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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-08-07 · 32 (7.8.1914) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
32 (7.8.1914)
Date
1914-08-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 556 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 32 gegebenen „Handbuches der deutscher: Rechtswissenschaft". Bald darauf veröffentlichte er den „Grundriß des österreichischen Wechselrechtes" und das „Lehrbuch des Wechselrechtes". Was G r ü n h u t s Schriften vor allem auszeichnet, ist neben der juristischen Klarheit und der tiefen Sachkenntnis stets das erfolgreiche Bemühen, die Rechtswissenschaft mit dem Wirtschaftsleben in engsten Kontakt zu bringen. Im Jahre 1897 wurde Professor Dr. G r null u t, dem in: Jahre 1884 ^er Orden der Eisernen Krone 3 Klasse und 1893 der Titel eines Hofrates verliehen worden war, in das Herrenhaus berufen, wo er seither wiederholt Gelegenheit hatte, in Referaten über Gesetzentwürfe juristischen Inhaltes seine hervorragenden Fähigkeiten zu betätigen. Vor wenigen Jahren trat Hosrat Dr. Grünhut in den Ruhestand. Der Kaiser hat die Verdienste des Gelehrten noch durch die Verleihung des Kommandeurkreuzes des Leopold-Ordens und des Komtnrkrcuzes des Franz Josef-Ordens mit dem Stern anerkannt. Unterrichtsminister Dr. Ritter v. H u s s a r e k hat an den Jubilar nachstehendes Glückvunschschreiben gerichtet: „Euer Hochwohlgeboren! Zur Feier der Vollendung Ihres 70. Lebensjahres bitte ich Euer .Hochwohlgeboren, meine wärmsten und herzlichsten Glückwünsche entgegenzunehmen. Diesen festlichen Tag, der Ihren dankbaren Schülern und den Sie hochschätzenden Kollegen willkommene Gelegenheit bietet, Euer Hochwohlgeboren ein Zeichen ihrer Anhänglichkeit und Verehrung darzubringen, kann auch die Unterrichtsverwaltung nicht vorübergehen lassen, ohne mit besonderer Genugtuung der glänzenden Leistungen und hohen Verdienste Eurer Hochwohlgeboren aus dem Gebiete der Wissenschaft und des Lehramtes zu gedenken, welche Eurer Hochwohlgeboern eine hervorragende Stellung unter den Rechtsgelehrten der Jetztzeit verschafft haben. Möge Eurer Hochwohlgeboren noch durch viele Jahre eine werktätige Anteilnahme am wissenschaftlichen Leben zum Ruhme der österreichischen Ee- Ichrtenwelt beschieden sein." 3 Austritte aus dem Judentum. Vom 26. Juli bis 1. August 1914. Fast Josef, absolv. Techniker, geb. 7. August 1884 in Przemys Galizien. I., Laurenzerberg 3 Kaplan Lippmann-Heier, Student, geb. 13. August 1893, Riga, Rußland, VIL, Seidengasse 32 Haas Hilred, Private, geb. 11. November 1886 in Chicago, VI., Theobaldgasse 15 Morgenstern Milan, geb. 13. November 1895 in Graz, III., Lustgasse 3 Pollak Helene, Private, geb. 11. März 1886 in Wien, IT., Haasgasse 10 Steinbaner Isidor, Privatangestellter, geb. in Bukowitz, Schlesien, XVIII., Eduardgasse 5 Szuran Friedrich, Handlungsgehilfe, geb. 7. Jänner 1888, Wien, III., Weißgärberlände 12 Baden. (Bittgottesdienst) Am Samstag den 1. ds. Y^IO Uhr vormittags fand aus Anlaß der Einrückung der mobilisierten Rekruten zum Kriegsschauplatz ein Bittgottesdienst mit Predigt statt. Die Synagoge war oollgefüllt und unter den Andächtigen bereits viele in der militärischen Uniform. In der Predigt wies Se. Ehrwürden der Herr Oberrabbiner Reich in trejbewcgten Worten auf die große Zeit der Opfer hin, der wir entgegengehen. Er begründete an historischen Beispielen aus der Vergangenheit die feste Zuversicht auf den Sieg unserer Waffen und führte aus der Geschichte die heroischen Erempel des heldenhaft bewährten Patriotismus der Juden an, die sich gewiß auch in diesem mit Begeisterung aufgenommenen Kampfe wiederholen werden. Schließlich wies er auf die patriotischen Pflichten der in der Heimat Zurückbleibenden hin, den Beistand und die Hilfe zu organisieren und machte in der Predigt kund und zu wissen, daß täglich im Eotteshause morgens und abends Gebete für den Sieg und den baldigen Frieden verrichtet werden. — Die Predigt löste einen Sturm der Begeisterung bei den Zuhörern aus, und als dann das hiefür angepatzte Bittgebet und der Segen für die abftehende.i Lrieger von Sr. Ehrwürden verrichtet wurde, bemächtigte sich des gespannt aufhorchenden Auditoriums eine Rührung und eine Andacht, die sich in lautem Schluchzen kundgab, um in einem gemeinschaftlichen vielstimmigen Amen! Amen! auszuklingen. L. Hrufchau. (Bethauseinweihung.) Unter überaus zahlreicher Beteiligung von Gemeinden und Vereinen, Rabbinern und Großindustriellen, Vertretern der Lehrerschaft und der k. k. Regierung fand der Festzug vom alten Bethaussaale unter Vorantritt der Schuljugend, der Veteranenvereine und der freiwilligen Feuerwehr zum neuen, herrlichen Bethause statt, wo der Obmann des Bethausvereines, Herr Victor S ch a n z e r, die zahlreichen Anwesenden begrüßte. Hieraus sprach der ehrw. Rabbiner von Mähr.- Ostrau Herr Dr. I. S p i r a in geistvoller Weise eine zum Herzen gehende ausgezeichnete Festrede, die einen mächtigen Eindruck hervorrief. Herr Kultusvorsteher Dr. Hilf händigte nach einer wirkungsvollen Ansprache den Schlüssel des Bethauses dem Herrn Regierungsvertreter ein, der dasselbe dann eröffnete und danach für die patriotische Gesinnung und die Liebe zum Kaiserhause, die der Rabbiner bekundete, dankte. Herr Oberkantor Bing und Kantor Kläger t rügen die rituellen Weihegebete vorzüglich vor. Kaisergebet und Volkshymne beschlossen diese erhebende Feier. Wadowice. (Todesfall.) Hier starb die Frau des geachteten Advokaten Dr. Jzidor Daniel, Frau Laura Daniel, geborene O r a n z. Die überaus große Teilnahme an dem Leichenbegängnisse der Verblicherren ist ein Beweis für die große Wertschätzung, deren sich die Heimgegangene als auch die durch den Tod betroffene Familie erfreut. Feuilleton. Dem Andenken Julius Uodenkergs. Das Goethewort „Alt werden, heißt viele sterben sehen," er hat es hundertfach erfahren, der feinsinnige und gemütvolle Lyriker, der bedeutende Schriftsteller, der liebenswürdige, warmherzige Mensch, dessen ausgezeichnete Charaktereigenschaften ihm die Verehrung seiner besten Zeitgenossen, Männer und Frauen gleichermaßen, eintrugen und dessen Heimgang, obgleich er ein selten hohes Alter erreicht hat, die deutsche Nation, die deutsche Judenheit tief betrauert. Julius Rodenberg ist nach soeben vollendetem 83. Lebensjahre am 11. Juli von dieser Erde geschieden. Er gehörte zu jenen Bevorzugten, die Sorge und Leid nicht kennen gelernt haben, wenngleich ihm, wie jedem denkenden und strebenden Menschen, Enttäuschungen wohl auch nicht erspart geblieben sind. Der Frühling sah ihn noch mit seiner Gattin in Lugano und bis vor wenigen Wochen durfte er sich noch einer fast jugendlichen Körper- und Geistesfrische, unentwegt rastloser Arbeitskraft erfreuen. i < Weisheit und Gute, Pietät und Treue, Bescheidenheit, Dankbarkeit und Vornehmheit waren die Grundzüge seines Wesens, gepaart mit bewundernswertem Fleiß. Der Greis kannte keine Altersmüde, nur Altersweisheit,' die Erfahrung und Abgeklärtheit des Alters breitete einen verklärenden Schimmer auf seine Altersarbeiten, und wenn Julius Rodenberg auch nicht Ewigkeitswerte geschaffen hat, seine Werke werden dauernden Wert behalten. Julius Levy erblickte in dem kurhessischen Städtchen Rodenberg als Sohn einer wohlhabenden Familie am 26. Juni 1631 das Licht der Welt und genoß eine äußerst sorgfältige Erziehung. In eigenartig rührender, anmuts- und pietätsvoller Weise hat er am Abend seines reichgesegneten Lebens in dem „Buch der Kindheit"*) seine Eltern, sein Vaterhaus, sein Heimatstädtchen, dessen Bewohner, seine sonnige, fröhliche Kindheit geschildert. Wir vermeinen die Gestalten seiner Eltern, seiner ehrwürdigen Großeltern, der Hauslehrer, der Freunde und Nachbarn, der Familie, der Jugendgenossen, insbesondere seiner Eeschwisterschar lebenswahr und lebenswarm vor unser geistiges Auge treten. Die lebenstüchtige, feinsinnige Mutter, die Seele des Hauses, von der er die Liebe zur Poesie, Musik und Natur geerbt, erscheint uns gar holdselig in ihrem weißen Gewände die Sabbat- und Festtaglichte weihend. Goethes Wort: „Der ist der Glücklichste, er sei ein König oder ein Geringerer, dem in seinem Hause Wohl bereitet ist," erfüllte sich an Julius Rodenbergs Vater, wie später an ihm selbst, und wie Goethe dankte auch er seinem Vater „des Lebens ernstes Führen" und die Vorliebe für Geschichte und Geographie. Die tiefe Religiosität des Großvaters fand Ausdruck durch Errichtung des Betstübchens — das kleine Landstädtchen besaß noch keine Synagoge — und später durch Erfüllung des Gelübdes, so ihm ein Sohn geschenkt werden sollte, eine würdige Stätte zur Ausübung ihrer Eottesverehrung seinen Glaubensgenossen zu schaffen. Wir fühlen die welken, milden Hände der Großmutter, die jahraus jahrein die flinken Füßchen der Enkel mit Strümpfen in rastlosem Fleiße versorgt, segnend aus dem Haupte ihres Lieblings Julius ruhen und hören ihre blassen Lippen, .murmeln: „Gott lasse dich werden wie Ephraim und Manasse." Der Großvater aus Hannover, der nach wechselvollem Leben im Alter über seinen frommen Büchern „lernte" und seine Frau, die durch den geschäftlichen Verkehr mit vornehmen Damen sich etwas vom *) Berlin, 1907. Gebrüder Paetel.

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