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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-28 · 35 (28.8.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
35 (28.8.1914)
Date
1914-08-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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8t. 35 QpB ^|qq||)» Jl^tJÄJtJXXXI Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wien. 28. August 1914 Lrscvetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien» ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adreffe: Bloch's Wochenschrift. Wien. Inhalt: Leitartikel: Zwei Manifeste. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Französische und belgische Zarenknechte. Von unseren galizischen Grenzstädten. Beeidigung der jüdischen polnischen Freiwilligen. Spende der Lemberger Kultusgemeinde für die poln. Legion. Ein Aufruf der Juden in der Bukowina. Brief eines im Felde stehenden Offiziers. Vom russisch-polnischen Kriegsschauplatz. Der Sozialistenführer Dr. Frank als Freiwilliger. Eine tapfere jüdische Mutter. Acht Söhne einer Mutter im Felde. Feldpostbrief eines jüdischen Kriegsfreiwilligen. Ein schöner Zug des österr. Botschafters in London Grafen Mensdorf. Max Nords», Dr. Alix. Marmorek und I. Zangwill. Der Sohn Dreyfns' als Soldat. Die Protestbewegung gegen den Krieg in England. Wohltätige Frauen in Berlin. Das judenreine Borkum, eine öffentliche Kennzeichnung. — Korrespondenzen: Der Geburtstag des Kaisers. Nachahmenswertes Beispiel. Verein Frauenhort, IX., Müllnergaffe 21. Richter Jakob Teitel über die unerträgliche Lage der Juden in Rußland. Schreckliche Judenpogroms in Rußland. Unterbrochene Judenaustreibung aus Liebau. Einberufung der Mischen Ottomanen in Oesterreich. „Mesillah Chadaschah." Weshalb in Rußland eine Rabbinerwahl unterbleiben muß. Eine Jüdin städtische Koirtrollorin. — Vermischtes. — Feuilleton: Zwischen den Schlachten. — „Gott der Allmächtige ist Herr des Sieges." — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. OCj ' . üO p BrprssprrL« für D»st«rrrtrh:? Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Analnrrvr Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die nal gespal» 2 lene Petttzeile 48 Heller. C oO . .—Qo M. ft. Postsp«K«ffenamt ’ Eleartng-Verkebr «r. 810.976. Redattion und Administration. ll/i. Praterstraße 9 'Telefon 45359 Zwei Manifeste Von Oberrabbiner W> Reich in B a d e n b. Wien. In der brennenden Begierde und lechzenden Sehnsucht nach Berichten von den Kriegsschauplätzen, die uns von Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde fieberhaft durchglühen, sind zwei Manifeste vor uns, den Genoffen dieser großen Zeit, wie ein Schattenspiel im Kaleidoskop der welterschütternden Ereignisse vorbeigehuscht. Und doch sind sie, speziell für uns Juden, zwei gewaltig ergreifende Momente, die wir verpflichtet sind, unserem Gemüte einzuprägen und nach ihrem weltgeschichtlichen Werte abzuschätzen. Es sind dies zwei Kundgebungen, wie Feuer und Wasser einander elementar entgegengesetzt und sich ausschließend. Die eine, von den Juden ausgehend, die andere, an die Juden gerichtet. Die von den 'Juden ausgehende ist geeignet, uns mit tiefer Wehmut zu erfüllen und mit Tränen der Rührung zu benetzen. Eure Brüder aus Oest e rr eich, ist sie gefertigt, und! an die in Rußland lebe nden Glaubensgenossen wendet sie sich. Sie beginnt hebräisch: „Acheinu benei Jißroel" und fährt — zum besseren Verständnisse der russisch-jüdischen Allgemeinheit — im Jargon fort. Ins Deutsche übertragen, lautet sie: „In der gegenwärtigen Zeit der ungeheuren Ereignisse sind es eine Million Juden, die in den verschiedenen Staaten gewappnet dastehen — Kinder eines Volkes! Der größte Teil derselben befindet sich in Rußland, in dem Lande der Pogrome, wo die Hälfte aller in der ganzen Welt lebenden Juden schwer gepeinigt wird. Ueber eine Viertelmillion jüdischer Soldaten finden sich in Oesterreich und Deutschland bei den Fahnen ihrer Kaiser! Wie groß aber ist der Unterschied für die jüdischen Soldaten in Oesterreich im Vergleich mit dem schrecklichen Lose für die Söhne Israels in der russischen Armee! Die österreichischen Soldaten verteidigen ihre Freiheit und ihre Gleichberechtigung, die sie genießen, gleich den anderen Völkern wie ein Mann! Euch aber, russische Inden, Euch, Ihr unglücklichen Brüder, zwingt man, sich für die Nagaika zu schlagen, mit welcher Ihr gemartert würdet! Ihr müsset die mörderischen Hände küssen, die in den Tagen von Kischenew, Sitomir, Byalistok und Odessa tausende Juden erschlagen. Eure Frauen geschändet und das Blut Eurer Kinder vergossen haben! Für Menschen, die erst vor kurzer Zeit die Verleumdung des Ritualmordes im Beilisprozesse verbreitet haben, um Euch vollends zu vernichten, sollet Ihr jetzt Euer Blut vergießen. Unsere Brüder, Kinder Israels! Ihr Kinder unserer gleichen Ahnen, wir beweinen E it e r Los! Unser aller Gott hat aber sein Volk nicht vergessen! Der Tag des Gerichtes ist gekommen. Der alte jüdische Gott will Euch Vergeltung verschaffen! Er will die Hooligans und ihre Polizeihunde bestrafen. Ihr müsset mithelfen, das Urteil, welches nach Gottes Rat von dem Kaiser von Oesterreich ausgeführt werden soll, zu erfüllen. Es ist ein Fingerzeig Gottes, daß der alte, gute Kaiser Franz Josef lebt und so l a n g e r e g i e r t. Als Sendbote Gottes ist er vom Himmel bestimmt, vielfach die Leiden zu entgelten, die man Euch angetan hat! Ihr wäret in der Revolution von 1905 und habet keine Furcht vor Opfer gezeigt! Und wenn nun auch -- was Gott verhüten möge — Tausende von Euch den, Tod finden in dem Kampfe gegen Tyrannen, so sollet Ihr damit helfen, die Ketten von Millionen zu zerreißen! Bedenket, wie es für Euch gut wäre, wenn Oesterreich siegt! Die Judensteuer würde zu existieren aufhören, Ihr werdet in Schulen gehen können, Boden kaufen, wohnen, tvo Ihr wollet und nach Willen dem Gewerbe nachgehen. Heute seid Ihr die Unglücklichsten der ganzen Welt, Knechte von Tyrannen! Morgen könnet Ihr schon frei sein, freie Menschen! Juden, Brüder! Die Stunde der Erlösung hat ge^ schlagen! Wer weiß, ob in hundert Jahren je wieder sich die Gelegenheit finden werde für Eure Befreiung! Die Zeit des Messias, des Davidsohnes ist für Euch da! Helfet der Freiheit, daß sie in Eure Gassen komme! Juden, Brüder! 'Erinnert Euch der Worte aus den j--

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