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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-12-04 · 48 (4.12.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
48 (4.12.1914)
Date
1914-12-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXI Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. Ot>- - —~—-~=D o ”? ft. ft. Postlparft^ffen.imi ClearingsiDerftebr INr. 810.976. Redaktion unb Administration: Wien H/1. Praterstraße 9. Telephon 45.359. <J o P - - - -Q o -ooc- Wien. 4. Dezember 1914 Lrscbetnt jeden FreLtag. Brief-Adresse: Wie«, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. 0(,~■— — =QÖ p Bezugspreis für Veflrrreirh: Q Halbjährig 8 Kronen. EinzelcrcmPlare .">0 Heller. Äür das Nuslklnd: Halbjährig >«> Kronen. Ganzjährig ’At Stvoncn. Anzeigen: Tie 2mal gespaltene Pctitzeile 48 Heller. oO- —Do Inhalt. Leitartikel: Patriotismus im Kriege. — B o m I a lj r m a r k t des L e b e u s : Ter Mögen Tovid als jüdisches Erkennungszeichen im Feld- und Spitaldienst. Baron Oppeln über jüdische Soldaten und Offiziere. Kaiserliche Auszeichnungen für jüdische Krieger. Julius Reis. Tas Heldemnädchen von Uvae. Ein jüdischer Fähnrich nach seinem Heldentode zum Leutnant ernannt und mit der silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet, Gefallene Soldaten. Ein jüdischer Arzt als Held. Heldentod des Reservesähurichs Ernst Plaezek. Auf dem Felde der Ehre gefallen. Tr. Heinrich Kohn. Testament eines gefallenen jüdischen Offiziers. Auszeichnung jüdischer Krieger mit dem Eisernen Kreuze. Sonstige Auszeichnungen. Gesaudtschaftsattachee Baron von Goldschmidt-Rothschild. Tas Eiserne Kreuz nach vierundvierzig Jahren. Gefallen in treuer Pflichterfüllung. Rechtsanwalt Tr. Julius Kahn, Mainz. Russische Juden in Palästina — türkische Untertanen. Die türkischen Juden in Frankreich. Ein Denkmal für jüdische Helden. Eine, die von den Russen lernen will. Botschafter Gras Bernstorss über die Behandlung der Juden in Deutschland und Rußland. Ter alte Kurs in Rußland. — K orrespoude n zen : Festgottesdienst und Festsitzung anläßlich des 66jährigen Regierungsjltbilünms des Kaisers. Generalstabsarzt Tr. Jacob Juckermann. Eingesendet. Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim. Ein Rundgang durch die Wiener Kriegswohlfahrtseinrichtuugen. Mädchen- und Frauenverein „Krankenbesuch" (Bikur-Chaulim). Jur Konskription der Juden in Budapest. Das Barackenlager in Nikolsburg. Tie galizischcn Flüchtlinge in Karlsbad. Beisetzung eines russisch-jüdischen Kriegsgefangenen in Prag. Kattowiy. — Vermif ch t e s. — Feuilleton: Jündhölzchen.— Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Kundmachung. Die in Wien und in anderen Städten Oesterreichs sieb gegenwärtig befindenden Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina werden in ihrem eigenen Interesse ersucht, ihre Namen und Adressen sowie die Namen ihrer Angehörigen in Amerika an das Hilfskomitee der Federation of Galician Jews of America 273 East Houston St. New York bekanntzugeben. Um Postporto zu sparen, können die Adressen in gemeinsamen Zuschriften angegeben werden. Patriotismus im Ikriege. Bon Oberrabbiner W. Reich in Bad.n bei Wien. Wenn es schon in Friedenszeiten als das erste hiebot eines freien Verfassungslebens gilt, dem Staatszweck und dem Staatsganzen mit Hingebender Zelbstausopferung zu dienen, im K r i e g s z u st a n d e jedoch, wo der Feind lauert, wo das Geheimnis die Vorbedingung des Erfolges ist, muß der Patriotismus sich auch dadurch bewähren, daß er sein ganzes Vertrauen, seine volle Zuversicht, seine unerschütterliche Sicherheit in der ganzen Hingabe an den obersten Kriegsherrn überträgt. Er ist lein Fels, sein Hort, in diesem Gedanken muß 'der Patriotismus im .Kriege seinen Gipfelpunkt erreichen! Aus zweien Wurzeln wächst dieser mächtige Stamm in gewaltigen, beu Sieg verbürgenden Dimensionen heraus : aus dem V e r st a n d e und aus der Religio n. Der Patriotismus ist vor allem eine energische Forderung des menschlichen Verstandes. Ein reizendes Idyll aus dem Wunder- und Wunderleben des Tierreiches erzählt der Midrasch im Anschluß an den Bibelsatz: „Du wirst sprechen, ich rvill mir einen König entsetzen wie alle Völker, die rings um mich her lind". Eine Ameise zieht zu ihrem Hügel: beschwert mit einem Weizenkörnchen, klimmt sie mühsam hinan: mit ihren Zünglein hält sie es fest und schleppt es der Anhöhe entlang hinaus. Plötzlich bleibt sie stehen: sie scheint aufzuhorchen: sie wittert einen Feind: es befällt sie Angst und Bangen: aus Furcht läßt sie das Körnchen fallet! und entflieht, verschwindet im Dickicht der weithin ausgebreiteten Wiesenflur. Run entsteht eitle Panse, die aber nicht lange rvährt. Nach und nactj kommen die Kameraden vom Ameisenhügel denselben Weg herab, jede einzelne Ameise bleibt beim verlassenen Körnchen stehen, betastet, beschnüffelt es, sie geh"t aber einzeln weiter ihres Weges: so kommen sie zu .Hunderten, alle befühlen das Weizenkörnlein, aber keine nimmt es: es ist für jede ein unantastbares Heiligtum. Endlich erscheint die Eigentümerin ivieder, sie wird herzlich von den anderen begrüßt, und mit frischer Kraft beinächtigt sie sich ihrer schweren Last und bringt sie als kostbaren Vorrat in ihr labyrinthifches Heim. Die Ameisen also achten das Eigentum der anderen; sie brauchen keinen Vogt, keinen Aufseher, keinen Richter: das Rechtsbewußtsein ist ihnen von der Natur eingeprägt. Aber 'hr Menschenkinder rvill der Anschluß der Erzählung des Gelehrten von dieser Naturerscheinung an das.Königskapitel der Bibel sagen , ihr seid ganz anders geartet! Ihr brauchet Richter in jeder Stadt, in jedem Sertchen! Ja selbst die strengsten Richtergesetze nützen noch nicht, utld jeder von euch erkennt die notrvendige Wahrheit, jeder einzelne fühlt es täglich und stündlich, daß die Richter ivieder Richter nötig haben zur Einhaltung und lleberwachung des Rechtes, und so fort bis zur obersten Spitze, bis es jeder einzelne selbst zu sich sagt und es als kategorischen Imperativ ausruft: „Ich will einen .König über mich setzen!" Ich will es, ich wünsche es zu meinem Wöhle, zu meinem Schutze, zu meiner Sicherheit. Wenn ich keinen habe, muß ich ihn mir zur Vollendung des gesellschaftlichen Zusammen-

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