Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 29 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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fca Dr. Bloch’s J*WI“ Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Zudentums. A. Ir. PoNsparkLssrnmnt Llearlng-Verkebr «r. 810.976, Redaktion und Administration. wir« U/1, Praterstraße 9 •) Telefon 45359 QO - —Qo Wien. 17. Juli 1914 Erscheint jeden ^rettsg. : Brief-Adresse: Wien, ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adreffe: B Loch'S Wochenschrift, Wien. Oo ■ - -üO 'p Brprgsprri» Mr Vrstrrrrirkl:? Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Nrrstrnd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig A> Kronen. Anzeigen: Die malgespal. 2 tene Petttzetle 48 Heller. C O O rO O Inhalt: Leitartikel: Pogrommethoden in der Politik. — Dom Jahrmarkt deS Lebens: Die katastrophale Lage der Juden Galiziens. Juden als Handarbeiter. Der kürzlich verstorbene Herzog Georg II. von Meiningen. Graf Emil v. Wedel. Der letzte jüdische Richter aus Rußland. Eine griechische Inschrift aus dem ersten Jahrhundert. Der Freispruch des Redakteurs deS „Palästin". Paßschwierigkeiten in Palästina. Ein-jüdischer Bürgermeister in Montreal. Ernennungen in Frankreich. E nesto Nathan, der Kommissar Italiens an der Weltausstellung von San Francisco und der katholische Boykott dieser Ausstellung. — Korrespondenzen: Erzherzog Franz Ferdinand bei den Juden in Jerusalem. Trauerkundgebungen. Einundsiebzigster Bericht des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter dm inländischen Israeliten. Hilfsverein jüdischer Handwerker in Mähr.-Ostrau. Internationales Pro- Falascha-Komitee. Generalversammlung der Jewish Colonization Association. Die Tagesordnung des »Aguda-JiSroel"-Kongreffes. Breslau. Der Jahresbericht der Alliance Jsraelite Universelle. Eine Lebensfrage für 12.000 Juden. Die Jaden in Turkestan. Ein Z ichen der Zeit. Bankerott boykottierter Genossenschaften. Kirchliche Ueberwachung getaufter Juden. — Vermischtes. — Feuilleton: Das versprochene Bet-Ha-Midrasch. — Literatur — Briefkasten. — Inserate. Mogrommelhoden 'in der Politik. Der russische Gesandte in Belgrad, Herr von Hartwig, wurde nach seinem plötzlichen Tode unter großen Ehren bestattet und wird in seinem Vaterlande als ein großer Mann gefeiert. Diese Würdigung in Rußland hat sich der mit Recht gefürchtete Balkandiplomat während seines Lebens verdient, denn er war ein mehr als treuer Diener seines Herrn, des Zaren. Es ist ganz merkwürdig, welche Haltung jetzt die österreichische Diplomatie gegenüber ihrem größten Gegner einnimmt. Vielleicht will man den Nachfolger des Gesandten nicht aneifern, in seine Fußtapfen zu treten, vielleicht, will man die seit Sarajevo versöhnlichere Haltung des offiziellen Rußland unterstützen. Man sagt jetzt, daß der Gesandte der Anwalt des Ausgleichs zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien gewesen sei. Kein vernünftiger Mensch wird an diese gefärbten Nekrologe glauben. Hartwig war ein würdiger Nachfolger Tscharykows, dessen Rolle beim Belgrader Königsmord nachträglich bekannt wurde. Auch Hartwig war , ein „echter Russe", ein echtrussischer Diplomat, das heißt ein Kulturfeind. Man beachte nur, welche Rolle die zarischen Gesandten in der neueren Weltgeschichte spielen. Am besten mißt man das an jenen Vorgängen ab, bei welchen sie die Hand nicht im Spiele hatten. Als vor vier Jahren der Marokkokonflikt so schwierige Situationen schuf, daß man Deutschlands Krieg mit Frankreich für unvermeidlich hielt und die englischen Kriegsschiffe bereits unter Dampf lagen, da konnte alles noch in Frieden ausgeglichen werden. Das heißt, daß die Vertreter von Kulturstaaten in der größten Gefahr noch den Frieden zu erhalten wissest, während die Vertreter Rußlands im Frieden die größte Gefahr heraufbeschwören. Sie sind es, die auf dem Balkan fortwälftend die Unruhe schaffen, durch welche Europa nicht zurAsthe kommt, und sie scheuen dabei vor Mitteln nicht welche zeigen, daß Rußland zur größeren Hälfte in Asien liegt. Während der Nacht des Köniasmordes war die Villa des russischen Gesandten in Belgrah HM erleuchtet und'-belebt, wahrend der Nachtz in welcher' der damalige Kronprinz Georg seine wahnwitzigen Kriegsreden gegen Oesterreich-Ungarn aus einem Fenster des Konaks hielt, war gegenüber beim Russen lebhafte Bewegung, und als kürzlich mittags die Nachricht vom Tode unseres Thronfolgers nach Belgrad kam, gab es bei Hartwig abends Einladungen zum Tee. Man kann in der äußeren Politik eben nicht Methoden mißbilligen, welche in der inneren Politik des Heimatlandes gang und gäbe sind. Als der russische Kaiser zum Besuch nach Konstanza kam, begrüßte ihn der „Adeverul" als den Zaren aller Henker und folgte damit nur dem früheren Beispiele französischer und englischer Blätter. Der russische Absolutismus tobt mit Knute, Galgen und mörderischen Gefängnissen gegen die Menschenrechte und das Menschenleben und betätigt diese Traditionen trotz des zwanzigsten Jahrhunderts. Die russischen Juden sind wohl ein schreckliches Beispiel dafür, wie echt russische Leute die Politik ausfassen. Wenn die jüdischen Sklaven auch nur sich zu rühren wagen, werden Knüttelbataillone gegen sie mobilisiert und ein Blutbad angerichtet. Vor Europa wird dann die Lüge aufgestellt, daß die Juden Revolution machen. Was war jedoch zuerst da, die Pogroms oder die Verzweiflungstaten der jüdischen Studenten und Arbeiter? In Rußland werden die Juden zur Revolution gezwungen, die Waffe wird ihnen in die Hand gepreßt. Daß sie nicht freiwillig zu Gewalttaten schreiten, zeigt wohl das Bild der übrigen Welt, wo überall Erregungen und Erhebungen stattsinden, aber überall ohne die loyalen Juden, die froh sind, wenn man ihnen nur ein erträgliches Dasein läßt. Am deutlichsten ist das wohl bei dem schrecklichen Meuchelmord von Sarajevo hervorgetreten. Die elenden Verschwörer haben daraus geachtet, daß s.ä m t l i ch e Konfessionen pes Landes bei der Greueltat vertreten wären. So sind denn auch unter den Tätern und Rädelsführern die K a t ho l i k e n, O r t h o d o x e n und Muselmann en vertreten, aber kein Jude, obwohl diese in Bukowina und Serbien starke und anerkannte Religionsgemeinschaften bilden. Die Verschwörer wußten eben, daß sich ein Jude niemals zu einem Morde als Mitwisser oder Helfer herbeilassen würde und haben es wohlweislich unterlassen,