Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 39 (28.9.1914)
- Date
- 1914-09-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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2-crle 672 Dr. Bloch's Wochenschrift jir. rn ivegen sich Geld zu beschaffen und diese vom Hilfskomitee ersucht wurden, dir ihnen bekannten hier weilenden mittellosen Kurgäste direkt zu unterstützen. Für alle derzeit noch hier weilenden Kurgäste ist auch hinkünftig gebührend vorgesorgt und haben wir die Genugtuung, dass dem Komitee von allen Leiten, gleichgiltig welcher Nationalität oder Konfession, die vollste Anerkennung ausgesprochen worden ist. Lo hatten wir auch z. B. für einen Transport ooit 40 Glaubensgenossen, welche von Karlsbad auf der Reise via Wien—Rumänien nach Rußland waren, über Nacht hier zu sorgen, und war es uns eine große Freude, diese armen Gäste bei uns gastlich begrüßen und bewirten zu dürfen. Da wir unsere Tätigkeit trotz der schweren ailfreibenden Zeit gerne in den Dienst der Humanität gestellt haben und den anwesenden Kurgästen allseits mit größter Opferfreudigkeit entgegengekommeu sind, hegen wir den Wunsch, daß unser Wirken im Interesse des gesamten Kurortes bei ihnen in steter und bester Erinnerung bleiben möge. Palästinaarüeit. Tie d e u t s ch - ho l l ä u d is ch e Pal ä st i n a v e ru? altung für die Gemeinden des Heiligen Landes veröffentlicht den Jahresbericht für die Geschästsperiode 5673 1913. Diese westeuropäische Palästinaverwaltung mit ihren Zentralen A m st e r d a m, Frankfurt, B e r l i n ist die älteste der in der Diaspora zum Wohle der Bevölkerung des Heiligen Landes gegründeten und bestehenden Organisationen. Lie wurde im Jahre 1809 gegründet und hat in der Entivickelung der jüdischen Besiedelung Palästinas stets einen ersten Rang eingenommen. Der ungeheure Zustrom der jüdischen Massen aus Rußland in den jüngsteil Jahrzehnten, wie die Hoffnung auf eine Besserung der wirtschaftlichem Verhältnisse in Palästina veranlaßten die Verwaltung vor 8 Jahren, ein eigenes Amt in Jerusalem zu errichten, um das großzügige Palästinawerk für die Gemeinden des Heiligen Larldes unmittelbarer und erfolgreicher fördern zu können. Zur Leitung dieses schwierigen und verantwortungsvollen Amtes wurde seinerzeit, wie unsere Leser sich noch erinnern werden, der rühmlichst bekannte Oberrabbiner von Alsokubin I. H o r o v i c z berufen. Die Verwaltung hat auch in diesem Zeiträume eine außer ordentlich vielseitige und segensreiche Tätigkeit wirtschaftlicher, philanthropischer und hygienischer Natur entfaltet und reiche Erfolge erzielt. .In den judäischen Kolonien und in Jerusalem wurden ettva 13 Volks- und Bürgerschulen neugegründct, bezw. organisiert, die von der mit der Verwaltung 'n cngftcr Fühlung stehenden Palästinakommission der Freien Vereinigung unter der Lpezialleitung eines bewährten Pädagogen, des Kölner Leminarlehrers Tr. Auerbach, verwaltet werden. Das Lchulwerk mit insgesamt 45 Lehrkräften und etlva 1300 Zöglingen steht selbstredend auf streng religiöser Basis, hat jedoch mit Zustimmung der zuständigen rabbinischen Faktoren einen ausreichenden Realienunterricht eingeführt. Die imposanten Tchulgebäude in der größten Kolonie Palästinas, das so schön entwickelte jüdische Lchulwesen in Petach-Tikwah bilden ein Muster und Vorbild für dieses Prinzip. Die Unterrichtssprache ist hebräisch. Arabisch und Türkisch werden als Landessprachen unterrichtet. Die scphardische Doresch-Zion- Lchule in Jerusalem sowie die Talmud-Thora der Jerusalemer Uemenitengemeinde wurden durch zeitgemäße Umgestaltung des Lchulbetriebes, durch Anstellung geeigneter Lehrer, Bestellung freundlicher Schulräume in gesunder Lage und hygienische Aussicht auf ein höheres Niveau gebracht. Für intensives Thorastudium dient die Rabbinerschule Jeschiwas-Zion aus dem „Deutschen Platz", in der den Absolventen der 5. Klasse — 15—17 jährigen Zöglingen — in ihren Rabbinatszeugnissen bescheinigt wird, daß sie in den gelernten Talmudtraktaten „tiefe und umfassende Kenntnisse sich erworben und die Fähigkeit besitzen, im ersten Teil Joiv. dea mit sachtüchtiger Schärfe die Halacha festzustellen". Auch die Zöglinge dieser großzügigen Thoralehranstalt erhalten Unterricht in Tnach, hebräischer Grammatik, Geographie und Geschichte. Für Jerusalem hat die Verwaltung im Berichtsjahre einen Armenarzt angeftellt, berin der inneren Stadt, wo der größte und ärmste Teil der jüdischen Bevölkerung ansässig ist, die Schwerkranken auch in ihren Wohnungen aufzusuchen und ihnen ärztliche Hilfe zu bringen hat.. Eine neuerrichtete Armenapotheke und Poliklinik stehen auch für nichtjüdische Kranke offen. In dieser Apotheke, die unter fachmännischer Kontrolle geleitet wird, werden die Medikamente eines Rezeptes zum Einheitspreis von 20 Heller ausgefolgt. Von armen Kranken wird auch diese minimale Gebühr nicht erhoben. In Tiberias und in Saffed hat die Verwaltung auf dem Gebiete der ärztlichen Hilfe, Armenhebaminen ilnd Apotheke auch sehr Ersprießliches geleistet. Die Institutionen zur Förderung der Arbeit und des Kleingewerbes bei kleinen Kaufleuteu und Handwerkern, die Darlehenskassen zur Gewährung kleinerer und größerer unverzinslicher Darlehen — diese Einrichtung von hervorragender wirtschaftlicher Bedeutung wird in ihrer segenstiftendell Wirksamkeit immer mehr erweitert —, die Unterstützungen für arme Zöglinge zur Erlernung eines Handwerks, die periodischen Brot- und Mehlverteilungen-' an die Aerm- ' sten und Armen, die Speisung armer Schüler in mehreren städtischen Schulen, die regelmäßigen und gelegentlichen Unterstützungen für notleidende Thoragelehrte, Witwen und Waisen sowie regelmäßige Verteilungen für Pessach und andere Feste und Jahreszeiten an viele Hunderte notleidender Familien von Jerusalem, Saffed, Tiberias, Hebron re. umfassen eine erstklassige Wohlfahrtsarbeit zum Besten des Heiligen Landes. Zu den Institutionen dieser altehrwürdigen Organisation gehören auch die unter dem Namen „Amsterdamer Synagoge" bekannte älteste Aschkcnasim-Synagogc von Jerusalem und die schöne Synagoge am „Deutschen Platz" auf Zion in unmittelbarer Nähe des Tempelberges. Der „Deutsche Platz" — einer der schönsten Stadtviertel von Jerusalem —, auf einein 13.000 Quadratmeter umfassenden, herrlich gelegenen Grundstück an der südlichen Stadtmauer in der Nähe des Moriaberges, wurde um die Mitte des vorigen Jahrhunderts unter dem Protektorate dieser Organisation gegründet und wird auch heute uoch unter österreichisch-ungarischem Rechtsschutze von 'einem internationalen Komitee, welches seinen Sitz in Frankfurt hat, verwaltet. Bei Zuweisung der Armenwohnuugeu wird im allgemeinen nicht nach Abstammung und Herkunft, sondern nach Dürftigkeit und Würdigkeit geurteilt. Eine Ausnahme bilden jedoch die armen Familien von ungarischer, österreichischer oder deutscher Abstammung, für welche statutenmäßig in jedem Jahre mindestens einunddreißig Freiwohnungen Angewiesen lverden. — Das einem besonderen Komitee unterstehende Krankenhaus „Schaare Zedek" ist mit seinen hygienischen Einrichtungen das schönste und vornehmste in ganz Syrien und Palästina und entfaltet eine überaus segensreiche Tätigkeit. Unter dein Drucke der kriegerischen Ereignisse hat sich die Berivaltung genötigt gesehen, die Wirksamkeit der Anstalt zeitweilig zu sistieren. Doch wandte sich der deutsche Generalkonsul telegraphisch an die Zcntralleitung nach Frankfurt und bat inständigst, im Interesse der notleidenden israelitischen Bevölkerung das Hospital nicht zu schließen. — Die Einnahmen und Ausgaben, von denen ein geringer Teil für den notdürftigen Lebensunterhalt der aus Holland und Deutschland stammenden