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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-10-16 · 41 (16.10.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
41 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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rsr. 41 Dr. Bloch’s Jabrnann xxxi ^entralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums. o Cf -o o r M. fc. PofllparhaJ(>natnl C Sleartng--Verk e br «r. S10.976. RedaMon und Administration. . Witn H/i, Praierstraße 9 l) Telefon 45359 n O - O n Wien, 16. Oktober 1914 : Erscbetnt jeden jfrettag. : Brief-Adresse: Wien. Il/l, Praterstraße 9 Telegramm-Udreffe: Bloch'S Wochenschrift, Wie«. Oo —=D~ p Nrrugsprrl» für jOeftrrreirfi: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 56 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die mal gespal» 2 tene Petilzeile 48 Heller. c, HO -rO ■? Inhalt; Leitartikel : KciegSausdauer. — Die amerikanischen Juden gegen Israel Zangwill. — Vom Jahrmarkt des Lebens Pogrome in Rußland mit englischer Duldung. Pogroms in Südrußland. Keine Kursänderung in Rußland. Eine Erklärung der antisemitischen „Staatsbürger-Zütung" in Berlin. Jüdische Offiziere in der deutschen Armee. Die Zionisten im Kampfe. Ein französischer Rabbiner gefallen. Em jüdischer Staatsanwalt gefallen. Wie ein Eisernes Kreuz erworben wird. Das Eiserne Kreuz. Wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde. Eine Feldpostkarte. Die wackere Tat eines braven Soldaten. Tapfere Budweiser Juden. Russische Juden als Kriegsfreiwillige in der deutschen Armee. Der Held Reif gefallen. Barackenbauten für jüdische Flüchtlinge. Der bibelfeste Leutnant. Brief einer Soldatenmutter. Wer weiß? Gemeinsames Ehrengrab oder Ehrengrab auf dem israelitischen Friedhof? Robert Linderer, der jüdische Dichter des Flaggenliedes. — Korrespondenzen: Ein dringender Not uf. Professor Wilhelm Jerusalem. Amtsantritt des neuen Seelsorgers im Mariahilfer Tempel. Flüchtlingsfürsorge. Toleranz in ernster Zeit. Die palästinensischen Juden und der Krieg. — Vermischtes. — Feuilleton: Im Hußter Lager. — Der Krieg. — Alte Hoffnungen und Prophezeiungen. — Etwas über die Juden aus der Gegend von PodSbrad-Sadska in Böhmen. — Literatur — Briefkasten. — Inserate. Kriegsausdauer. Bon Oberrabbiner W. Reich in Baden bei Wien. Durch halten! — 2o lautet der kernhafte deutsche Ausdruck, der diesem titanenhaften Kampfe, den wir gegenwärtig durchzukämpfen haben, die ewig denkwürdige Signatur verleiht. Wer länger aushält — der w i r d siegen! Der russische Staatsrat Johann v o n B l o ch — der nebstbei gesagt jüdischer Abstammung war - hat int Jahre 1898 ein sechsbändiges ' Werk, betitelt ,,D e r K r i e g der Z u f u n f t", herausgegeben, welches ein Jahr später in deutscher Uebersetzung erschien, das die Unmöglichkeit eines Krieges in der modernen Zeit dartun sollte und als das wichtigste Dokument zur Propagierung der Weltfriedensidee bezeichnet werden kanir. Es ist auf dem logischen und militärisch wie nationalökonomisch fachmännisch durchgeführten Gedankengang aufgebaut, daß bei den gewaltigen Massenheeren, die gegeneinander anftreten, bei den mörderischen Waffen der Neuzeit, 'die da in Gehrauch sein werden, bei den. langandauernden Schlachten— er gibt sie noch mit fünfzehn Tagen an —, die geschlagen werden müßten, bei den Verteidigungs- und Angriffsmitteln der heutigen Flotten, den Kaper- und zu den alten korfarisch-seeräuberischen Formen znrückkchrenden Seekriegen der vollständige Untergang des modernen Wirtschaftslebens eintreten und bei der Abschnürung aller Lebensmittel in ihren ausländischen Zufuhren die Menschheit der Hungersnot überantwortet werden müßte. Dazu komme, daß nach der Meinung militärischer Autoritäten — wie Moltke, v. d. Goltz u. a. — ein Krieg nicht etwa, wie Laien glauben, von kurzer Dauer sein werde, sondern über Jahre sich ausdehnen könne; daß ferner eine Schlacht infolge der Vergrößerung der kämpfenden Armeen, wie der noch nie erprobten Wirkung der modernen Waffen, selbst für die Militärs eine Sphinx und unbekannte Größe sei. Die ersten Ausführungen im Zusammenhänge mit den letzteren sind zwar ganz unlogisch, eine eontraäietio in adjecto. Wenn n'ämlich die vom modernen Kriege herbeigesührte Verheerung eine solch unausdenkbar gewaltige ist, so kann der „Krieg der Zukunft" unmöglich ein langandauernder sein: da die Ermüdung, die Erschlaffung, die selbst bis zur Verteidigung unfähige Abschwächung bei dem einen oder anderen kämpfenden Teile früher als bei den Kriegen der alten Zeiten eintreten müßte. Durch diesen sichtbar falschen Schluß blickt aber ein urrtrüglich richtiger Gedanke wie ein Blitzlicht hervor: daß wir zu der fast prophetisch vorausblickenden Erkenntnis uns durchringen, w e r in diesem „Krieg der Zukunft", den wir jetzt als den „Krieg der (Gegenwart" durchleben, unbedingt Sieger fein m ü f f e. Derjenige, der moralisch kräftiger vorgeschult ist: der am längsten durch hält: der die widerstandsfähigsteu Nerven besitzt, die durch Geist, Erziehung, patriotische Gesinnung und militärische Dressur trainiert und gestählt, in der Volksseele als eiserner Vorrat angesammelt sind. Staatsrat Bloch hat auch nicht unterlassen, in seinem Werke diesen wichtigsten Faktor einer Betrachtung zu unterziehen, wenn auch mit dem gleichen Fehlschlüsse: indem er die moralische Depression als eine allgemeine annimmt, aber nicht berücksichtigt — was richtiger gedacht wäre —, daß diese moralische Depression bei der einen Kampfpartei später als bei der anderen eintreten könne und diese dann auch die siegende ivird. Gewiß, die Nerven der kämpfenden Völker werden einer furchtbaren Spannung ausgesetzt fein, und das ist das „p f y - ch o l o g i f ch e M o m e n t" — wie es Bismarck bei der Belagerung voir Paris bezeichnete —, welches schließlich die Entscheidung herbeiführt. Daß alle künstlich aufgebauten Voraussagungen, alle geistreich zufammengeschachtelten Voraussetzungen der von Stubengelehrsamkeit gestützten Allwissenheit sich als trügerisch erwiesen haben, das muß die im Furor des Krieges vorwärtsstürmende Menschheit schon bisher erkannt haben. Wir sehen Massenheere, in denen die Intelligenz, hervorgegangen aus den verschiedensten Kulturkreisen des modernen Wirtschaftslebens und der akademischen Berufe, mit gleicher Kraft und Intensität Entbehrungen

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