Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 41 (16.10.1914)
- Date
- 1914-10-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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'i. 41 Lr. Vloch's Wochknschrlfl £'<i TOT Amtsantritt des neuen Seelsorgers im Mariahilfer Tempel.*) Am 18. v. M. fand in sehr würdiger Weise die Installierung Sr. Ehrwürden Herrn Tr. Jakob D roll i n s k y als Prediger des Mariahilfer ^empelvereines statu Der neue Seelsorger wurde durch eine Deputation des Borstandes aus seiner Wohnung abgeholt und in den Zeremoniensaal geleitet, wo sich mittlerweile ein erlesenes Publikum versammelt hatte. Als Vertreter der Kultusgemeinde waren Herr Kultusvorsteher Dr. Marcus Spitzer und I. Sekretär Herr kais. Rat Tr. Theodor Lieben erschienen; fast sämtliche größeren Tempelvereine waren durch Delegierte vertreten, die beiden Wohltätigkcitsvcreinc des Bezirkes durch Präsid. Dr. L ö w y und Präsidentin Frau Fr. S t r a u ß, ferner der gesamte Vereinsvorstand, der Bethausvorstand und viele artgesehene Mitglieder. Nach Eintritt des Herrn Rabbiners hielt der Präsident des Tempelvereines Herr K.-B. Dr. Jacob E n g e l folgende Ansprache: „Ehrwürdiger Herr Rabbiner! Der Borstand des Mariahilfer Tempelvereines hat im Mai d. I. den einstimmigen Beschluß gefaßt. Euer Ehnvürden zum Prediger unserer Gemeinde zu bestellen. Als Präsident des Vereines obliegt niir die freudige Aufgabe, Sie namens des Vorstandes und der ganzen Gemeinde ehrfurchtsvoll und herzlich zu begrüßen. Es zieutt sich, in dieser feierlichen Stunde des Mannes zu gedenken, der durch mehr als zwei Jahrzehnte unsere Kanzel geschmückt, durch seine rhetorische Begabung, sein Wissen, sein konziliantes Wesen die Herzen aller Gemeindeangehörigen erworben hat, so daß ich widerspruchslos sagen kann: Dr. Taglicht wird in den Annalen unseres Vereines für immerwährende Zeiten ein Blatt dankbarer Erinnerung gewidmet sein. Euer Ehnvürden sind nunmehr berufen, der Nachfolger dieses ausgezeichneten Mannes zu sein. Nach allem, was wir von Ihnen in Erfahrung gebracht, glauben wir uns der berechtigten Hoffnung, hingeben zu dürfen, daß Sie, ein würdiger Repräsentant Ihres Standes, Ehr' und Zierde dieses vornehmen Tempelvereines sein, Ihr ganzes reiches Können, Ihre gediegene Weisheit und Ihr edles Herz in den Dienst unserer Gemeinde stellen werdest. Verehrter Herr R.abbiner! Gleichzeitig mit dem Beschlüsse Ihrer Bestellung zum Prediger wurde seitens des Vorstandes ein besonders feierliches Programm für Ihren Einzug in unser Gotteshaus festgelegt. Damals herrschte noch tiefer Frieden in unserem Vaterlande. Seither, Gott sei es geklagt, ist die Kriegsfurie über Europa hereingebrochen und namenloses Unglück bedrückt die Welt. Kein einziger iit unserem Reiche leidet nicht unter diesen entsetzlichen Qualen, jeder hat teuere Familienangehörige im Felde, wo sie für die Ehre des Vaterlandes auf dem Schlachtselde kämpfen. Kann man da Feste begehen? Krampst sich nicht unser Herz zusammen bei dem Gedanken, daß vielleicht in diesem Augenblick die Blüte der Bevölkerung ihren letzten Atem verhaucht, nachdem sie mit dem Schwerte in der Hand für Oesterreichs Ruhm, für Oesterreichs Größe, für Oesterreichs Ehre gekämpft? In einer solchen Zeit ist für Feste keilt Raum und deshalb haben wir die Feierlichkeiten bei Ihrem Einzuge in unser Gotteshaus demütig und gottergeben ans das bescheidenste Maß herabgesetzt. Dies wird Sie jedoch tiickst behindern in Ausübung Ihrer heiligen Pflicht, das Wort Gottes von der Kanzel zu verkünden, durch die Macht Ihrer Rede unser Herz zu *) Infolge der Feiertage verspätet. erheben, unsere Seele zu erwärmen, unseren kreist zu erleuchten. Mögen die Gebete, ivelche sie zu Gott dem AUmäclp tigen emporsenden und denen ja eine besondere Innigkeit zukommt, mögen sie bald den Frieden aus Erden bringen. Dann wollen wir uns recht mit Ihnen, als unserem neuen Seelenhirten, freuen. Empfangen Sie nochmals meine achtungsvollsten Grüße! Seien Sie uns herzlich willkommen!" Nach dieser von lautem Beifall begleiteten Begrüßung nahm der Delegierte des .Kultusvorstandes, Herr Dr. Marcus Spitzer, das Wort zu einer überaus gediegenen und gehaltvollen Ansprache, in der er das Verhältnis der Kultnsgemeinde znm Mariahilfer Tempel verein beleuchtete und daran treffende Worte über den Pflichtenkreis des neuen Seelsorgers knüpfte. Auf diese Ansprache erwiderte der ehrwürdige Rabbiner in einer zündenden und eindrucksvollen Rede, in der er der ruhmreichen Wirksamkeit der altehrwür digen Wiener .Kultusgemeinde, der gottbegeisterten Tätig feit jener Männer, die den Mariahilfer Tempel geschaffen und erhalten, und seines von ihm sehr verehrten Vorgängers gedachte, in dessen Wegen zu wandelt! ihm eine Herzenspslicht sein werde. Sodann ivurde Se. Ehrtvürden von dem gesamten Vorstand in den Tempel geleitet, >vo er durch Orgel klänge und ein vom Oberkantor Dünmauu Herrlich vorgetragenes „Boruch habo" begrüßt wurde. Im Laufe des (Gottesdienstes hielt hierauf der neue Seel forger feine Antrittsrede über „die Pflichten eines Seel forgers in Israel", die die hochgespannten Erwartungen des alle Räume des Tempels füllenden sachverständigen Publikums nach jeder Richtung zu befriedigen vermochle. Flü chtli ngsfür f o r ge. Dank der Munifizenz und nie versagender Hilfsbereitschaft ist das „Jüdische Asyl für Obdachlose", ein Verein, der erst im Jänner dieses Jahres zur Unterbringung Obdachloser v h n e lt n t e r s ch i e d d e r .K o n fessio n gegründet wurde, bereits jetzt in die Lage versetzt, helfend einzugreisen. Der Verein hat 330 Betten in der Brigittenau, in der Ennsgasse, am Sterneckplatz I l und in der Hernalier Hauptstraße 75 ausgestellt, die allen Anforderungen der Hygiene vollkommen entsprechen; Fachmänner haben sich wiederholt lobend über die Beschaffenheit der Räumlichkeiten und Einrichtungen ausgesprochen. Nur wer je in die Lage gekommen ist, die ans den Augen leuchtende Dankbarkeit der Vielen, die in ihrem Unglück wenigstens ein schützendes Dach gesunden haben, zu sehen, kann ermessen, wie viel (Rück das Scherslein des Einzelnen hier gestiftet hat. Die Tausende von Flüchtlingen, die bei uns in Wien Zuflucht vor den schrecklichen Verwüstungen und fürchter lichen Erlebnissen fanden, haben auch unser Asyl vor schwere, unabweisbare Aufgaben gestellt. Mit Aufbietung unserer ganzen Kräfte suchen wir zu helfen, um diesen von Hab und Gut unverschuldet Verstoßenen ein Obdach zu schassen. Unendlich mehr nrüß'-e geschehen, um wirklich einem (Kroßteil dieser Armen zu helfen. Unsere Mittel sind erschöpft! In dieser Bedrängnis suchen lutr Zuflucht bei der Opsersreudigkeil des bewährten guten Herzens aller, die helfen wollen, helfen sollen!