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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-11-13 · 45 (13.11.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
45 (13.11.1914)
Date
1914-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums * M. ft. Voflsparftassrnamt aiearlng-Verkebr «r. 810.976. Redaktion und Administration. c Virn H/i/ Praterstraße 9 l) Telefo» 45359 oo - — ■ —oo --CT - Wien, 1B. November 1914 : Lrscdeinr jeden Freitag, i Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adreffe: Bloch's Wochenschrift, Wien. O (J== : ■■=- ~ .v. q ’p ’9tjxxg»pxxfsi für Oeffrrrc : Q Hal'ojährig 3 Kronen: Einzelexemplare 50 Helle-, Für'» Arrsl«nd: Halbjährig lO Kronen. Ganztährig 20 Kronen. Anzeigen: Die mal gefpal- O lens Peritzsile ** Heller. G o.O ■ ' - —■Q ) Inhalt . Leitartikel: Kriegsweiterungen. — Der palästinensisch-ägyptische Kriegsschauplatz. — Vom I a h r m a r k t d e s L e b e n S: Feldmarschalleutnant Adolf Kornhaber Ritter von Pilis. Heldenmütiges Verhalten jüdischer Reservccffizi'le. Auszeichnung jüdischer Offiziere und Krieger. Helden. Jomkippur im belagerten Przemysl. Drei Briefe und ein Gebetbuch. Vor dem Feinde gesellen. Eine Feldpostkarte. Thoraschmuck für den Kriegsschatz. Eine „pikante" Feststellung. Auszeichnungen. Wie er sich das Eiserne Kreuz verdiente. Die jüngsten deutschen Soldaten. Bejahrte jüdische Kriegsfreiwillige. Ein Schreiben Harns Heinz Ewers ans Newyork. Kaiserslautern. Pogrom mit Vorsicht. „An meine lieben Juden" — eine für Amerika bestimmte Lüge Kosakenjustiz. Jüdische Erfinder und der Krieg. E ne griechische Inschrift aus dem 1. Jahrhundert. — „Eine Szene in der Elektrischen." — Korrespondenzen: Aufruf. Erzherzog Franz Salvator im Spital der israelitischen Kultusgemeinde. Ein Rundgang durch die Kriegsaktionen der Vereine der „Weiblichen Fürsorge". Besuch Ihrer k. u. k. Hoheit Frau Erzherzogin Maria Josepba im Reservespital Nr. 11 des Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheims. Die Opfer von Tarnobrzeg. Die Pester Judengemeinde für den Augustefonds. Düsseldorf. Mobilisierung in Jaffa. — Vermischtes. — Feuilleton: Ein Kriegsbureau im Jahre 1813. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Kriegs»»eiterimgen. Von Oberrabbiner W. Reich in Baden bei Wien. Der geniale Altertumsforscher und Historiker Theodor M o m m s e n, dessen hervorragendstes Arbeitsfeld die Geschichte des römischen Weltreiches war, hatte in seinem dickbändigsten Werke auch Gelegenheit, sich über die Juden und ihre Kriegsteilnahme in den Weltereignissen ausznsprechen. Zein abgeklärtes Urteil, sporadisch verteilt, ist wert, kondensiert lvörtlich wiedergegeben zu werden. „Die Geschichte des jüdischen Landes", schreibt er in der Römischen Geschichte, Bd. V, Kap. XI, Z. 487, „ist so wenig die Geschichte des jüdischen Volkes, wie die Geschichte des Kirchenstaates die der Katholiken: es ist ebenso erforderlich, beides zu sondern, wie beides zusammen zu erwägen." „Die Bewohtter Palästinas waren nur ein ^eil und nicht der bedeutendste Teil der Juden; die babylonischen, syrischen, kleinasiatischen, ägyptischen Judengemeinden waren den palästinensischen auch nach der Regeneration durch die Makkabäer weit überlegen. Mehr als die letztere hat die jüdische Diaspora in der Kaiserzeit zu bedeuten gehabt, und sie ist eine durchaus eigenartige Erscheinung." (Ibiä. Z. 489.) „So kamen die Juden dazu, bei der makkabäischen Hellenisierung des Orients eine hervorragende Rolle zu spielen; ihre Gefügigkeit und Brauchbarkeit einerseits, ihre unnachgiebige Zähigkeit andererseits müssen die sehr realistischen Staatsmänner, die diese Wege wiesen, bestimmt haben, sich zu solchen Einrichtungen zu entschließen. Nichtsdestoweniger bleibt die außerordentliche Ausdehnung und Bedeutung der jüdischen Diaspora gegenüber der engen und geringen Heimat wie einerseits eine Tatsache, andererseits ein Problem. Man wird dabei nicht übersehen dürfen, daß die palästinensischen Juden für die des Auslandes nicht mehr als den Kern geliefert haben." (Idiä. S. 492.) Schließlich schreibt er, um das Bild zu vervollständigen: „Trotz der innerlichen Scheidung, welche bei den Juden sich vollzogen und nur zu oft geradezu zum Bürgerkriege gesteigert hatte, trotz der Versprengung eines großen Teiles der Juden in das Ausland, trotz des Eindringens fremder Massen in dieselbe und sogar des destruktiven hellenischen Elementes — in ihrem innersten Kern blieb die Gesamtheit der Judeuheit in einer Weise vereinigt, für welche in der Gegenwart nur eben der V atikan und die Kaaba eine gewisse Analogie bieten. Das heilige Salem blieb die Fahne, Zions Tempel das Palladium der gesamten Judenheit, mochten sie den Römern oder den Persern gehorchen, aramäisch odergriechisch reden." (Ibiä. S. 495.) Diese Darstellung der jüdischen Volksseele zur Zeit von vor 2000 Jahren hat bis in die Gegenwart keine Aenderung erfahren, und dadurch kommt es, daß jede weltgeschichtliche Wandlung so lies einschneidend in das jüdische Leben, politisch und wirtschaftlich, eingreist. Dieser Weltkrieg, der jetzt die Geister in Erdbebenschwinguugen versetzt, er erfährt immer größere Weite r u n g e n, und die für uns Juden wichtigste ist diejertige, die mm mit dem Eingreifen der Türkei den ganzen Orient zu erfassen geeignet ist. Mit einem sicheren Fernblicke in die Zukunft kann da voraussichtlich der Besitz Palästinas der große Zankapfel werden, der einst die unzählbaren Millionen aus dem Okzident kämpfend, plündernd und mordend dem Osten zutrieb. Wem jedoch das kleine, unscheinbare Ländchen Palästina — das noch immer das Palladium der gesamten Judenheit bildet und für alle Zukunft die außergewöhnlichsten moralischen Kräfte für die ganze Welt in sich schließt — nach diesem gewaltigen Ringen zusällt, dem wird erst die eigentliche Weltherrschaft zuteil werden und darin liegt das noch viel größere Moment, als die Entscheidung, ob kosakisches Weltbarbarentum oder germanische Weltordnung siegen werden. In den Zeiten der Römer erkannte man noch die hohe Wichtigkeit des jüdischen Elementes zur Einverleibung der Provinzen des Orients in den Bann des römischen Staatszirkels. Der größte aller Römer, G a i u s Julius Cäsar, ließ den Juden besondere Privilegien und Vergünstigungen zuteil werden. Nicht — wie ein berühmter Historiker unserer Tage urteilt — weil Cäsar

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