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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-21 · 34 (21.8.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
34 (21.8.1914)
Date
1914-08-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Scitc 586 Dr. Bloch's derung, und zwar in erster Linie von der wohlhabenderen Bevölkerung des 20. Bezirkes. Geldspenden werden entaeaenaenommen von Frau Helene S t e i n, 1. Bezirk, Morzinplatz Nr. 3. Eine opferwillige Anregung. Um auch ein Scherflein zur Linderung der Not in dieser schweren Zeit beizutragen, erging auf Anregung des I. Kantors Serebrenik an alle Kollegen der Aufruf, während der Kriegsdauer zu allen vom Friedhose aus stattfindenden Leichenbegängnissen die Straßen- - bahn zu benützen und den für die Fahrt zu vergütenden Pauschalbetrag von 10 Kronen dem verehrlichen Kültusvorstande für wohltätige Zwecke zu widmen. Nachstehend der Aufruf: WIEN, 16. August 1914. Hochgeehrter Herr Kollege! In dieser ernster Zeit wollen auch wir Kantoren unser Scherflein zur Linderung der durch den Krieg in Not geratenen Glaubensbrüder beitragen. Ich gestatte mir deshalb zu beantragen, von nun ab zu allen vom Friedhofe aus .stattfindenden Leichenbegängnissen als Fahrgelegenheit die Tramway zu benützen und den für die Fahrt zu vergütenden Pauschalbetrag von K 10.— dem verehrlichen Kultusvorstande für wohltätige Zwecke zu widmen. Geneigte Zustimmungen erbitte ich an Herrn Amtsle:ter Wilhelm Freistadt. Mit kollegialen Grüßen Ihr ergebener Kollege Leopold Serebrenik, I. Kantor XVIIL, Schopenhauerstraße 39. „Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Sitz Berlin, hat an seine Mitglieder die Aufforderung gerichtet, sich als Freiwillige zum Heeresdienst zu melden oder, soweit sie dafür zu jung sind, sich zu Erntearbeiten zur Verfügung zu stellen." Hochachtungsvoll Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands. Der Segen des Rabbiners. Aus Zsolna wird geschrieben: Am 31. Juli in den Abendstunden traf hier die Künde von der allgemeinen Mobilisierung ein. Die.Jugend, welche sich unter den Fahnen versammeln muß, veranstaltete aus diesem Anlasse eine patriotische Kundgebung. Es bildete sich ein Zug mit Fackeln und Lampions, der patriotische Lieder singend durch die Straßen zog. Die Teilnehmer an der Demonstration gäben plötzlich die Parole aus, vor das katholische Pfarramt zu ziehen und den Segen des Pfarrers für die in den Krieg ziehenden Soldaten zu erbitten. Der Zug bewegte sich zum Pfarrhause. Der Pfarrer, ein alter, kränklicher, bettlägeriger Mann, konnte jedoch die jungen Leute nicht empfangen. Die Manifestanten riefen nun fast einstimmig: „Gehen wir zum Rabbiner!" So geschah es auch. Oberrabbiner Dr. David Fried mann weilte außer dem Hause, als er jedoch erfuhr, wovon die Rede sei, trat er sofort den Heimweg an. Auf der Straße begegnete er dem Zuge. Als die jungen Leute, fast durchwegs christlichen Konfessionen angehörend, des Rabbiners ansichtig wurden, bereiteten sie ihm herzliche Ovationen. Der Führer des Zuges richtete an den Rabbiner folgende Ansprache: „Hochwürdiger Herr! Wir, die wir hier versammelt sind, ziehen morgen in den Krieg, um für König und Vaterland zu kämpfen. Wir bitten Sie, uns Ihren Segen zu erteilen." Der Oberrabbiner richtete nun an die jungen Leute eine von patriotischem Geiste durchglühte Ansprache und flehte den^ Segen des Himmels auf die Waffen unserer Armee herab. Er erteilte sodann den Kriegern den Segen und schloß mit einem Eljenruf auf . König und Vaterland, in welches die jungen Leute begeistert einstimmten. Einige der Manifestanten hoben den Rabbiner auf die Schultern. Die jungen Krieger Wochenschrift Ar. 3 küßten sodann ohne Unterschied der Konfession dem Rabbiner die Hände. Unter patriotischen Rufen bewegte sich sodann der Zug weiter. Blutige Judenverfolgungen in Belgien. Prag, 16. August. „Pravo Lidu" meldet: Galizische Juden, die aus Belgien vertrieben worden sind und in ihre Heimat zurückkehren, sind hier in einem elenden Zustande angekommen. Sie besitzen weder Geld noch Gepäck — alles wurde ihnen genommen. Sie erzählen, daß in ganz Belgien eine blutige Judenverfolgung ausgebrochen ist, daß französische Hetzer den Mob angestiftet haben, auch jene galizischen Juden auszutreiben, die in belgischen Badeorten und Sommerfrischen wohüteü. Man überfiel sie in deren Wohnungen, man schleppte sie auf die Straße und plünderte u.nd raubte. Wer sich zur Wehr gesetzt, wurde e r st o ch e n oder erschossen. Entsetzliche Grausamkeiten wurden an ihnen begangen. Greise und Kinder wurden nicht verschont. Ueber tausend Familien mußten ihr Hab und Gut verlassen, um ihr bloßes Leben zu retten. Franzosen und Belgier wetteifern jetzt, ihres r n s s is ch e n Bundesgenossen würdig zu sein. Der Kriegssürforgesonds der Ehewra-Kadischa. Die Ofener Chewra-Kadischa, eine der ältesten jüdischen Körperschaften Ungarns, hat dieser Tage in einer außerordentlichen Sitzung unter Vorsitz des Präsidenten Samuel Grünwald den Beschluß gefaßt, aus ihrem Stammvermögen 25.000 Kronen auszuscheiden und damit einen Kriegsfürsorgefonds zu schaffen. Von diesem Fonds wurden zunächst 4000 Kronen als Spende für das Rote Kreuz sowie für die Zentralstelle zur Versorgung der Familien eingerückter Reservisten verwendet, während der Rest sowie die einlaufenden' 'großen" Spenden je nach Bedarf für aus der Kriegsfürsorgc sich ergebende Zwecke verwendet werden sollen. Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds in Köln hat an alle Landessammelstellen der im Kriege befindlichen Länder folgende Bekanntmachung erlassen: „Die ungeheure allgemeine Not, die der ausgebrochene Krieg nrit sich bringt, legt uns die Pflicht auf, neben der Arbeit für die Aufrechterhaltung unserer landwirtschaftlichen Siedlungen in Palästina im Interesse der Menschlichkeit nach Kräften zur Linderung dieser Not beizutragen. Wir ermächtigen deshalb unsere Sammelstellen, Spenden für die Pflege der im Kriege Verwundeten, für die Unterstützungi der durch den Krieg notleidenden Familien und für die Witwen und Weisen der Gefallenen entgegenzunehmen." Demzufolge hat die Landessammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Oesterreich, Wien, II., Zirkusgasse 33, ihre Vertrauensmänner angewiesen, die Sammlungen für obige Zwecke bei strikter Befolgung der behördlichen Anordnungen einzuleiten und die Erträge auf Postsparkassenkonto 100.208 zu überweisen. Die Eingänge werden dann jeweils sofort von der Landessammelstelle an die drei offiziellen Zentralstellen der Kriegsfürsorge abgeführt werden. Vermischtes. Gottesdienst. Heute, Freitag, um 7 Uhr abends, findet im Tempel der israelitischen Kultusgemeinde, 2. Bezirk, Tempelgasse Nr. 3, ein Gottesdienst für die Einberufenen und ihre Angehörigen statt, bei dem Rabbiner Dr. Max Grnnwakd die Predigt halten wird.

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