht dem Judentum zu besonderem Rithme, denr Bank- und kaufmännischen Berufe an, itnd die Herren vom Kontor gehören zu denen, die sich am meisten auszeichneten und oft durch kühnes, waghalsiges Zugreifen Entscheidungen herbeiführten, soweit dies einem Subalternoffizier möglich ist. Wohltuend für das innige Verhältnis, das in unserer Armee zwischen Berufs- und Reserveoffizieren schon im Frieden herrscht, berühren die veröffentlichten Briefe, in denen die Vorgesetzten den Familien den Verlust des Allgehörigen mitteilen. Sie sind durchwegs von schönem Menschentum dnrchtränkt, ohne gerade den Römer- oder Kleistschen stoizistischen Patriotismus zu zeigen, der nun einmal dem warmfühlenden Sinn des Oesterreichers selbst bei lvildester Tapferkeit nicht entspricht. Fünf Wiener Kinder: Robert K o r a il y i, Kurt H o f m a nn (Sohn des Dr. Marcell Hofmanll), Fritz Nuß bäum, Alfred Pick, Dr. Friedrich Priester, hat das Morgenrot zu frühem Tod geleuchtet, die übrigen haben in Böhmen, Mähren, Polen, Ungarn ihre Heimat. So ist auch bei unseren jüdischen Helden keine Provinz verschont geblieben. Wenn Moriz Frühling zu seinem gleichfalls gegenwärtig im selben Verlage erscheinenden Prachtwerk, „Die Inden in der Wehrmacht Oesterreich-Ungarns", sich nur mühselig sein erstaunend reiches Material verschaffen konnte — war es doch in früheren Kriegen verhältnismäßig ivenig Juden gestattet, ihrem Vaterlande dienen zu dürfeir , so sorgen die gegenwärtigen Verlustlisten dafür, daß für dieses Werk dem Verfasser reiches, ja überreiches Material zufließt. Wir bitten daher alle Angehörigen, ihre Bescheidenheit anfzugeben und trotz ihrer tiefeil Trauer dem Verfasser Daten zukommen zu lassen. Jlldenl sie ihre liebeil Toteil ehren, ehren sie das Judentum, und wenn es ihnen auch jetzt im ersten Schmerz nebensächlich erscheint, wird in späteren Jahren Kind und Enkel, Neffe und Großneffe den Angehörigen mit Stolz in diesem Werke finden und die Einrechung im „Frühling" auch als eine Art Eisernes Kreuz betrachten. Zu rechter Stunde, während wir die Chanukakerzen anzünden, erscheint die erste Lieferung. Wenn ejn großer englischer Seeheld einmal unerwartet bei den Ahnen der jetzigen Baronin Alfons Rothschild zu ihrem Feste kam und bemerkte, die Makkabäer erschienen ihm die beneidenswertesten Helden, weil zwei Jahrtausende nach ihrem Tode noch schöne junge Mädchen ihr Gedächtnis feiern, während modernere Helden nach einem Jahrhulldert bereits vergessen seien, so sollen wir in der Ehrung unserer modernen jüdischen Helden nicht nachstehen. Auch sie kämpfen in Oesterreich nicht nur für die teure Heimat, sondern für den Glauben der Väter, den sie hier ungehindert ausüben können — wenigstens am nördlichen Schauplatz ist dieser Krieg für die Juden im eminentesten Sinne ein Glaubenskrieg. Darum sei nicht nur den trauernden Hinterbliebenen, sondern allen Gemeinden, Schulen und der Heranwachsenden Jugend dieses Werk angelegentlichst empfohlen. C. Benedikt. Allsgewählte Misnatraktate. Nach Handschriften und alten Drucken veröffentlicht, übersetzt und mit Berücksichtigung des Neuen Testaments erläutert. Herausgegeben von Hermann L. strack. — Berlag der I. C. H i n d r i ch s schen Buchhandlung, Leipzig. — Pros. D. Dr. H. L. totrad: Pirqä Aboth, Die Sprüche der Väter. Bierte, ganz neu bearbeitete Auflage. Mit Vokabular und drei Negistern. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. 14. Jahrgang, Heft 9 12. September Dezember 1914. Verlag „Ost und West", Leo W i n z, Charlottenburg, Knesebeckstratze 32.^ Inhalt: Der Krieg als Lehrmeister. (Vom grundlosen Hatz. Die Rassentheorie und der Krieg. - Die Juden als Krieger), mit einem Porträt. B. W. Segel: Eine Verirrung. (Zangwill als Amvalt Nutzlands.) Mar Liebermann: „Kischinew". (Lithographie.) A. Benesra: Von Babel bis Petrograd. (Mit zwei Illustrationen.) - Fabius Schach: Krieg und Kultur. — Nach dem Pogrom. (Jüdisches Volkslied.) Noten. Aus der Gefangenschaft. (Brief eines russisch-jüdischen Soldaten.) - Dr. Alphons I. Sutznitzki: Palästina als Kriegsland. (Mit Kartenskizze und sechs Illustrationen.) — Jakob Barth. Mit Porträt. — A. Kahn: Islam und Judentum. — Die Juden in Rutzland. Jakob flieht . . . Rede, gehalten am 28. November 1914 von Prof. Dr. I. Hirsch, Rabbiner in Karolinenthal. Im Selbstverlag. Preis 50 Heller. Der Reinertrag ist der Unterstützung der galizischen Flüchtlinge gewidmet. Jeschurun. Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum. Herausgeber: Dr. I. W o h l g e m u t h. Verlag des Jeschurun, Berlin N. 24. Inhalt: Der gesetzestreue Jude und der Krieg. — D. Hoffmann: Probleme der Pentateucheregefe. — I. Unna: Die Bedeutung der Eutachtenliteratur für die jüdische Geschichte. — I. Wohlgemuth: Zur Bedeutung von Schalem „bezahlen". — O. Bähr: Das „Kainszeichen". — I. C a r l e b a ch: Moral als Politik. Verehrliche Redaktion! In der letzten Nummer Ihrer geschützten Zeitschrift ist von einem Geberbüchlein die Rede, dessen Zusammen stellung irrtümlicherweise mir zugeschrieben wird. Die selbe ist von Herrn Amtsleiter K raus, während von mir lediglich die wenigen Worte des Schlußgebetes her rühren. Ich bitte Sie, dieser Berichtigung in der näch sten Nummer Ihres hochgeschützten Blattes Raum zu geben. Gestatten Sie mir bei diesem Anlaß, Jhnetl für das besondere Wohlwollen, das Sie wie allen Humanitären Institutionen in unserer Gemeinde auch beit Bestrebun gen des Arbeitskomitees der „Weiblichen Fürsorge" unermüdlich zuwenden, meinen besonderen Dank abzustatten. In vorzüglicher Hochachtung Regine Ulmann. Wien, 12. Dezember 1914.