Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 37 (13.9.1914)
- Date
- 1914-09-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3022089-3022127--23440-3048639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 37 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite.637 Aaitritte au« dem Judentum. Vom cO. August bis 5. September 1914. Aufrichtig Leopoldina, geb. 2. April 1874 in Wien, X., Rolehofgasse 106. Fliedr Emma, Kassierin, geb. 11. März 1895 in Wien, XX. Bez., Spaungasse 17. Hofbaner Helene geb. Schwarz, Kontoristensgattin, geb. 21. Not. 1885 in Neutra, Ungarn, XIII., Hadikgasse 140. Hnss Olga, geb. 4. Juni 1890 in Wien, derzeit Lackenhof, Gemeinde Gaming. Knlka Sigmnnd, Kommis, geb. 1. Jänner 1891 inFulnek, Mähren. XVI., Koppstraße 45. Löwinger Artnr, Schlosser, geb. 2. Mai 1883 in Wien, XX.,??? Pollak Hanns Günther, geb. 3. Mai 1894 in Wien, II., Untere Donaustraße 13. Tanssig Leopold, Oberbuchhalter, geb. 21. Juni 1870 in Wien, VIII., Stoizentbalergasse. 6. Weiss Sophie, geb. 20. November 1895 in Wien, XII., Rosenhiigelstraße 21. Prag. (Kriegspredig t.) Im Tempel in der Geistgasse fand eine Kriegsandacht statt. Das große Gotteshaus war in allen Räumen dichtgefüllt. Mit tiefer Ergriffenheit folgte die mehr als taufendköpfige Gemeinde den herzerquickenden AuSführungen des Predigers. Herr Dr. Schwarz predigte mit vielem Geist und großem Feuer über den Bibeltext: „Wenn du in den Krieg ziehst gegen deinen Feind, und ob du auch siehst Rosse, Wagen und ein zahlreiches Volk, fürchte dich nicht; denn mit dir ist der Ewige, dein Gott, der dich schon einmal befreit hat aus den Nöten Aegyptens." Der Vortrag schloß mit einem ergreifenden Gebete, das allen Teilnehmern lange in Erinnerung bleiben dürfte. Profznitz. (Bittgottesdienst.) Im israelitischen Tempel zu Proßnitz findet seit Ausbruch des Krieges unter Zahlreicher Beteiligung der Gemeiubemitglieder regelmäßig am Freitag abend ein Bittgottesdienst für den Sieg unserer Waffen statt, bei welchem Herr Rabbiner Dr. Leopold Gold schm idt nach einer tiefempfundenen patriotischen Predigt ein erhebendes Gebet für unseren Allerhöchsten Kaiser und seinen Verbündeten verrichtet und nach Absingung der Volkshymne den Gottesdienst beendet. Feier am 18. August in Oderfurt. In Oderfurt erschienen im israelitischen Tempel zur Kaiserfeier außer 'einem zahlreichen Publikum von der Stadtgemeindeverwaltung die Herren Bürgermeister Eduard P e tz e l m a n n, Vizebürgermeister Alois Fleischner, Altbürgermeister Müller und mehrere Gemeinderäte; von der k. k. Nordbahn die Herren Streckenleitungschef W a w e r k a, Staatsbahnrat Schwarz, Staatsbahnrat G e l l i n e k, Ztaatsbahn- Oberingenieur G o l d r e i ch und Stationsvorstand Schollmeyer; von der k. k. Polizei Herr Inspektor Buruzki. Die Feuerwehrgruppe war mit ihrem Kommandanten Herrn August Zähe l, die Veteranen mit der Fahne unter Führung ihres Hauptmannes, des Herrn Bahnrevidenten Okolus, erschienen. Der Ausschuß des Tempelvereines mit seinem Präses Herrn Kultusrat Eduard Wechsberg ferner der israelitische Frauenwohltätigkeitsverein mit der Präsidentin Frau Direktor Spitzer hatten sich vollzählig eingesunden. — Nach einem herrlichen Präludium leitete Herr Oberkantor Arnold S i m k o w i c z die Feier mit dem Sulzerschen Na tauwu unter Begleitung von Chor und Orgel ein. Sodann wurde Psalm 21 rezitiert. Die Festpredigt hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. R. F a e r b e r aus Mäihr.-Ostrau, die einen nachhaltigen Eindruck zurückließ. Nach dem Wajlii binsoa des Herrn Oberkantors sprach Herr Dr. Faerber ein Gebet für Kaiser und Heer bei offener Bundeslade, worauf von allen Anwesenden die Kaiserhymne in mächtigen Akkorden gesungen wurde. In P rer au fand ein Bittgottesdienst am 1. September statt. Mehrere passende Psalmen wurden rezitiert. Se. Ehrwürden Herr .Rabbiner Dr. Oc-kar K arpeles hielt eine eindrucksvolle Predigt und ein inniges liebet für den Sieg des Heeres. Das (Gotteshaus war mit Andächtigen gefüllt, die in feierlicher Stimmung den Worten der religiösen Belehrung lauschten.. Ueber Veranlassung des Vorstandes werden allwöchentlich Freitag abend Bittgebete abgehalten. Feuilleton. Der Krieg. (Fortsetzung.) mpn:i irr"n rrrsrr: ♦D'Eirz Hx Sn D'£r Sn vzzb Nir: Ist nicht namenloses Weh über uns alle gekommen? Wenn wir das alte Buch Jeremias zur Hand nehmen — als wäre es gestern geschrieben worden. t,-nrn j-r S? pir din“ nSn; rrSs:’: =]DNE pNI “ixipn oder die Stimme des Paitans Eleazar, ist es nicht unser Schlachtruf von heute? N12T1 ljSr TwN IX Sn Er gilt dem (lies Zar) und seinen Henkersknechten. ♦ons T3 mnj **SSi5? p lT*n rre ^Sipi ptccn Diese Strophen — von Trauer erfüllt —, sie sind aktuell geworden. Wir greifen uns an den Kopf! Ist es wahr oder ein böser Traum? Wer kann es begreifen — dieses Losbrechen niedrigster Instinkte — ein Beweis, daß sie vorhanden waren — bloß geschlummert haben und sitzt durch die Kriegsfurie entfesselt, die Menschen beherrschen, daß sie mordend und sengend einherstürmen, blühendes Leben und Kulturstätten der Vernichtung preisgeben. Es ist also Wahrheit, daß wir Juden gegen Frankreich zu Felde ziehen, das uns lange vor allen anderen Staaten, am 27. September 1791, alle Rechte französischer Staatsbürger verliehen hatte, wahr, daß dieses Frankreich und England an der Seite Rußlands stehen. — Gibt es größere Kontraste? In der Politik gibt es eben keine Ideale, keine Kontraste — keine Unmöglichkeit. Wir frohlocken bei jeder Siegesnachricht, ohne an die Hunderte und Taufende zu denken, die bei diesem Sieg auf beiden Seiten einen jammervollen Tod gefunden. — Wir schreien hoch und hurrah, ohne der Witwen und Waisen zu gedenken, die wehe, wehe rufen, wenn sie erfahren, daß sie ihren Gatten — ihren Vater verloren. Wer denkt an die gramgebeugten Eltern, welche seit Wochen nichts von ihrem Liebsten hören und ihn neben der Siegesbotschaft in den Verlustlisten finden. — Wer vermag diesen Jammer wiederzugeben? Wer fragt nach den tausend und abertausend Verwundeten, die stöhnend in den Laufgräben liegen bleiben — an die vielen Entbehrungen und an die Gefahren, welche die armen Kämpfer zu bestehen hatten. Wie hat sich das alte Mütterlein einst mit der Erziehung ihres Kindes gequält. Wie hat sie in schlaflosen Nächten jeden Atemzug des Kranken beobachtet und strahlend in Glückseligkeit pflegte sie den Genesenden. Alles gab sie für ihren Herzensliebling hin. — Sie ward reichlich belohnt für all die bangen Sorgen, für all die gelittenen Entbehrungen — er ward ihre Stütze und blieb sie auch dann, als er für Weib und Kind zu sorgen hatte. Nun rief ihn das Vaterland. Die alten zitternden Hände der Mutter lagen lange segnend auf dem Haupt ihres Lieblings, als er Abschied nahm. Es kam eine — eine zweite Nachricht von ihm — dann nichts und nach bangen 14 Tagen — die Meldung, daß er den Heldentod gefunden. Das ist eine von den tausend Geschichten, die der Krieg erzählt. Oder die Geschichte von dem jungen Advokaten, der Weib und Kind verläßt und siegreich mit seinen Leuten ins