Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 43 (30.10.1914)
- Date
- 1914-10-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 750 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 43 ftubcü: Zü den Heldentaten unserer brävcü Löldaten gesellen sich würdig die edlen Wohltäter der Daheimgebliebenen. Hoffen wir, daß diese Fürsorgetätigkeit bald ihr Ende findet und die Flüchtlinge wieder jeder nach seinem Heim komme, aber den führenden. Kreisen Galiziens und der Bukowina mochten wir schon jetzt Empfehlen, in ihren Landern, Wo es Wider nach dem Kriege so viel Elend und Not Zu lindern geben wird, dies nicht in einer ärgeren Art durchzuführen, als es gegenwärtig hier in Wien geschieht. I. G r o b t u ch. Ein Ruridgang durch die Kriegsfürsorge der Weiblichen Fürsorge. Zufällig war ich an. dem Tage, an dem von. Allerhöchster Stelle das Manifest an deN Ministerpräsiderlten l'rfiösfen ist, das die Flüchffi'.'^ üus Galizien Und der Bukowina uäiex den Schutz der gesamten Monarchie stellt, IN der traulichen K a n z \e t d e s. M a d ch e rr n n tri1 st ü tz ü n tz s v e r e i nft s. Mit dem Jugendbildnis der unvergeßlichen Päülä Frankl v. Hochwar t, der ich wie so viele noch heute im Wohlsahrtswesen wirkende Frauen die erste Einführung in soziale Arbeit verdanke, qc* schmückt, gibt dieser anmutige Raum schon den Begriff, daß hier mit mütterlicher Sorgfalt nicht unterstützt, sondern herangebildet wird Hier, wie ün so vielen Örten Oesterreichs und in so zahlreichen Komitees der Reichsmetropole, die noch mehr wie je als. das unter jedem Erfolg jauchzende, unter jeden! Mißgeschick bebende Herz der Monarchie empfindet, hat tatkräftiges Mitleid nicht der Mahnung von Allerhöchster Stelle bedurft, uni sich der Vertriebenen anzunehmen. Aber selten wird Vernunft und Güte so gepaart wie in diesem Vereine, wo ganze Generationen jüdischer Frauen den Erwerb für sich und die Ihrigen gefunden. Aus eigener, Erfahrung in Verwandtenkreisen von Flüchtlingen habe ich es empfunden, wie schwer selbst solche, denen materielle Not erspart blieb und für die der Staat sorgte, wie Offiziere, Beamte, darunter litten, daß ihre Jugend auffichtslos und ohne geistige Anregung, mit Hinterlassung ihres Lernmaterials in der Heimat, in der Großstadt verwilderte. Rasch sind polnische Komitees eingeschritten und haben der männlichen Jugend geholfen. Äbsr unversorgt blieb die weiblichö, deren Beschäftigungslosigkeit, namentlich in den Entwicklungsjahren, zu viel ärgeren, das ganze Dasein zerstörenden Konsequenzen hauptsächlich durch das ungewohnte Großstadtleben führen muß. Was zuerst vor den Kosaken flüchtete, war naturgemäß das Heranwachsende Mädchen, und so sind viele Hunderte in Wien, deren Eltern durch Beruf und Elend an die Scholle gekettet waren. Hierzu kommt, daß in diesen Schichten durch die Kriegsereignisse eine Verschiebung der Verhältnisse erfolgt ist und viele das bereits begonnene Studium nicht zu Ende werden führen können, zu ihrem Glück vielleicht, da, wie der Rektor v. W ett stein in seiner Abschiedsrede bemerkte, die Ueberfüllung der Universitäten mit weiblicher und männlicher Jugend, die Schaffung eines geistigen Proletariates zu den traurigsten Problemen unserer Zeit gehört. Bei den vielen Aufgaben, die Handel und Gewerbe nach Friedensschluß zufallen werden, ist ein Zuströmen von gebildeten Kräften zu diesen Berufen höchst wünschenswert. Da war es ein glücklicher Gedanke der vielbewährten, seit 48 Jahren tätigen Leiterin der Schule des Vereines, Reg ine Ulmann, daß sie für die hochintelligenten, meist mit Gymnasialbildung ausgerüsteten galizffchen Flüchtlinge von 15—18 Jahren einen Schnellkurs errichtete, der in 16 stündiger wöchentlicher Arbeit (Maschinschreiben inbegriffen) in den Monaten, welche unsere Flüchtlinge noch notgedrungen hier znbvingen müssen, die Mädchen für das Bank- und Handelsfach ausbilden Wird. Mit größter Bereit- und Opferwilligkeit sind der Vorstand des Vereines, vor allem die trotz ihres Alters jeder modernen Idee zugängliche Präsidentin Marie S ch ü ß l e r, die Damen Schütz Und K'ütättdü und alle, alle aus die Idee der Fron U l in a n n emgegantzeit. Uebrigens dürfte der Rädchbnüntetstntzunßsverein zu seiner kostspieligen Aktion die materielle Hilft sämtlicher auch in Friedenszeit für Galizien tätigen Korporationen, der vielen hochintelligenten, in glänzenden Verhältnissen in Wien lebenden galizisctzen Frauen und auch jener Früuenvereüw erwarten, die, das ganze Jahr von Galiziern in Anspruch genommen, durch Schaffung von Erwerbsmoglichkeiten vieler künftiger1 Schützlinge enthoben werden./ Schon ist de'r Kurs vollkommen besetzt, Und . ich sah diese elegant gekleideten, graziösen und ÜN- Mutigen, für Wiener^Begriffe. aber etwas börlauteN und auffälligen Mädchen, die meistens Töchter von Kanfleutest, Beqmlsn, kurz aus höheren Schichten als die sonstigen Vereinsschützlinßd sind, dttnkbarst mtd frendigst herbeiströmen. Vormittags mit dem Lernen für die ihiwn fremdartigen Gegenstände, nachmittags mit dem Unterricht beschäftigt, werden sie zu unserem Behagen nicht mehr Parks und Kaffeehäuser füllen, und bei dem wahrhaft vornehmen Lehrkörper der Anstalt, in Liebe und Geduld, wird mänche östliche Eigenschaft schwinden, die unserer Wiener Bevölkerung unangenehm auffällt. Dazu gehört auch die einseitige Ausbildung der intellektuellen Fertigkeiten, unter der die Polin aller Konfessionen und Klassen und ihr1 künftiger Haushalt sehr zu leiden hat, ebenso fthl aber ihr Nervensystem. Auch dies erkannte Frau U l m a n n, uno oeö S^M'llkurs für K l e i d e r m a ch e n, der nicht gewerblich heranbilden )’oi!, zu dein über Mädchen und. junge Frauen sich drängen, soll däs junge Wesen befähigen, für sich ünd ihr Hauch Weftn zür Nädel. zu greifen, und was sie auf der. Flucht als dringend nötig empfunden, Mä) für. ihr künftiges Leben nutzbar zu machen. Die Merkwürdigkeit,, die sich nicht nur in Wien, sondern auch im berühmten Lagd der deutschen Hausfrau fühlbar machte, daß die edle Kunst des Strickens der heutigen Generation verloren gegangen ist, veranlaßte die Errichtung eines etwa zweiwöchigen tztrickkürses für Erwachsene, Einheimische und Flüchtlinge. Dieser Kürs, der nämenttich materielle Mittel erfordert, wird, wie der Schneiderkürs, iw eminentesten Sinn Kriegsfürsorge sein, werden doch, im Verein mit aller Hast Verwundetenwäsche, warme Sachen für Soldaten, Kinderwäsche für die so zahlreichen galizischen Wöchnerinnen gemacht. So bewährt sich die Schöpfung des Kriegsjahres 1866, der Mädchenunterstützungsverein, auch im Weltkrieg als seinen Ausgaben gewachsen. Was er heute Galizien leistet, kommt der ganzen Monarchie zugute, und so sollte jede Wiener Frau durch Zuteilung von Arbeitsanfträgen, Lehr- und Lernmaterial diesem Verein iit seiner friedlichen Kriegsaktion unterstützen. Möchte der freundliche Leser mich nächstens auch durch andere Aktionen der Fürsorgevereine begleiten, so wird er sehen, wie emsig Frauenbünde am Werke sind, das Kriegselend zu mildern und ihre volle Kriegspflicht zu erfüllen. C. Benedikt. Die Wiener Israelitische Allianz an die amerikanischen Juden. Wie wir Newyorker Blättern entnehmen, hat das österreichisch-ungarische Konsulat in Newyork, dessen Amtslokalitäten sich 24 State Street befinden, den jüdischen Blättern eine Abschrift des Aufrufes übermittelt, welchen die Israelitische Allianz in Wien im Wege der,