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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-10 · 28 (10.7.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
28 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I«hrg«ms xxjci «r. 28 Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wien. 10. Juli 1914 : Lrscdetnt jeden Freitag.: Brief-Adreffe: Wie«, U/i. Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Blocht Wochenschrift, Wie«. Otj- ■ - - o Q p Br;ugsprri» für Vefierrrirst: *1 Halbjährig 8 Kronen: EinzelexernPlare SO Heller. Für'» Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 26 Kronen. Anzeigen: Di« malgespal» 2 tene Pelitzetle 48 Heller. C O O - ■ - -0 Q * L. k Postsparkaffenamk C' Lleartng-Verkebr «r. 810.976. Redaktion und Administration: 0 Vien H/1, Praterstraße 9 1) Telefon 45359 <1 QP .- ---OO Inhalt: Leitartikel: Eczhrrzog-Thronfolger Carl Franz Josef. — Vom Jahrmarkt des LebenS: Persönliches von Erzherzog Franz Ferdinand. Erniedrigung des Polentums. Die alten Privilegien der Salonikier Judengemeinde. Dina Demalkuta. Der Gouverneur von Mazedonien an die Juden. Dänemark und die russischen Juden. — Die Jugendlehrer der talmudischen Zeit. — Korrespondenzen: Trauerknndgebungen. Aus dem Bericht über die Tätigkeit der Baron Hirsch-Stiftung. Der neue Direktor des Budapester Rabbinerseminars. Neuerlicher Brand im Eisenstädter Ghetto. Ein jüdischer Richter am Verwaltungsgerichtshof. Pogromagitation in Rumänien. Ausschluß der Juden von der Nischni-Nowgoroder Messe. Die Pastower christlichen Knaben aufgefunden. Wiedererrichtung des Stolypinschen Erlasses. Germanen in Rußland. Ein Jahr Kerker für die Wahrheit. Ausweisung eines Ehrenbürgers. In den Tod getrieben. Bestattung der jüdischen Opfer der „Empreß of Irland". Juden als Kulturförderer. Auszeichnung jüdischer Mitglieder des Rockefeller-Jnstitutes. — Vermischtes. — Feuilleton: Jüdische Reformatoren des Taubstummen-Unterrichtes. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate Erzherzog-Thronfolger Carl Fra«; Josef. Von den traurigen Tagen weg, welche uns das schreckliche Unglück in Sarajevo gebracht haben, wendet sich der Blick der Zukunft zu, die der österreichischen Monarchie und ihrer Völker harrt. Der stärkste Faktor war und ist bei uns immer die Dynastie, welche die Vereinigung und Versöhnung so vieler einander widerstrebender und widersprechender Interessen und Meinungen bedeutet. Wir sind glücklich über den Einfluß, den unser geliebter Kaiser in den Ereignissen der Welt unp des Staates besitzt und ausübt, und wir wünschen vom Herzen, daß uns seine Kraft und Weisheit noch lange erhalten werde. Wir freuen uns aber auch über die Bürgschaft, welche uns in der Person des zukünftigen Thronerben, seinen geistigen und moralischen Eigenschaften gegeben ist. Erzherzog Earl Franz Josef hat von vornherein ein glücklicheres Schicksal als weiland sein Oheim, der die Stärke und Reinheit seines Willens, seine un^- besiegbare Männlichkeit und die glühende Begeisterung für seine Ausgabe erst beweisen mußte. Dem nunmehrigen Erzherzog Earl Franz Josef fliegen von vornherein alle Herzen und wärmsten Sympathien zu, ohne daß er jemals mit offenkundiger Absicht etwas für seine Volkstümlichkeit getan hätte. Noch vor seiner gewinnenden Liebesheirat hat man seine Art zu leben mit Interesse verfolgt und sein natürliches Auftreten, seine Gewissenhaftigkeit, seine warme Anteilnahme an allem Edlen und Schönen mit größter Genugtuung gesehen. Diese Eigenschaften haben sich noch verstärkt, seitdem er als Träger von Pflichten der Repräsentation und als Soldat stärker ins öffentliche Leben eingetreten ist. Er für seine Person reißt immer die Schranken der Etikette zwischen Hof und Bevölkerung nieder, er will seine Macht zum Besten der Bürger verwenden, um deren Leiden und Freuden sich kümmern, er erfaßt seine Pflichten mit der größten Strenge und sieht seine Würde vor allem darin, anderen ein gutes Beispiel zu geben. Sein Auftreten bei der Beisetzung seines Oheims hat allgemeines Aufsehen gemacht. Wiederholt durchbrach er das Zeremoniell mit seiner unbekümmerten Menschlichkeit und Güte. Jeder, der mit ihm in Berührung kam, ob Vertreter der Wissenschaft, der Kunst, der Industrie oder der Landwirtschaft, weiß ihn zu rühmen. Es ist ganz sicher, daß uns die Zeiten des verewigten Kronprinzen Rudolf bevorstehen, jene glücklichen Jahre, in welchen der Erbe des Thrones das Bindeglied zwischen Thron und Bürgern war und in allem Guten voranleuchtete. Auch wir Juden haben alle Ursache, den neuen Erben des Thrones mit ganz besonderen Sympathien zu begrüßen. Wie sein kaiserlicher Großoheim, weist er für seine Person alle die Vorurteile gegen die Juden zurück, mit welchen gewisse Politiker die letzten Jahrzehnte zu vergiften suchten. Es ist bekannt, daß unser Monarch beim Jubiläumsfestzug sehr ungehalten darüber war, daß man einen polnischen Juden im Kaftan als lustige Person bei einer Gruppe mitführte. Unser Kaiser weiß eben durch seine lange Erfahrung und Weisheit, daß die Erfindungen eines Geßmann und seiner Partei lauter Verleumdungen sind. Der gleichen Denkungsart ist nun auch der Erzherzog-Thronfolger, nicht etwa aus besonderen Gründen, sondern weil der Güte seines reinen Herzens eine solche Denkungsart ganz fremd geblieben ist. Wir Juden können es dem Schicksal danken, daß der Erzherzog Carl Franz Joses Gelegenheit hatte, unsere Massen gründlich kennen zu lernen. Als Reiteroffizier in Kolomea lebte er inmitten einer großen Judengemeinde, welche mit Fleiß und Mühe ihr kärgliches Brot sucht und trotz ihrer Not noch immer genug Kraft aufbringt für die Pflege und Schätzung des geistigen Lebens. Bei unzähligen Gelegenheiten ist der kaiserliche Prinz mit einfachen jüdischen Leuten in Verbindung getreten und immer wieder hat er gezeigt, daß ihm nur der Mensch etwas gilt, aber nicht seine Religion. Die galizischen Juden könnten denn auch ein ganzes Buch zusammenstellen mit Erzählungen, wie gütig sich der hohe Herr und seine Gemahlin gegen sie benahmen und wie sie sich die unauslöschliche Liebe und Dankbarkeit der jüdischen Bevölkerung erwarben. Auch in der Folgezeit hat das erzherzogliche Paar niemals einen Unterschied im Verkehr gemacht und viele Juden hatten

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