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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-14 · 33 (14.8.1914) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
33 (14.8.1914)
Date
1914-08-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seür 570 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 33 tung und der verheerenden Ausweisung verfallen. Demi in Kiew gibt es nicht weniger als sechstausend alteingesessene jüdische Handwerkerfamilien, die also plötzlich ins größte Unglück gestürzt werden. Und womit begründen die Behörden die horrende Grausamkeit? Sic haben dazu folgenden Weg gefunden: Sic haben vor einigen Jahren in dem jüdischen Ansiedlungsrayon sämtliche Handwerkerinnungen mit Ausnahme derer von Odessa, Berditfchew, Kischenew und Kertsch geschlossen und von den Juden, die als Handwerker in Kiew wohnen, die alljährliche Bei- . bringung eines Zeugnisses einer Innung verlangt, durch die der Befähigungsnachweis erbracht wäre. Obwohl die alljährliche Zustellung des Zeugnisses für die davon betroffenen Inden eine unerhörte geld- und zeitraubende Schikane war, so fügten sie sich doch notgedrungen in ihr Schicksal, bis die Verwaltung auf folgende geistreich? Idee kam: Sie verlangt jetzt von jedem, der ein solches Zeugnis beibringt, den Nachweis, daß er nicht nur von einem der genannten Jnnungsämter geprüft worden sei, sondern auch seinerzeit, sei es vor zwanzig oder dreißig oder noch mehr Jahren, am betreffenden Orte seine Lernzeit durchgemacht habe. So absurd auch diese Forderung ist, daß plötzlich sämtliche jüdischen Handwerker Rußlands, wenn sie vom allgemeinen Wohnprivileg Gebrauch machen wollen, den Nachweis erbringen sollen, das; sie ihre Lehrlingszeit an einem d:r genannten vier Orte zugebracht hätten, so sehr dies auch natürlich dem auf die Handwerker sich beziehenden Gesetz widerspricht, so ist doch die Gefahr vorhanden, daß die Kiewer Verwaltung die widersinnige Katastrophe heraufbeschwören wird. Schon sind zahlreiche jüdische Handwerkerfamilien auf Grund der erwähnten Verfügung der Ausweisung verfallen, und die anderen erwarten von Tag zu Lag das gleiche Schicksal. So werden im großen und ganzen vielleicht etwa vierzigtausend jüdische Seelen Kiew verlassen müssen, wenn nicht in der allernächsten Zeit die allgemeine Empörung der gesamten Kulturwelt gegen derartige Barbareien zu einem einheitlichen Akte des Unwillens sich verdichten sollte. Die geplante Katastrophe bedeutet die völlige Vernichtung der Kiewer jüdischen Gemeinde, bedeutet eine Heraufbeschwörung von Elend, wie sie selbst in Rußland nur von Zeit zu Zeit sich wiederholt. Sollte die Menschlichkeit nicht noch im letzten Momente siegen, so wird Kiew damit einen der schrecklichsten Pogrome erleben. Diese Ausweisungen werden aber nicht nur das Leben der Kiewer Juden, sondern auch die gesamte Wirtschaft des russischen Südwestens aufs äußerste schädigen. Mus -er AusrottungSpraris. Petersburg, 12. Juni.*) In der letzten Dumasitzung gab der Kadettenführer Roditschow eine anmutige Blumenlese aus der Ausrottungspraxis der letzten Tage zum besten, die die Lage drastisch illustriert und zeigt, wie die russische Regierung init jedem Schlage, den sie den Juden zu versetzen glaubt, zu allernächst sich selbst aufs empfindlichste trifft. In der chinesischen Mandschurei entdeckte ein Jude namens Kabilkin in den „chinesischen Bohnen" einen ungemein nutzbringenden Exportartikel, der von gewaltiger Bedeutung sowohl für den russischen Handel wie für dierussische Volksernährung wäre. Es gelang .Herrn Kabulkin, Finanzkreise für die Sache zu interessieren und mit einem Kapital von 700.009 Rubel eine Fabrik in Wladiwostok zu gründen, die den ganzen Bohnenhandcl nach Rußland hätte leiten können. Herrn K. wurde aber von Petersburg aus die Konzession zu dem Unter¬ *) Diese Mitteilung vom 12. Juni geben wir, weil sie auch heute noch nicht verspätet ist. nehmen verweigert, so daß der gesamte Vertrieb dieses Artikels in die Hand der Japaner überging, die ohnedies die gefährlichsten wirtschaftlichen Konkurrenten Rußlands sind. An der wirtschaftlichen Ausstellung in Wladiwostok beteiligte sich ein Jude namens Döbisow mit einer großeil Geldspende, daß die Ausstellung erst dadurch ermöglicht wurde. Zum Danke dafür wählte ihn die allsstellende Gesellschaft zu ihrem Ehrenmitgliede. Als aber dieses Ehrenmitglied sich auf den Weg machte, mit die Ausstellung zu besuchen, wurde er an der mandschurischen Grenze festgehalten und wieder heimgeschickt. Er wird sich an russischen Ausstellungen nicht mehr beteiligen. In Westsibirien leitete ein jüdischer Ingenieur die Arbeiten der ostasiatischen Eisenbahn. Dieser Herr, der Rilßland die Verbindung mit Ostasien verschaffte, Konnte in Omsk kein Hotel beziehen und mußte auf dem Schiffe übernachten, um nicht in die Hände der Polizei zu geraten. Roditschow geht dann auf die Nationalifiernng des Kapitals und auf das judenreille Aktiemvesen über. Die schlimmsten Feinde Rußlands, so schloß der Kadettensührer, hätten Rußland in den Augen der Welt nicht so herabwürdigen können, lvie es der Finanzminister selbst durch diese aller Kultur und aller Vernunft hohnsprechenden Verordnung getan hat. Der Redakteur der Zeitung „Dien", Skworzqw, wurde dieser Tage wegen eines Artikels unter dem Titel: „Die Quellen der Rituallüge in historischem Lichte" zu einem Jahre Kerker verurteilt. In dem Artikel zitierte der Autor ausschließlich verläßliche Quellen, ohne sich selbst in eine schärfere Polemik einzulafsen. Eine Konstatiernng der Wahrheit genügte, um den pflichtbeivnßleu Publizisten auf ein Jahr in den Kerker zu bringen. Vermischtes. Krauzablöfnngsspenden zugunsten der Chewra Kadischa in Wie« I, Sciteustettengafse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Dr. Ignaz Lacke nbach er: Dr. Friedrich Schönhos Kr. 20.—, Dr. Eugen Schönhos 10.—, Adele Erieger 8.—, Julius Klempner 5.—, Alexander Koppel, Graz, 10.—. Zusammen Kr. 53.—. Anläßlich des Ablebens des sei. Rudolf Vogl: Dr. I. Hartmann Kr. 10.—, Gustav Heller 5.—, Philipp Vogl 10.—, Ludwig Vogl 10.—. Zusammen Kr. 35.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Moritz E r o ß m a n n: Adolf Traub Kr. 5.—. Anläßlich des Ahlebens der sel. Herinine Weiser: Franz und Julie Schwarz Kr. 20.—, Julius Weiser, IX., 20.—. Zusammen Kr. 40.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Hermann Fuchs: Familie Czuczka Kr. 20.—, Familie M. Schütz 10.—, Familie Leopold Winter 10.—, Familie Wilhelm Winter 10.—, Familie Alfred Winter 10.—, Familie August Vrauner 10.—. Zusammen Kr. 70.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Josesine Hauser: Familie Sigm. Oppenheim Kr. 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Lina P o l l a k: Liesl, Käthe, Steffi Karpeles Kr. 20.—, Jacques und Janka Karpeles 30.—, Paul und Lili Karpeles 20.—, Mar und Magda Winterberg 20.—, Carl Popper 3.—. Zusammen Kr. 93.—. Zum Andenken an Julius und Betti Frankel von Else Ehrlich-Fränkel Kr. 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Karl P i r a u e r: Jacob Braun Kr. 5.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Josef Falter: Jgn. Wottitz und Frau Kr. 10.—, David Goldschmid und Frau 10.—, N. N. 5.—, CH. Schapira 5.—, Carl Brod £.—, Adolf Ilnger 5.—, Zusammen Kr. 40.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Maria Therese S ch o r st e i n: Dr. A. S. Kr. 50.—, I. Z. 20.— Zusammen Kr, 70.—.

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