Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 38 (18.9.1914)
- Date
- 1914-09-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022128--23445-3048645- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
s o Br. 38 I«hrs«ms xxxi Dr. Bloch’s GestemW Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums, Qcr~ ■ —0 o A. h. poPlparhafTniatnt Q Sleartng-Verk ebr «r. 810.976. Redaktion unb Administration. f Wir« H/i, Praterstraße 9 Telefon 45359 J -G_“O- Wien, 18. September 1914 : Lrscdetnt jeden freitag.: Brief-Adresse: Wie», ll/i. Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. OO ■ - 1 ■==C)C p VrsUgsprriM für VrstrrrrKst: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 56 Heller. Für'« N«sl«nd: Halbjährig 16 Kronen. Ganzjährig 26 Kronen. Anzeigen: Die mal gespalj tene Pelitzeile 48 Heller. O o O —O Inhalt. Leitartikel: Das große Schicksalsjahr 5V75. — Maßnahmen für die galizischen FluchlUnpe — Pom Jahrmarkt des Lebens: Dr. Tobias Aschkena'y. Das Hilfswelk für die galizischen Flüchtlinge. Eingesendet „Meine lieben Juden." Lord Rothschild über die Versprechungen des Zaren. Hauptmann Martin Burger. Der Heldentod des Leutnants Oskar Singer. Julius Reif, der Held von Suchodal. Der Heldentod eines jungen Wieners. Ein Jude Eroberer der ersten französischen Föhne. Beerdigung eines jüdischen Turkos. Das Eiserne Kreuz. Kriegsfreim-llige Seminaristen. An Lossalles Grabstätte. Reaktivierung Ditysus'. Der Krieg ein Heilmittel gegen Antisemitismus. Prinzessin Friedrich Karl bei den Verwundeten. David Wolpsohn gestorben. — Korrespondenzen: Das Hilfswerk für sechslausend jüdische Flüchtlinge aus Galizien m Nikolsburg. Kriegsaufruf an edle Brcckenbesitzer. Kriegsfürsorge der Juden Wiens. Patrwn-mus der österreichischen und ungarischen Juden in Amerika. Gegenseitigkeitsabkommen zwischen der österreichischen und der ungarischen Regierung wegen der Unterbringung von Flüchtlinoen. Eine Versammlung der galizischen Flüchtlinge. — Vermischtes. — Feuilleton: Vor den einbrechenden Russen. — Der Kneg. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Den geehrten Lesern, Gönnern und freunden wünschen wir aus Hnlaß des Jahreswechsels navo nzrnm rr^nD Die Redaktion der „Oesterreicbiscben Wochenschrift“ Dr. JOS. S. BLOCH. _ Da das Rosch Haschono-Fest Montag den 21. und Dienstag den 22. September stattfindet, so wird die nächste Nummer der „Österreichischen Wochenschrift“ erst Montag den 28. dieses Monats ausgegeben werden. Das große Kchicksalsfahr 3673. Bon Oberrabbiner W. Reich in Baden bei Wien. In allen Nervensträngen unseres physischen und psychischen Wesens fühlen wir es — wir befinden uns vor dem Beginne eines großen Schicksalsjahres, desgleichen die Weltgeschichte noch kein größeres hatte. Die ganze alte Welt wird eine neue, veränderte Gestaltung erhalten und einer nicht minder großen Veränderung geht das jüdisch eVolk entgegen. Nicht nur dies allein, daß die großen Schlachtfelder sich auf jenen Territorien befinden, auf, denen sich das Gros der Judenheit in seinen Wohnsitzen zusammenballt. sondern auch die sozialen Konsequenzen in dem künftigen Verhalten der Nationen gegen die versprengten, jüdischen Teile sehen einem aus Jahrhunderte hinaus entscheidendem Endresultate entgegen. Ter Sieg des Kosakentums über Europa wäre die Abdikation der jüdischen Menschenrechte; und darum ist dieser Krieg für uns Juden d e r h e i l i g e K r ieg! Im n e u e n Schöpfungsjahre sollen die Würfel fallen, die im v e r g a n g e n e n in das Dunkel der großen Welturne geworfen rvorden sind. Blitzartig aufleuchtende Gedankenreihen bilden sich vor unserem Geistesauge, stürmische Gefühle dringen auf uns ein mit wuchtiger Gewalt, erschütternde Empfindungen erfassen uns in dieser Vorbereitungszeit für das Schicksal unserer ganzen Judengemeinschaft. Mit einer an visionäre Verzückung grenzenden Intensität der Andacht, mit einer sonderartig tief ans Herz greifenden Inbrunst des Gebetes pochen wir Juden daher diesmal an die eherne Pforte des mit blutigen Lettern gezeichneten neuen Schöpfungsjahres. Wir haschen nach einem Gesamtausdruck, der alles kurz in sich zusammenfaßt. Wenn die himmelanstürmenden Gedanken, weltumfassenden Programme, weithinragenden, labyrinthartig verschlungenen und verzweigten Jdeengänge in wenigen Worten zu einem kurzen Ausspruche zusammengezogen werden sollen, bilden sie ein Motto; es ist dies dann die kondensierte Essenz des Geistes, die wie ein Blitzlicht das tiefste Dunkel erhellt und wie eine Fackel der Menschheit voranleuchtet. Wir wollen aus den uralten synagogalen Zeichen, die dem jüdischen Neujahr das geheiligte historische Siegel aufprägen, mit allen ihren Verstandes- und Gefühlsmotiven herausholen, aus den ergreifenden Tönen des Widderhornes, mit seiner Vorgeschichte der schwersten Prüfung eines Vaterherzens — bekannt unter dem Namen der A k e d a — und das Motto lautet daher: W a a k edath Jizcliak hajom berachamim tiskor!“ — „Die freie Opferwilligkeit des Patriarchen für den Gottesgedanken, mögest du, o Ewiger! heute an uns in Erbarmen gedenken!"