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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-12-04 · 48 (4.12.1914) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
48 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 849 » Freide P otas ch 1: i k aus Narol in Galizien, derzeit 2. Bez., Kronpr. Rudolfstraße 34, 1/5, sucht ihren Mann Chain: P o t a s ch n i k und ihre zwei Töchter, Hinde, 18 Jahre, Zine, 16 Jahre. Bronya Trompeter aus Mielce, derzeit in Frainspitz (Mahren), sucht ihre Eltern Schulim und Ziwa Trompeter ::nd ihre Geschwister. Etwaige Auskünfte erbeten an das Rabbinat in Mißlitz. Baden. Herr kais. Rat Dr. Emil Raab, früheres langjähriges Mitglied des hiesigen Kultusvorstandes, der sich seit Beginn des Krieges als Kommandant des M i l i t ä r l a z a r e t t e s in T u z l a befindet, wurde wegen seiner hervorragenden Tätigkeit nur dem Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens, verbunden mit der K r i e g s d eko r a t io n, ausgezeichnet. — Die israelitische K ultusgemeind e hat 600.000 Kronen Kriegsanleihe gezeichnet. Die C h e w r a - K a d i s ch a zeichnete 2000 Kronen, der i s r. F r a n e n - W o h l t ä t i g k e i t sv er ein 1500 Kronen, Herr Oberrabbiner Reich 1000 Kronen. Von den Mitgliedern der isr. Kultusgemeinde wurden große Summen — nach einer begeisternden Predigt des Herrn Oberrabbiners in der Synagoge - gezeichnet. Hirsch Jakob Keller aus Rzeszow, derzeit Bodenbach a. E., Rozowicer 759, sucht seinen Bruder Rüchen: Keller san:t Frau, Chana Keller mit 5 Kindern, seinen Schwager Mendel Reich mit seinem Sohn Joses und Frau Reche Fischbein. Nathan K a n y u k, Infanterist aus Grzymalow, derzeit in Trencsen (Ungarn), bei Herrn Kalman Kohn, isr. Rotär, sucht seine Eltern Wolf K a n y u k und dessen Gattin Milcsi Presser: ferner Herrn Kapellineister Gedalja G o l d r i n g aus Skala. Simon Becker, Infanterist, sucht Bine B e ck e r aus Narol: Infanterist David Ruß bann: sucht seine Frau Chase Fromet aus Huskow: Infanterist Chaskel CS egal aus Zbarasz sucht seine Frau Ester mit Kind: Infanterist Eisig S ch u st e r sucht seine Eltern, Ele S ch u st e r aus Bnczacz; Infanterist Majer L a i ch t e r sucht Jsak Ringelheim aus Pogwizdow: G. Asist. Moses Spitzer sucht seine Frau Debora aus Zolkiew. Auskünfte erbeten an k. k. Feldrabbiner Dr. G. S i ch e r, derzeit (Garnison). Saaz. Eure hochangesehene, iir werten Kreisen geschätzte Familie ist in tiefe Trauer versetzt worden. Herr Norbert Grünfelder Brauereidirektor in Jassy, Rumänien, ist irn Alter von 34 Jahren, von einem jähen Tode nach kurzer Krankheit dahingerafft worden. Sproß eines edlen Hauses, Sohn vornehmer hiesiger Eltern, lebte er in den Traditionen jüdischer Lebensführung, wandelte er in den Fußtapfen edler Eltern, deren: Borbilde und deren Tugenden er nachstrebte. Ein Herz voll warmer Nächstenliebe und eifrigster Hilfsbereitschaft hat zu schlagen aufgehört. Der Verklärte vereinigte hohe Bildung mit altjüdischer Treue zum väterlichen Glauben, er genoß die Sympathien aller, die ihn nur kennen lernten. Allgemeine Teilnahme wendet sich den trauernden Eltern, Herrn Moritz und Sofie Grünfelder, d:e einen heißgeliebten Sohn in jugendlichem Alter voll Tatkraft und Schaffensfreude betrauern, und der unglücklichen Witwe zu, die nach dreijähriger Ehe den Gatten verloren Die irdischen Ueberreste des Verewigten wurden Montag den 23. November hier zur letzten Ruhe gebettet. Das Leichenbegängnis ' gab durch die außerordentliche zahlreiche Beteiligung Zeugnis der allgemeinen Verehrung, welche für den Heinigegangenen sowie seinen hartgeprüften Angehörigen in weiten Kreisen vorwaltet. Mögen diese spontanen Kundgebungen der Sympathie für die hart betroffene Familie eine Quelle des Trostes werden, um in Seelenstärke das Unabwendbare zu ertragen. Fr. M. A. Babette Fried s. A. Wer diese geist- und gemütvolle Frau persönlich gekannt oder ihre zahlreichen jüdischen Novellen — sie schrieb deren mehr als hundert — gelesen, der wird mit inniger Teilnahme und Betrübnis 4die Nachricht von ihren: Hinscheiden in Prag am 26. November d. I: hören. Babette Fried geb. Freund wurde am 26. Oktober 1850 zu Chyn, einer kleinen jüdischen Gemeinde im Böhmerwald, wo ihr Vater als Rabbiner fungierte, geboren und erhielt mit ihren beiden Brüdern im intelligen:en Elternhanse eine fromme und gute Erziehung, bis sie in die Ehe trar. Erst mit 45 Jahren griff sie zur Feder, nur ihren kränklichen Gatten und ihre minder zu erhalten, und was sie schrieb, wurde im In- und Auslande und besonders in den gut jüdischen Kreisen eifrig und mit Vorliebe gelesen. So schrieb sie für den Israelitischen Bolkskalender von Brandeis-Prag alljährlich eine Erzählung, auch die Monatsschrift der O e st e r r e i ch i s ch - I s r a el i r i s ch e n Union in Wien brachte vor nicht langer Zeit eine solche. Die Jüdische Universal-Bibliothek Brandeis-Prag enthält reizende Novellen a:ls ihrer Feder. Unermüdlich arbeitete sie, bis sie in den letzten Monaten vor ihrem Tode ernstlich erkrankte. Sie trat warm fürs Judentum ein und wandte sich mit Vorliebe auch an llnsere Jugend, um diese für den Bäterglauben zu gewinnen. Als im Jahre 1910 ihr 60. Geburtstag gefeiert wurde, war es besonders die Ehrung seitens des Klubs der deutschen Schriftstellerinnen Prags, der in besonderer Festsitzung der unermüdlich tätigen und sehr beliebten Kollegin gedachte, eine Aufmerksamkeit, die ihr Freude und Genugtuung bereitete und der großen Oeffeutlichkeit von der Wertschätzung, deren die Verblichene sich erfreute, Kunde brachte. So hat der unerbittliche Tod auch sie uns entrissen, ihr 'Andenken jedoch wird in der Familie und in ihren Kindern, die sie so liebevoll bis zu ihrem Hinscheiden gepflegt, unter ihren zahlreichen Freunden und in ihren Schriften sortleben. M o r i tz A n t s ch e r l. Feuilleton. Ios. Penizek — Zündhölzchen. *) Alls ^dein fünften Buche meiner Anfzeichnungen. Wien, 8. Dezember 1012. Ende der Achtziger- und anfangs der Reunzigerjahre, als die demokratische Bewegung in Wien in die alttisemitische und sog. christlichsoziale schon ausgeartet war und ihre trüben Wellen tief und hoch in die Bureaukratie warf, trasen wir, einige Demokraten und politisierende Beamte, zeitlich vormittags, um 9 Uhr schon, ja oft nach 8 Uhr, in einer kleinen Weinstube zusanlmen, die sich iit einem alten Hause der Schauster gasse, gerade vis-ü-vis der Hosburg befand. Das Hans ist niedergerissen worden. Ein mehrstöckiges Gebäude steht an dessen Stelle, in dem die Landwirtschafts-Gesellschaft un'ergebracht ist. Die W.'instube ist verschwunden. Sie muß eine Goldgrube gewesen sei::. Die Besucher waren räum lich und gesellschaftlich getrennt. Alle trugen jedoch zum Reichtum des Wirtes wesentlich bei. In der einen Hülste war eine Stehtrinkhalle. Dort verkehrten die Männer des Hofes. Kamen, tranken rasch und gingen. Zuweilen ivurde gelacht oder lauter gesprochen, wenn einer einen Witz oder ein Staatsgeheimnis erzählte. Alles war jedoch temperiert, gedämpft artig niemals gab es Streit oder Lärm. In dem anderen Trakte waren drei Tische. Für höchstens 24 Personen. Der unterste war uns reserviert. Es gab nur Stammgäste an allen. Es mar in den ersten Anfängen der antisemitischen Bewegung in Wien. Sie hatte lawinenartig die Lehrer, die Gewerbetreibenden und auch die Beamten mitgerissen. Diese wurden die enragiertesten Judenhasser und Judenfresser. Vielleicht deshalb, weil gerade sie den geringsten Grund hiezu hatten. Denn in den staatlichen Bureaus war die jüdische Konkurrenz sehr gering, minimal, fast gleich Rull. Auch an unserem Tische saßen solche. Machten ans ihrer Gesinnung kein Hehl. Im Gegenteil, trugen sie ostentativ zur Schau. Wie die Bekenner eines neuen Glaubens ihren Kanon, ihren Dekalog. Sie verursachten die leidenschaftlichsten Debatten. Unter ihnen war Regierungsrat I a n d a vom Kommerziellen Departement der k. k. priv. Staatseisenbahngesellschast der witzigste. Nachher erst erfuhr ich, daß Neid das Agens und Movens gegen jüdische Beamte gewesen: ein jüdischer Hosrat eines *) Aus dem Tschechischen. Erschienen im »Oesko Sidovskv kalendäf« (tschechisch-jüdischen Kalender) und separat.

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