Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 43 (30.10.1914)
- Date
- 1914-10-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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iutr 748 Dr. Bloch's Wochenschrift Ar. 43 Urspringen. Artillerist Rudolf D i l l e n b e r g e r, Sohn des Herrn Gutsbesitzer Bernhard Dillenberger, hier. Warendors. H e i I b r o n 11, Schwager des Repräfentantenvorstehers in Recklinghausen. Windshemr (Mittelfranken). Adolf Haas, Sohn der Witwe Karoline Haas. Leipzig. (Ein jüdischer Schutzmann.) Ein Zeichen der durch den Krieg herbeigeführten Sinnesänderung der bisher nicht sehr judenfreundlichen sächsischen Verwaltung ist die jetzt erfolgte Ernennung eines Juden zum Leipziger Hilfsschutzmann. Herr Kaufmann Lippmann tut hier seit einigen Wochen als erster jüdischer Schutzmann seinen Dienst und soll die Autorität, die man bisher an den Juden vermißt, ganz gut bewähren. Steinheim (Wests.). (Militärische Auszeichnung.) Der König von Sachsen hat dem jüdischen Soldaten der Reserve Heinrich Emmerich in Anbetracht seines tapferen Verhaltens bei den Stürmen auf St. Mihiel und Les Feiques die bronzene Friedrich August-Medaille mit Kriegsband auf' Vorschlag des Brigadegenerals von Hennigs verliehen. Karlsruhe. (Ein Granatsplitter in Gold gefaßt.) Der jüdische Soldat Leopold Meier aus Harburg wurde bei Hochwalsch durch eine Granate schwer verwundet. Sie zerschmetterte seinen rechten Oberarm. Rach achtwöchigem schweren Krankenlager im hiesigen Diakonissenheim hoffen die Aerzte nun, den Arm zu retten. Die Groß Herzogin-Witwe Luise von Baden, welche die Verwundeten dort besuchte und teilnahmsvoll mit allen sprach, hat dem verwundeten Meier einen Granatsplitter aus seiner Wunde in Gold fassen und ihm diesen mit einer eingravierten Inschrift zur dankbaren Erinnerung überreichen lassen. Hagenau i. Elsaß. (M ilitärische Auszeichnung.) Einen Beweis von Tapferkeit und Kaltblütigkeit gab ein Hagenauer Kind, unser Glaubensgenosse cand. med. Oskar Roos, der Sohn des Holzhändlers Salomon Roos, der dem Stab des 17. Infanterieregiments (Mörchingen) seit Kriegsansang als Unterarzt zugeteilt ist. Mitten im fürchterlichsten Kugelregen der Lothringer Schlacht nahm er bei einem schwerverwundeten Soldaten die Amputation eines Beines vor, die so gut gelang, daß dieser seither in mehreren Briefen seinem Lebensretter von seiner fortschreitenden Genesung Mitteilung machen konnte. Der E r o ßherzog von Hessen, der Chef jenes Regimentes ist, hat nun Herrn Roos den Orden „Für Tapferkeit" verliehen, der dem jungen Arzt durch den Regimentsobersten vor versammelter Mannschaft ausgehändigt wurde. , Km Lebensretter. Der Reservist Dietrich Matzdorf, der vor seiner (Einberufung zur Fahne in einem Geschäft in Posen tätig gewesen ist, machte die Kämpfe auf dem östlichen Kriegsschauplatz mit. In einem Gefechte gegen die Russen (bei Krasnik) rettete er seinem schwerverwundeten Oberleutnant und Kompagnieführer das Leben, indem er ihn initten im dichten Kugelregen aus der Gefechtslinie hinaustrug und zum Verbinden brachte. Der Gerettete schenkte Matzdorf seinen Offiziersdegen als Andenken und bestimmte ihn zu seinem Begleiter nach Breslau, nw er sich von ihm pflegen ließ. M. erhielt 14 Tage Urlaub. Inzwischen ist er wieder zu seinenr Regiment nach dem Kriegsschauplatz zurückgekehrt. Km gelungener Slreich eines deutschen Helegraphenöeamten aus Samoa. Das Wolffsche Bureau nreldet: In einem Brief an den Staatssekretär des Reichskolonialamtes, Doktor Solf, heißt es über die Besetzung von Samoa: Die hiesigen Amerikaner sind voll Begeisterung darüber, daß der Leiter der deutschen Funkenstation in Apia im letzten Augenblick den Apparat unbrauchbar machte und die Engländer auslachte, als sie ihm 100.000 Mark boten, wenn er den Apparat wieder in Ordnung brächte. Noch mehr aber hatte er den Leuten ins Gesicht gelacht, als sie ihm mit dem Erschießen gedroht hatten. Der wackere Deutsche, ein Angestellter der deutschen Südseegesellschaft für drahtlose Telegraphie, namens H i r s ch, sei schließlich von den Engländern aus Samoa weggesnhrt worden. Das Verhakten der gakizifcheri Juden. Der ungarische Baron Ambrozy, Mitglied der Freiwilligen Automobilabteilung, ist dieser Tage vom galizischen Kriegsschauplätze zurückgekehrt und erzählte folgendes: „Die Polen und Inden in Galizien haben die Ankunft unserer Truppen mit Begeisterung begrüßt. Bei einer Gelegenheit haben wir, etwa zehn Freiwillige, bei einem jüdischen Gastwirte zu Mittag gegessen. Für das Mittagmahl hat er von uns pro Person nicht mehr als 1.20 Kronen annehmen wollen, obgleich er uns Suppe, gekochtes und gebratenes Fleisch, Salat und Mehlspeise gegeben hatte. Unentgeltlich wagte er es uns vornehmen Offizieren nicht anzubieten, aber Nutzen hat er daran absolut nicht haben wollen. Bei einer anderen Gelegenheit beklagte sich einer von uns, daß er trotz der kalten Nächte keinen Pelz habe. Er äußerte dies' auf dem Marktplatze eines polnischen Städtchens, wobei etwa ein halbes Dutzend polnischer Juden um uns stand. Als sic hörten, wovon die Rede ist, boten sie sich sofort an, einen Pelz zu beschaffen. Es dauerte keine Viertelstunde, da waren sie schon mit einem feinen Pelz wieder zurück und verlangten für denselben einen solch niedrigen Preis, daß dies selbst in Friedenszeiten ein Spottpreis wäre. Wer weiß? Leib Tige r, Infanterist beim 89. Regiment, bittet um genaue Adresse seines Vaters Abraham Hell mann aus Rawaruska (Galizien», der angeblich in Wien, II., Zirkusgasse, Nummer unbekannt, wohnt. Mitteilung dankbarst erbeten an H a a r Mor, Parkanh (Ungarn). David Korpus und dessen Frau Lea Korpus aus Brody, letzter Aufenthalt Brzezany, Galizien, vermißt seit 8 Wochen Moritz Korpus aus Grodek. Nachricht an Elias Korpus, derzeit Mähr.-Ostrau, bei M. Kleines, Anderkagasse 3. Frau Berta Hopfinger mit sechs Kindern, aus Drohobycz, zuletzt bei ihrer Mutter Cirel Hescheles in Sambor, wird gesucht von Pinkas H o p f i n g> e r Miskolcz, Landsturmabteilung Nr. 33. Mobert Linderer, der jüdische Dichter des Maggenkiedes. Mit tiefer Ehrfurcht und inniger Teilnahme haben wir kürzlich von dem Heldenmut erfahren, den die Besatzung des deutschen Schiffes „Ariadne" an den Tag legte. Das verhältnismäßig kleine Schiff, das sich in geichutzter Stellung befand, drängte sich zum Kampf mit der englischen Uebermacht, zwei Dreadnoughts, stellte den Feind, brachte ihtn in halbstündigem Gefecht schwere Verletzungen bei und führte den Kampf noch fort, als schon das Achterschiff lichterloh brannte. Erst als auch das Vorschiff in Flammen stand und die Engländer nach Westen abdrehten, faßte die Mannschaft den Entschluß, das Fahrzeug aufzugeben. Aber auch nachdem die drei vorschriftsmäßigen Kaiserhochs ausgebracht waren, wollte die tapfere Schar den sinkenden weltenumbrandeten Kampfplatz nicht verlassen, ohne dem Untergang ihres lieben Schfifes eine besondere von Herzen kommende Weihe zu geben. Ruhig und furchtlos drang von ihren Lippen der Hochgesang der deutschen Marine über das Meer: „Hoch weht die Flagge schwarz-weiß-rot!" Dieses Lied ist für die deutsche Marine dasselbe, ivas die „Wacht am Rhein" für die Landratten. Doch während die Namen von Dichter und Komponisten der „Wacht am Rhein" längst allgemein bekannt sind, wurde der Name des Flaggenlieddichters bisher kaum genannt. Es mag daher angebracht sein, an dieser Stelle einiges von ihm zu berichten. Denn der Dichter des Flaggenliedes, Robert Linderer, war ein Jude. Er wurde