Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 49 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 868 Dv. Bloch's Wochenschrift Nr. 49 ni& fand am 4. d. M. auf dem israelitischen Friedhöfe in Baden statt und vollzog sich, dank dem Entgegenkommen der dortigen Kultusgemeinde und der Ehewra-Kadifcha, in der würdigsten Form. Die in Wien weilenden Repräsentanten der Stadt und Gemeinde Jaroslau waren, mit dem Reichsratsabgeordneten Rychlik an der Spitze, erschienen. Oberrabbiner Reich widmete dem Verewigten einen ehrenden Nachruf, in dem er sein musterhaft patriarchalisches Fami.irnleben, seinen fromm-jüdischen Sinn und seine öffentliche Wirksamkeit rühmte. Mödling. Das Leichenbegängnis des verdienten Religionslehrers Herrn M. Gailenberg aus Atzgersdorf fand am 3. d. M. unter außerordentlicher Beteiligung auf dem Friedhöfe zu Mödling statt. Alt und Jung des ganzen Bezirkes hatte sich eingefunden, um den trefflichen vieloerdienten Lehrer, der über drei Jahrzehnte so erfolgreich wirkte, das letzte Geleite zu geben. An der Bahre, an welcher vier Töchter und zwei Söhne, die Schüler und Schülerinnen des Verblichenen standen, hielt nach den von den Kantoren Fast und Löwy rezitierten Trauergesängen der Mödlinger Rabbiner Herr Dr. Bardowrtz einen überaus rührenden Nachruf. Namens der großen Zahl der Freunde und Anhänger hielt Prof. Ed. Nascher aus Wien, der den Verstorbenen unterrichtlichtlich vertrat, die ergreifende Trauerrede. Dann wurde der Sarg zum Ehrengrabe getragen. Direktor Donncbaum, Vorstandsmitglied des Liesinger Tempeloereines, widmete am offenen Grabe dem vorzüglichen Beamten und ausgezeichneten selbstlosen Lehrer tiefempfundene Worte des Dankes und Gedenkens. St. Pölten. In der Kaiser Franz Joses I.-Huldigungssynagoge fand Dienstag, den 1. Dezember 1914, um 4 Uhr lrachmittags, anläßlich des 66 jährigen Regierungsjubüännls Tr. Majestät unseres Kaisers ein Festgottesdienst statt. Es wurde auch eine Huldigungsdepesche an die Kabinettskanzlei abgesandt. Amstetten. Ein schwerer Verlust hat unsere Kultusgrmeinde betroffen. Am 30. November l. I. starb nach langer, schwerer Krankheit Herr Moriz S e i d I e r, Kaufmann in Mank N.-Oe., Mitglied des Kultusausschusses, im 40. Lebensjahre. Ob seines lauteren Charakters und seines bescheidenen, mit Klugh it gepaarten Wesens erfreute er sich der größten Achtung und Wertschätzung nicht nur bei den Mitgliedern unserer Kultusgemeinde, sondern auch in weiten Kreisen unseres Bezirkes. Die allgemeine Beliebtheit, deren sich der Heimgegangene bei Lebzeiten erfreute, kam aufs deutlichste zum Ausdruck bei dem Leichenbegängnisse, welches Mittwoch den 2. Dezember, halb 10 Uhr vormittags, stattfand. Im Trauerhause hielt Herr S. Fried, Religionslehrer in Purgstall, dem Verblichenen einen warmen Nachruf, welcher auf die Trauerversammlung einen liefen Eindruck machte. Nach Verrichtung der Trauergebete wurde der Sarg in den Leichenwagen gehoben und der Trauerzug bewegte sich unter dem unübersehbaren Geleit nicht nur der Gemeindemitglieder, sondern auch einer großen Zahl Andersgläubigen, fast sämtlicher Beamten des k. k. Bezirksgerichtes und der Sparkasse, des Gemeinderates mit dem Bürgermeister an der Spitze und vieler Feuerwehr-Deputationen bis zur Grenze. Um 2 Uhr nachmittags langte die Leiche in Pbbs a. D. auf dem israelitischen Friedhöfe an. Hier hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. B e r t i s ch aus Amstetten eine tiefempfundene Grabrede. Innsbruck, 4. Dez. Das erste jüdische Opfer des Krieges haben wir gestern zu Grabe getragen. Herr Artur Schwarzbart aus Wien, Korporal im 4. Infanterieregiment, ist feinen im Kampfe fürs Vaterland erlittenen Verletzungen erlegen. Die Beerdigung des tapferen Kriegers gestaltete sich dank der Vorsorge der Chewra- Kadischa — zu einer sehr würdigen Trauerkundgebung. Außer den zahlreichen Mitgliedern unserer Gemeinde waren erschienen Kultusvorsteher Wilhelm D a n n h a u s er sowie dessen Stellvertreter Louis Bauer mit dem gesamten Kultusrate, der Vorstand der Chewra-Kadischa, vertreten durch die Herren Brüll, Dubsky und Singer, ferner eine Abordnung des Offizierskorps, die dem Verblichenen die letzten Grüße des Regimentes überbrachte. Landesrabbiner Dr. Link lvidmete dem Verstorbenen den wohlverdienten ehrendelr Nachruf. Prag. (Leichenbegängnis.) Frau Babette Fried, die am 26. November entschlafene jüdische Schriftstellerin, wurde mit besonderen Ehren hier bestattet. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Weiner hielt der Verblichenen einen ehrenden Nachruf, in welchem er ihre Verdienste um das Judentum, in dessen Dienst sie ihre gewandte Feder gestellt, besonders hervorhob. Redner erwähnte ihre besondere Bescheidenheit und ihre Lieb: und Aufopferung für ihre größere Familie, für die sie rastlos stets tätig war. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor G r u s ch k a. Unter den vielen Trauergästen waren der „Klub deutscher Schrift st ellerinnen Prag s", die Ortsgruppe des „Vereines reisender Kaufleute" und mehrere andere Vereine vertreten. A. Gewitsch. Mittwoch, den 2. Dezember d. I., fand anläßlich des 66 jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers in Mähr.-Trübau ein Festgottesdienst statt, zu welchem außer, der gesamten jüdischen Einwohnerschaft auch noch erschienen waren: der Bezirkshauptmann Statthaltereirat K h o ß v. Sternegg, k. k.Gymnasialdirek'tor Hausmann, die Professoren Dr. Herzog und Steinschneider, Landesgerichtsrat Dr. B a ch r i ch, Bürgermeister Mayer samt dem Vizebürgermeister, Kommandant der Gendarmerie Rittmeister Mayscheider, die Chefs des Postamts und der k. k. Bahnstation, der Bürgermeister der Jsraelitengemeinde Gewitsch L i e b l und Kultusvorsteher Klug u. v. a. Nachdem Herr Oberkantor Chaitmann mit dem Chor den Kaiserpsalm rezitiert hatte, hielt Rabbiner Dr. Isidor K o h n (Gewitsch) die von patriotischem Geist durchglühte und allseits mit Enthusiasmus ausgenommene Festrede. Die Feier, zu deren Gelingen die Leistungen des Kantors und der von Fräulein Grete Beer am Harmonium begleitete Gewitscher Chor, dessen Teilnehmerinnen sich in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatten, viel beitrug, nahm einen äußerst würdigen Verlauf. Trebitsch. Montag den 30. November starb hier Herr Josef T a u s s i g, ein Bruder des auch in Wien noch unvergessenen Hosrates Sigmund T a u s s i g. Der Verstorbene war durch fast 10 Jahre Präses der hiesigen Kultusgemeinde, Obmann des Ortsschulrates und bekleidete auch sonst viele Ehrenstellen. Gleich nach seinen: Ableben versammelte sich der Kultusausschuß zur feierlichen Trauersitzung, in der unter Beisein des ehrw. Herrn Rabbiners die Einzelheiten des Begräbnisses festgesetzt wurden. Das Begräbnis, das am 2. Dezember stattfand, gestaltete sich denn auch zu einer imposanten Ehrung des Verstorbenen, der durch seine Menschenfreundlichkeit, seine Herzensgüte, seine Wohltätigkeit und sein reges Interesse für alles Jüdische weit über dir Gemarken unserer Stadt bekannt war. Alle städtischen und staatlichen Behörden, alle Vereine, alle Schulen alle Bevölkerungsschichten, Abordnungen der Nachbargemeinden gaben dem toten Präses das letzte Ehrengeleite. Im Trauerhause nahm Ce. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. S t ö ß l e r rührenden Abschied von dem Verblichenen im Namen aller ihm Nahestehenden wie im eigenen, da ihn mit dem Verstorbenen zum Wohle der Gemeinde aufrichtige Freundschaft verband. Die üblichen Trauergesänge versah hier Herr Kantor M. Kurzweil. Der Sarg wurde hierauf von Mitgliedern des Ausschusses emporgehoben, zum Leichenwagen getragen, der ihn nach dem Tempel brachte. Hier fand die offizielle Trauerfeier der Gemeinde statt. Den gesanglichen Teil leitete Herr Oberkantor M. G o l d e n b e r g. Den Nachruf hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. S t ö ß l e r. Nun trugen die Vorsteher der Chewra- Kadischa und der Tempelverwaltung den Sarg aus dem Tempel, um ihn nach der Zeremonienhalle zu bringen. Hier sprach Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. S t ö ß l e r zum dritten Male. Er charakterisierte den Verstorbenen als Privatmenschen und gedachte besonders seines guten Herzens. Trebitsch. Infolge des Begräbnisses des Kultuspräses konnte der Festgottesdienst anläßlich der 66. Wiederkehr des Regierungsantrittes unseres allgeliebten Kaisers erst am 3. Dezember abgehalten werden. Der Tempel war geschmackvoll dekoriert, der Besuch sehr zahlreich — alle staatlichen und städtischen Behörden waren vertreten. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor M. G o l d e n b e r g mit Assistenz des Tempelchores, die Festrede hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. I. S t ö ß l e r. Warasdin. (S p e n d e n a u s w e i s.) Für gal. Flüchtlinge erhielten wir durch Oberrabbiner Dr. Jg. Ernst von Frau Sarah Berger Kr. 20, Frau Wwe. A. Kohn 20, Herrn Moritz Moses 50.—, Herrn Adolf Plachte 50.—, Herrn Ludwig Plachte 50.—, Herrn Ignaz Leitner 50.—, Herrn Wilhelm Lebensfeld 20.—, Herrn B. Kräuterblüh 20.—, Frau Agnes Moses 10.—, Herrn Ignatz Rosenberger 10.—, Herrn Josef Broch 10.—, Herrn Sigm. B l u m st e i n 4.—. Zusammen Kr. 314.—. Neue Barone. Wie in Budapester gut informierten Kreisen verlautet, werden in kürzester Zeit zwei jüdische Familien, beide Großindustrielle, zur Baronie erhoben werden. In dem laufenden Kriege, bezi.hungsweise in der Herstellung der nötigen Kriegsausrüstungen siel den Häuptern der beiden Familien eine große Rolle zu. Sie haben als Armeelieferanten auch in der Vergangenheit unter normalen Verhältnissen sich solche Verdienste erworben, für welche sie wiederholt der Auszeichnung durch Se. Majestät würdig befunden wurden. Der eine der beiden neuen Barone ist Manfred Weiß de C s e p e l und der andere Theodor Wolfner de Üjpeft.