Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-20 · 46 (20.11.1914) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
46 (20.11.1914)
Date
1914-11-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3020846-3022089-3022136--23605-3048813
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 46 Jahrgang XXXI Dr. Bloch's Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. GkßmtilhischeUichmsrhH. -ooe- Wien, 20. November 1914 Brsdbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, H/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wie«. ft. Poflsxarftasserranit Clearing -Verkehr Nr. S10.976. Redaktion und Administration: Wien ll/i, Praterstraße 9. Telephon 45.359 OCF =ÖO "P Ve;ugspreis für Vesterreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für dss Ausland: Halbjährig iO Kronen. Ganzjährig 2O Kronen. Anzeigen: Die 2mal gespal» tene Petitzeile 48 Heller. £ o P- — Oo Inhalt Leitartikel: Welt- und Gelvherrschaft. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Jüdische Eifinder und der Krieg. Auszeichnung jüdischer Offiziere und Krieger. Signum lauäis mit der Krone. Dreimal ausgezeichnet. Auszeichnungen. Der tapfere Kadett Ludwig Löwy. Die Zwillingsbrüder. „Lonn Tom". Belobte Treue. Briefe galizischer Eltern an ihre Kinder in Amerika. Ein greiser Rabbiner bietet sich als Geisel an. Eine Jüdin als Regimentsarzt. Wie ein jüdischer Arzt in Serbien die silbernk Tapferkeitsmedaille erster Klasse erwarb. Ruhmestaten eines Ezernowitzer fünfzehnjährigen Gymnasiasten. Der Karpathensührer. Die angeblichen jüdischen Spione. Auszeichnungen mit dem Eisernen Kreuz. Sonstige Auszeichnungen. Juden als deutsche Kulturträger in der Türkei. Ein hervorragender amerikanischer Rabbiner gegen den Deutschenhaß. Antisemitismus im englischen Heere. Ein Militärpogrom in Biezun. Barbarische Behandlung der Juden in Ruffisch-Polen. — Die Jugendlehrer der talmudischen Zeit. — Korrespondenzen: An das jüdische Herz Ein Rundgang durch die Wiener Wohltätigkeitsinstitute. Ein neues Heim für die Flüchtlinge. Die Ausspeisung II., Rotensterngasse 33. Das Elend der galizischen Wöchnerinnen. Das Todesco-Hospital in Baden als Verwundetenspital. Installation des Rabbiners Dr. Arthur Schwarz. Einweihung eines neuen Hortgebäudes. Ein jüdischer Gemeinderichter. Herrenhausmitglied Alois Neumann. Zum 50. Geburtstage von Alfred Fried. Die Salonikier Juden in Konstantinopel. Große Brandkatastrophe im Judenviertel von Konstantinopel. — Vermischtes. — Feurlleton: Für die Kinder der Flora. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Mlelt-- und Geldherrschaft. Bon Oberrabbiner W. Reich in Baden bei Wien. Die Findigkeit im Konkurrenzkämpfe der Weltherrschaft erhielt einst die unübertreffbarste Potenz im Nen- und Hochlande der Reklame, in der Großweltstadt Newyork. Sie zeigte sich in einem kleinen Ausschnitt der Berdrängungspolitik des Geschäftslebens. In einer großen Avenue dieser mächtig entwickelten Metropole cröfsnete ein Zuckerbäcker seinen Laden voll reizender Süßigkeiten und schrieb auf die Tafel: „(Größte Confiserie der Stadt Newyork". Er bekam einen Konkurrenten und dieser schrieb auf seine Tafel: „Größte Zuckerbäckerei der Bereinigten Staaten von Amerika". . Es kam ein dritter Konkurrent, der den zweiten überbieten lvollte, und er hängte eine Tafel aus mit der Aufschrift: „Größte Zuckerniederlage der ganzen Welt". Run schien der Rekord für jede neu austauchende Konkurrenz geschlagen! Jedoch, sieh! Es kam ein neuer Konkurrent, der mit einem Schlag alle Großsprechereien der ersteren überbot! Er war so findig, dieselben mit einem zusammeuschließenden Ausdruck über die ganze Welt hinaus sich gegenüber zu verkleinern, er schrieb nämlich die Ankündigung ans sein Schild: „Größte Zuckersabrikation in dieser Straße!" Nun gab es wirklich nichts Größeres mehr! Die Welt h e r r s ch a f t s k ä m p f e hatten sich in solch aufsteigender Weise seit jeher in der Weltgeschichte entwickelt. Sie sind sich auseinandergefolgt, so weit wir in die historischen Zeiten zurückblicken können. Dieses Wahngebilde folgte seit jeher jedem aufstrebenden Staate und haftete sich wie ein Fluch der Menschheit an die Fersen jedes durch die Weltbühne daherschreitenden Potentaten. Die Bibel führt uns einen solchen im Nimrod vor, der nach dem babylonischen Turmbau die in verschiedene Sprachen zerfallene Menschheit vor seinen Triumphwagen spannte. Das ist jedoch prähistorische Zeit. Schon mehr in die geschichtliche hineinragend ist die Pharaonenherrlichkeit mit ihrer Sklavenwirtschast. Und so folgten sich die Weltreiche der Assyrer, Perser, Griechen und Römer. Ihre Kennzeichen sind immer die Niedertracht der Tyrannenherrschast, die sich noch in unzähligen Beispielen bis in die Neuzeit, der Weltherrschaft des großen Napoleon, in mannigfachen Gestalten wiederholte. Nun stehen wir vor einem neuen Problem, das uns in diesem Weltkriege zum erstenmale iu der Weltgeschichte vorgeführt wird. Es ist nämlich das rätselhafte Ereignis, daß unter den feindlichen Mächten, deren sich Deutschland im Bunde mit Sesterreich-Ungarn und der nun hinzugetretenen Türkei zu erwehren haben, zwei Staaten sich befinden, die diesen Kamps entfesselt haben, um für sich - für den Fall des Sieges die Welth e r r s ch a f t — mit allen die übrige Menschheit knechtenden Sklavenketten zu erringen. Es sind dies die schon jetzt zur Weltherrschaft emporgewachsenen Weltmächte England und Rußland. Die Teilung ihrer so sehnsüchtig zu erwartenden Beute würde sich dann in ihrer Weltgleichmacherei voraussichtlich in die W e l t h e r r s ch a s t des russischen Kolosses und in die Geldherrschast des englischen Wollsackes vollziehen. Ihre gegenwärtigen Bundesgenossen, die ihnen Schergendienste leisten und das Blut ihrer Völker und Bölkchen für sie verspritzen, wären dann, gleich den Besiegten, nur die gefoppten Tröpfe, die das Nachsehen haben. Aber auch die großen Weltdrahtzieher würden, früher oder später, bei dieser Teilung in Länder- und Geldherrschaff schließlich übereinander herfallen, um sich dann gegenseitig zu zerfleischen. Nur wenn w i r über die beiden Weltmächte siegen, ist die zukünftige Befreiung der Welt von solchen unausweichlichen Kämpfen mit unaufhörlichen, unabsehbaren Gut- und Blutopsern zu erhoffen — und darum werden und müssen mir siegen! Es gehört nur ein Weltblick hiezu, um dies zu erfassen, den nur der Historiker ausbringt, der sich nicht in den beschränkten Gesichtskreis der unmittelbaren Um- Patrioten! Zeichnet die Kriegsanleihe!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.