Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 38 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite den hebräischen Text des Kaisergebets, ans den |p~H2 Dip' auf ilttl auf Pijutim und anderem Krims-Krams der alten Synagoge. Die Kinder verstehen das ohnehin nicht und man müsse doch wissen, was man betet. Sie ändern ihre Anstoß erregenden Namen, um äußerlich nicht als Jude zu gelten. So habe ich einen guten Juden gekannt, der einige Silben seines Namens preisgab, um, wie er mir mitteilte, seinen Sohn vor der Taufe und seinen Kaddisch zu retten. Er teilte mir die Namensänderung mit und bemerkte, daß er in meinen Augen nicht lächerlich erscheinen möchte. Er habe alle Ursache, stolz auf seinen früheren Namen zu sein, da seine Ahnen zu den berühmten Männern in Israel zählten — aber nur um seinen einzigen Sohn beim Judentum zu erhalten, habe er sich zu diesem Schritt entschlossen. Kurze Zeit nach seinem Tode taufte sich der schönbenannte Sohn und auch der Kaddisch war verloren. Auf einer Reise durch Ungarn kam ich in eine ganz kleine Gemeinde — ein Dorf. Es machte auf mich einen komischen Eindruck, in dem kleinen schönen Tempel moderne Einrichtung zu finden — die Besucher, zumeist Viehhändler, hätten viel besser in den Rahmen einer polnischen Klaus gepaßt. — Der Almemor oben, die Galerie der Frauen ohne Gitter. — Die Männer kamen am Samstag direkt vom Wochenmarkt und tauschten in ungezwungener Weise während der Vorlesung aus der Thora ihre Markterlebnisse aus. Die Kinder dieser Viehhändler studieren in Wien und Budapest, sind Beamte, Professoren, man findet sie in allen Lebensstellungen — zukünftige Kaddischsager und Maskirbeter, wenn sie sich nicht taufen werden. Nun kommen Gruppen, die schon schwer auseinander zu halten sind — die meisten fallen in die Kategorie der Tempeljuden, d. h. solche Juden, deren Religion auf das Minimüm zusammengeschrumpft ist — die im Tempel ihre Zuflucht finden. Da ist der Stoff so groß, daß man ein ganzes Buch füllen könnte. Da gibt es Richtlinien, die jeder nach eigenem Gutdünken zieht p-r. Es ist da schwer zu katalogisieren, Methode, Prinzip in das Chaos zu bringen — denn es tut jeder was er will — der Schulchan Aruch ist aufgehoben — man entnimmt ihm nur, was man gerade brauchen kann und scheut sich nicht, alte Minhagim zu großen Ehren zu bringen — ja auch der kabbalistischen Rüstkammer wird manches entnommen, wenn es der Betrieb erheischtfl — Man verzeihe mir dieses Zitat — aber es ist zu gut: „Mit dem einen Fuß steht man auf dem Parnaß, mit dem anderen.auf den Parnoffeh", d. h. in unserer Sprache Tltt?1?;? HDIB. Ja lege nur die Sonde an den modernen Tempel und du wirst vieles finden, das nicht „zeitgemäß" ist, und während sich mächtige, große Kulturwerte, Ursachen unserer Erhaltung, Triebfedern unseres Bestandes „überlebt" haben, bringt man aus den Tiefen des Mittelalters allerlei Tekanoth ans Licht zur „Verherrlichung Gottes"! Gleichwie ich den wissenschaftlichen Boden nicht betrete, der gelehrten Auseinandersetzung ausweiche, kann ich auch nicht aus das Einzelne eingehen. — Meine Absicht ist, in diesen Zeilen bloß ein Bild — sagen wir eine Skizze zu liefern, zu zeigen, wohin wir geraten sind und zur Rückkehr zu mahnen, ehe es zu spät wird. _ (Fortsetzung folgt.) Literatur. Dr. Heinrich Flesch, Die Familie Flesch. Brünn, 1914. Verlag des Verfassers (Rabb. Dr. Flesch, Ltadt Kanitz). „Wohl dem, der seiner Väter gern gedenkt, der froh von ihren Taten, ihrer Größe, den Hörer unterhält und still sich freuend, ans Ende dieser schönen Reise sich geschlossen sieht." Dieses schöne Dichterwort Ihat gewiß mit berechtigtem Stolz bei der Abfassung der vorliegenden schönen Studie der wackere Verfasser empfunden, dem es gelungen ist, in den Rahmen einer schlichten Genealogie geschichtliche, insbesondere kulturgeschichtliche Tatsachen von allgemeiner Bedeutung einzutragen. Klassisch ist der Rabbinerkontrakt' mit einem „Wochenlohn von 1 fl. 30 kr." usw., den endlich doch die Gemeinde für „unmöglich" auskömmlich befindet <Seite 47). Wir hören natürlich von den barbarischen Iudengesetzeu Maria Theresias, aber andrerseits von dem opfermutigen Bildungsstreben der Juden (;. B. Studium der Mathematik auf der Prager Universität, Seite 42). Ein Wanderbuch, das recht weit ausgreift, aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ist für die Geschichte unserer einheimischen Industrie von Belang (Seite 33). Verwandle Adolf Fischhoss und eine ganze Reihe von Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, z. T. dem Militür- und Staatsdienst Oesterreichs, begegnen uns. Besonders hervorzuheben ist aber die Beziehung eines Mitgliedes der hier beschriebenen Familie zu König Wilhelm von Preußen und den Vorgängen im Juli 1866. Das Büchlein bedeutet einen sehr lehrreichen Beitrag zur Geschichte der Juden in Oesterreich. r. Moritz Faust, Jüdischer Familienkalender für das Jahr 5675. Preis Kronen 1.60. Verlag des Verfassers (9. Bez., Grundlgasse 1). Vorliegender Abreißkalender in vorzüglicher Ausstattung ist auf einem durchaus zu billigenden Prinzip aufgebaut. Es werden außer den jüdischen und bürgerlichen Daten sowie wichtigen astronomisch-kalendarischen Hinweisen Barmizwa- und Iahrzeittabellen, ferner biographische Notizen über hervorragende Männer des Judentums übersichtlich geboten. Besonders willkommen sind die Angaben des Inhaltes der laufenden Wochenabschnitte. Das Werk ist zur Anschaffung für jüdische Eemeindekanzieien, Rabbinate usw. wärmstens zu empfehlen. x. Dr. Frankl-Grün, Wien, 19. Bezirk. Die Psalmen für Schule und Tempel 80 Heller. Kommentar-Einleitung und 1. Buch 1 Kr. Gebete in Kriegszeit für israelitische Frauen und Mädchen, von Rabbiner Dr. Mar Grunwald. Das Reinertrügnis wird einem patriotischen Zwecke überwiesen. Wien 1914. Jos. Schlesinger, Verlagsbuchhandlung, Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 5. Krirkkasten. Eine Jüdin. Ihren Brief haben wir der zuständigen Stelle übermittelt. Moriz Kulka, Holleschau. Für uns ungeeignet. Vielen Einsendern. Gewiß ist es eine Herzens- und Gemütsroheit, wenn eine „Labedame" einem verwundet heimkehren den Offizier die Paar Würstel verweigert, weil er Jude ist. Allein wenn „Damen" in öffentlichen Lokalen solch schamloser Handlungsweise sich rühmen, so ist das ein Beweis, daß man es mit degenerierten, hysterischen Frauenzimmern zu tun hat, die zum Dienste im Roten Kreuz durchaus unbrauchbar sind. Wenn die Leitung derlei sittlich verwahrioste Elemente nicht energisch ausscheidet, wird sie selbstverständlich für die Folgen die Verantwortlichkeit zu tragen haben. __ Ausruf! Mitbürger! Ein Teil Galiziens ist vom Feinde bedrängt. Tausende Familien mußten ihr Heim unter Zurücklassung von Hab und Gut verlassen und vorübergehend in Wien Aufenthalt nehmen. Roch gestern in ihrer Heimat angesehene und reiche Bürger, sind sie jetzt von allen Mitteln entblößt, entbehren für sich und ihre Angehörigen das tägliche Brot und wissen nicht, wo sie nachts ihr müdes Haupt niederlegen können. Es ist feststehend und wir dürfen erwarten, daß der Staat, in dessen Interesse die Familien heimatlos geworden sind, für sie sorgen wird. Aber Inzwischen können die Armen im Elend verkommen. Es ist daher Pflicht und ein Gebot der Menschlichkeit, diesen helfend beizuspringen. Mitbürger, die Ihr zu jeder Zeit alien Hilfsbedürftigen ein offenes Herz bekundet, helfet diesen Schiffbrüchigen! Der Verband der in Wien bestehenden humanitären Vereine der galizischen Juden fühlt sich in erster Linie verpflichtet hier helfend auMtreten. Er wendet sich hiemit an Euch mit der Bitte, ihm zum besagten Zwecke zuhanden seines unten genannten Obmannes (Scheckkonto Nr. 56.020) oder seines Kassiers (Scheckkonto Nr.- 81.598) Spenden zukommen zu lassen. Die einlangenden Beträge werden veröffentlicht. Dr. Mar Jacobsohn, Obmann, 1. Bez., Biberstraße 11. Bankier Adolf Hecht, Kassier, 15. Bez., Mariahilferstraße 138, Obmann des Vereines der Kolomeaer. M. I. Beer, Obmann des Vereines der Brodyer. I. Hillner, Obmann des Vereines der Tarnopoler. Ignatz Platz, Obmann des Vereines der Lemberger. Dr. Mar Kahane, Obmann des Vereines der Rzeszower.