Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 37 (13.9.1914)
- Date
- 1914-09-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 638 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 37 feindliche Land eindringt.-Der Briefbote liest die au die Frau adressierte Feldpostkarte, in welcher der Korporal den Tod seines Leutenauts, ihres Gatten, meldet. Der Bote besinnt sich — er will nicht der Ueberbringer dieser Hiobspost sein — er setzt sich mit dem Hausbesorger ins Einvernehmen und sie beschließen, die Karte einem Verwandten der unglücklichen jungen Frau und Mutter zu übergeben. rrr;n n^;b "2 irci“ ““i so müssen wir auch heute mit Radbe Meier ben Jechiel ausrufen. Welch reiche Ernte für den Knochenmann. Sein Feld ist wahrlich gut bestellt. Und all dieses herzbrechende Unglück, dieser himmelschreiende Jammer, diese Menschenopfer — sie sind unverschuldet? — Sie sollen keine Züchtigung sein? Wir alle ohne Unterschied — ein jeder von uns halte Gericht mit sich selbst und überschaue seinen Wandel. Uns Juden mahnen die Schofartöne Dy**““ O'DDTID ITT ITT Und da lesen wir wieder einen Satz, der uns zum Denken aüregt, jdx ni;>* nn>*i irr“ *;dt:i “rp ttk ]T mr? 1“K aS Die Stimme, die einst am Sinai erklungen — sie tönt nicht mehr in uns nach. Unser religiöses Leben ist unwahr. Wir haben die Wahrheit ausgeschaltet. Im Judentum ist nur Eines richtunggebend — es gibt nur eine einzige Richtlinie — sie heißt DDK — Als Pciestervolk, berufen, in Wahrheit und Gerechtigkeit in steter Beziehung zu Gott zu leben, hat Israel oft und oft den falschen Propheten Gehör gegeben. Mit der Begründung, moderne Kultur in die starre Orthodoxie eindringen zu lassen, hat die Reformation dem Judentume schöne Fassaden gebaut, welche der inneren Hohlheit, der Lüge als Maske dienen sollten. Das Reform- Judentum hat uns nichts Positives gebracht. Unter dem Deckmantel der Religion, Frömmigkeit heuchelnd, verweisen die Reformer auf das Heiligtum in Jerusalem, auf die Zeit des Opferdienstes, um ihre Dekorationssucht, ihre Pompentfaltung zu sanktionieren. Auf das alte Jerusalem, auf die Einrichtungen des Tempels hinweisend, schmarotzen sie — die Reformer — bei allen Kulten. Ueber heiligste Traditionen sich kühn und verwegen hinwegsetzmd, glaubten sie durch die jeweilige Kultur die alte, wahre Orthodoxie beleben zu müssen und vergaßen, daß das alte, wahre Judentum ewig sei, die Kultur aber häufigem Wechsel unterliege. Vergleichen wir die Kultur von Byzanz mit jener von Griechenland — die Kultur des Altertums mit jener der Neuzeit. Die altjüdische Kultur, die doch unbestritten in der Orthodoxie zum Ausdruck kommt, müßte demnach immer neue Kulturen aufnehmen, d. h. gepölzt werden. Wie richtig klagt Jehuda Halewi: “T1K1 “‘Din1? IDT D^D“ DN1 Die Reform beschränkt sich ja nur auf Aeußerlichkeiten, und wenn wir all ihre Errungenschaften im Auge behalten, müssen wir sagen: nicht des Kampfes wert. Sie ist bestrebt, die Ungläubigen ins Gotteshaus zu bekommen und sorgt für allerlei Reiz und Kitzel. Man sucht nun nach Namen und Begründung. Kulturellen, ästhetischen Standpunkt nehmen die Reformer ein oder sie gehen mit dem „Zeitgeist". Die absolute Unveränderlichkeit der auf Thora und Tradition beruhenden Religionsgesetze muß von den gläubigen Juden verteidigt werden. Diese Unveränderlichkeit war, ist und wird immer zeitgemäß sein. Bleiben wir vorerst beim Gotteshaus. Warum sollten wir die alten Einrichtungen nicht beibehalten? Hat nicht die katholische Kirche sich gegen jeden Eingriff gewehrt? Und gerade dieser Kirche gucken die Reformer so vieles ab. Ich will jetzt vom Reji^ionsgesetz, von den durch Jahrtausende geheiligten Traditionen ganz absehen und frage: Ist es kultureller, ästhetischer, künstlerischer, wenn der Almemor oben steht, wenn die Galerie der Frauen kein Gitter hat, wenn der Rabbiner und der Chasan Bischofsmützen tragen, wenn Mädchenchor ertönt und Ocgeltöne erklingen, wenn der Tallis zusammeugelegt getragen wird (malerischer ist entschieden der offene Tallis), wenn die uralten Gebete gekürzt und dafür ganze Sätze dreimal vom Kantor wiederholt werden? Ich stehe nicht an es zuzugeben, daß so manches im Gotteshaus verbessert werden könnte — ja die alten Rabbinen selbst haben vieles beanständet. Auch sie wollten reformieren, aber um die alte Herrlichkeit wieder herzustellen, die alte Kultur zu erhalten. Zum Beispiel das Verkaufen der Mitzwoth, das laute Beten der Gemeinde, das Sprechen während des Gottesdienstes — dagegen erhoben viele von ihnen ihre warnende Stimme. Man betrachte den Gottesdienst in orthodoxen Gemeinden Deutschlands und wird finden, daß es möglich war, unter genauer Beobachtung der Gesetze und Beibehaltung aller Minhagim vieles zu verbessern. Es hat mich immer verdrossen, wenn der Schames vor dem Ausrufen einer Kundmachung mit der stachen Hand auf das große Machsor schlug oder wenn man vor lauter „Schmusen" die Keduschah nicht hören konnte. Das Hin- und Herlaufen der Besucher — dies alles sind Uebelstände — die zu beseitigen eine Mitzwah genannt werden kann. Ebenso ist die Vermehrung der Mischeberach, die Namensverlesung beim Maskir zu bekämpfen. Halt, da steche ich in ein Wespennest. An Maskir und Kaddisch ja nicht rütteln! Das sind ja die Stützen des modernen zeitgemäßen Gottesdienstes. Auf die Kaddischsager ist die moderne Gemeinde angewiesen. Gar viele Gemeinden müßten ihre Tempel schließen, wenn nicht die Kaddischsager wären, mancher Gemeindesäckel wäre leer, wenn das Totenversicherungsamt nicht betrieben würde. Unsere herrlichen Pijutim mußten der Haskara weichen. In größeren Gemeinden nimmt die Verlesung der Namen der „Eingekauften" eine halbe Stunde in Anspruch. In fünfzig Jahren kann der ganze Feiertag damit ausgefüllt werden. Es gibt Gemeinden, die ihr Minjan nur durch Kaddischsager ergänzen — oft legt nur die Hälfte davon Tefillin. Kaddisch und Maskir sind die Jochin und Boas des modernen Tempels. _ (Fortsetzung folgt.) Literatur. Gebete in Kriegszeit für israelitische Frauen und Mädchen von Rabbiner Dr. Max Gruuwald. Das Reinerträgnis wird einem patriotischen Zwecke überwiesen. Wien 1914. Jos. Schlesinger, Verlagsbuchhandlung, Wien, I., Seitenstetteng. 5. Kriefkasteu. I. Chlamtatsch, Karlsbad. Wir bedauern, Ihren wohlgemeinten Vorschlag durch Publikation nicht unterstützen zu können. Bar Mizwa Rabbiner Dr. Armand Kaminka Sekretär der Israelitischen Allianz, und seine Gemahlin feiern am Samstag, 2*22»^ de i 19. September, 9 Uhr vormittags, im Leopoldstädter Tempel (II., Tempelgasse 3) die Bar Mizwa ihres Sohnes Felix Kaminka. Gratulation Samstag und Sonntag III., Obere Weißgärberstraße 24. KUNDMACHUNG. Der Vorstand der israelitischen >Kultusgemeinde Wien hat Se. Ehrwürden Herrn Dr. Jakob Drobinsky in seiner Eigenschaft als Rabbiner des israelitischen Tempelvereines für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau, VI., Schmalzhofgasse 3, im Sinne des § 44 des Gemeindestatutes zum G emeinde-Rabbiner bestellt. Nachdem gegen diese Bestellung zufolge Erlasses der k. k. n. ö. Statthalterei vom 22. August 1914, Z. 111-2299/1 seitens der Staatsbehörde eine Einwendung nicht erhoben wurde, erfolgt hiermit die allgemeine Verlautbarung. Wien, 1. September 1914. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde in Wien.