Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 33 (14.8.1914)
- Date
- 1914-08-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 572 Dr. Bloch's Wochknschrrft Nr. 33 Sprache hing er 'mit ganzer Seele, sie zu verbreiten, für sie einzutreten, war für ihn eine wahre Herzensfreude. Seine Liebe zu Büchern, besonders der sprachlichen Literatur, war geradezu bewundernswert. In ihnen suchte und fand er hinlängliche Entschädigung für manche Entbehrungen, die ihm da; Leben brachte. Prof. Ignaz Rosenberg konnte alles entbehren, nur kein Buch, Nach welchem er Verlangen trug. Von seinen persönlichen Verhältnissen sprach er fast nie, wie er sich überhaupt im kreise von Freunden zumeist schweigsam verhielt und zur Aeußerung seiner Ansicht erst aufgefordert werden mutzte. Was er sprach, war sachlich und klar und kam aus innerer lleberzeugung. Durch eine Reihe von Jahren wirkte Prof. Rosenberg als Direktor der Rothschild- und Lämelschule in Jerusalem und war ein genauer Kenner der dortigen Verhältnisse, deren Entwicklung er in den Berichten mit regem Interesse verfolgte. Seit etwa zwei Jahrzehnten entfaltete er als Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde Wien eine segensreiche Tätigkeit, die ihm im Herzen der von ihm unterwiesenen Jugend ein warmes Angedenken sichert. Ein arbeitsreiches Leben ist dahingegangen, welches verdient hätte, eingehender gewürdigt zu werden, als dies in den vorstehenden Sätzen geschehen ist. Möge diese Ausgabe ruhigeren Zeiten Vorbehalten bleiben. L. W i e s n e r. Wien. (Leichenbegängnis.) Am Donnerstag, den 30. Juli l. I., wurde der sprachkundige und gelehrte Rcligionslehrcr der isr. Kultusgemeindc Ignaz R ose nb e r g zu Grabe getragen. Bei der Leichenseier erschienen Herr Schulinspektor Julius Braun, Herr Amtsleiter W. Freistadt und alle in Wien weilenden Religionslehrer. Eiiren tiefempfundenen Nachruf hielt Herr Rabbiner Dr. M. Grunwald. Im Namen der.Lehrer sprach Herr Löw-Vogel. Wien. Die k. k. priv. Afsicurazioni Generali in Triest hat den beiden Gesellschaften vom Roten Kreuze der Monarchie je 25.000 Kronen, zusammen 50.000 Kronen, als Spende zugeführt. Austritte aus dem Judentum. Vom 2. bis 8. August 1914. Drucker Isaak, Tischl rgehilfe, geb. 24. Dezember 1881 in Bukarest, Rumänien, III., Chöllnergasse 19. Eisenberg Fanni, Private, geb. 12. März 1886 in Radautz Bukowina, III., Ob. Weißgärberstraße 10. Eisinger David, Hilfsmonteur, geb. 12. März- 1888 in Koslel, XV. , Oesterleingasse 4. Engel Karoline, geb. 24. Juli 1883 in Wien, XVJII., Scbopenhauerstraße 82. Fachs Hermann, Lokomotivführer, geb. 14. Februar 1889, Wien, XIV., Neubergenstraße 3b. GotLieb Flora geb. Presser, Kanzleigebilfin, geb. 18. Nov. 1879 in Leipnik, Mähren, IX., Rögerstraße 18. Gross Paul, geb. 18. August 1885 in Gyöngyös, Ungarn, VI., Mariahilferstraße 5. Hammerschiag Alfred, Kommis, geb. 16. August 1886 in Wien, XVI. , Fröbeigasse 45. Karmel Max, k. k. Postoffizial, geb. 6. Juli 1871, Wien, II., Dar-, wingasse 33. Müller Lotbar Ernst, Dr., Rechtspraktikant, geb. 25. Okt. 1890 in Brünn, I., Schwarzenbergstraße 8. Mittler Adolf, Redakteur, geb. 9. Nov. 1835 in Wien, VIII., Florianigasse 54. Rokotnitz Ernst, Reisender, geb. 7. September 1874 in Wien, IX.. D'Orsaygasse 9. Rektor Rosa, Private, geb. 6. Jänner 1891 in Wien, III., Erdbergstraße 172. Salter Karoline, Hilfsarbeiterin, geb. 26. Mai 1893 in Wien, XIV., Stättermayergasse 31. Spitzer Emma geb. Locher, Private, geb. 3. September 1866 in Wie.i, II., Obermüllnerstraße 6. Spitzer Alfred, Hilfsarbeiter, geb. 14. August 1881 zu Brenna Schlesien, XLI., Linzerstraße 67. Die Kencsijoh gebaut oh der Agudas Jisroel. Infolge der Kriegsereignisfe kann die Hauptversammlung der Agudas Jisroel zur festgesetzten Zeit nicht stattfinden. Tempeleinweihung. Mödling findet Sonntag, den 16. August 1914, .4 Uhr nachmittags, die Einweihung des neuen Tempels statt. Trebitsch. Am 9. August l. I. wurde von der israelitischen Kultusgemeinde in Trebitsch in der hierortigen Synagoge anläßlich der drohenden Kriegsgefahren ein Bittgottesdienst veranstaltet, welcher in Abwesenheit Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners vom Oberkantor Herrn Moritz Fuchs unter gefl. Mitwirkung des hiesigen Deutschen Männergesangvereines und seines Damenchores in einer sehr feierlichen Weise abgehalten wurde. Anwesend waren: der Vertreter der t. k. Bezirkshauptmaunschaft, die hier weilenden k. u. k. Militürpersonen, Vertreter der Ortsgemeinds sowie der gesamte Kultusausschuß und sehr viele andere Andächtige, die unser Gotteshaus kaum fassen konnte. Berlin. (Ein neuer Direktor.) Die Direktion der Lessing-Hochschule ist Dr. Ludwig Lew in übertragen worden. Der Lehrkörper wird sich zum Teil neu zu,-- sammensetzen und die Vorlesungen werden nach erfolgter Neuordnung wieder über ganz Berlin verteilt werden. Feuilleton. .Mendel mit dem Gemme." Von Hermann L ö w i n g e r. Der Held unserer Schilderung erblickte das Licht der Welt im alten Ghetto der noch älteren Krönungsstadt P. Selten gibt es eine Stadt in Ungarn, wo es so viele mit dem Spitznamen „Meschugene'") behaftete Menschen gibt, wie in der alten Judenstadt P. Diese „Meschugene" sind in der Regel teils wirklich blöde, größtenteils aber nur ein wenig geistig beschränkte Individuen, welche durch das eifrige Bemühen eifriger Müßiggänger im Vereine mit der lieben Stratzenjugend zu „Verrückten" verarbeitet werden. Da werden diejenigen, welche nur ein wenig die Anlagen dazu haben, tüchtig in ibie Arbeit genommen; es werden die Spitznamen erdichtet, Hetzjagden arrangiert die boshaftesten Streiche den armen bedauernswerten Menschen gespielt, welche ganz dazu geeignet, diesen bemitleidenswerten Opfern der Spottsucht, das ihnen ohnehin» von der Vorsehung kümmerlich zugeteilte Fünkchen Vernunft vollständig auszublasen. Ein solch' Opfer der Spottsucht oder besser gesagt der Böswilligkeit der Menschen war unser Mendel, oder wie ihn der Volksmund nannte: „Mendel kmi der Gewure". Wie er zu diesem Attribute der Kraft kam, wozu seine so ziemlich schwächliche Konstitution keineswegs Veranlassung gab, soll in folgendem erzählt werden. Vor etwa fünfzig Jahren als armer Leute Kind geboren, ein wenig beschränkten Geistes, genotz er keine besonders sorgfältige Erziehung. Die seit mehreren Dezennien bestehende sünfklassige israelitische Gcmeindehauptschule existierte damals noch nicht in P., und nur den reicheren Mitgliedern der Gemeinde war es gegönnt, durch Halten von Hauslehrern das Fundament für profane Bildung bei ihren Kindern zu legen, was den in Armut lebenden Eltern Mendels natürlich unmöglich war. Der geehrte Leser kann sich also leicht denken, datz ihm weder ein Maitre für die französische Sprache, noch ein Musiklehrer gehalten wurde. Sein Hauptstudium, auf welches sein Vater besondere Sorgfalt verwendete, und unseren Mendel selbst darin unterrichtete, war das „Dawenen"-) und „Chumesch"'), und sollte dies auch in späteren Jahren seine liebste Beschäftigung bleiben. Als er dem „Cheder"H entwachsen, war er von kleiner Statur und ein nicht besonders kräftiger, aber doch ein gesunder Junge von 16 Jahren. Zum Geschäfte hatte er keine Lust und besaß auch nicht die nötigen Vorkenntnisse hiezu, da er, wie oben erwähnt, mit dem Deutschlesen- und Schreiben auf feindlichem Fuße stand. Ein „Baal Melocho"') wollte er auch nicht werden, so wählte er denn den gewichtigen Beruf eines „Lastträgers". Wir wissen nicht, war es der Drang nach ungebundener Freiheit, der freien Bewegung in frischer Luft oder imponierten ihm die Hünengestalten der damaligen „jüdischen 0 Verrückte. 2) Beten. 3) Bibel. 4) Kinderschule. •r>) Handwerker.