Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 27 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 472 Nc. 27 Dr. Bloch's Die Zarenreisc. Anläßlich der Reise des Zaren über Südrußland nach Rumänien wurden ihm auf den verschiedenen Stationen, in denen längerer Aufenthalt genommen wurde, Deputationen von Korporationen und Gemeinden vorgestellt. Die jüdischen Gemeinden befinden sich bei solcher Gelegenheit immer in prekärer Lage. Wie sie es machen, ist's nicht recht. Eine Nichtbeteiligung ihrerseits am Empfange würde als Mangel an Patriotismus ausgebeutet werden, machen sic aber Miene, auch mit ihrer Huldigung dem Monarchen entgegcnzukommen, so stoßen sie auf alle Möglichen Schwierigkeiten, die ihnen seitens der lokalen Verwaltung in den Weg gelegt werden. In Wilna mußten die Juden unter diesen Umständen aus die Beteiligung am Empfang verzichten. In Kischenew, wo sich der Hof längere Zeit aushielt und der Einweihung des Denkmals für Alexander II. beiwohnte, war, wie ein Privatbries aus Kischenew an Herrn Z. K o r n e r, 2. Bezirk, Praterstraße 34, mitteilt, eine jüdische Deputation, bestehend aus Herrn Rabbiner Zirlso h n, Joses F. R u s s i c und Schmclke Landau zum Empfange zügelassen. Einige Deputationen überreichten dem Kaiserpaar Brot und Salz, stumm, ohne ein Wort zu sagen. Der Adel versuchte eine Ansprache, aber blieb stecken und der Kaiser gab keine Antwort. Rabbiner Zirlsohn trug eine kleine Sefer Thora und richtete an den Zaren eine kurze, schöne und passende Ansprache, worauf der Zar dem Rabbiner-gedankt und ihn beauftragt hat, den jüdischen Bewohnern von Kischenew seinen kaiserlichen Dank >zu übermitteln und sie seines Wohlwollens zu versichern. ' Die jüdische Deputation vor Kaiser Nikolaus II. Anläßlich des jüngsten Besuches Kaiser Nikolaus II. in Odessa wurde nach langen Unterhandlungen auch eine Deputation der Odessaer Judcnfchaft zur Begrüßung des Kaisers zugclassen. Wie den Berichten der russischen Blätter zu entuehnten ist, boten die drei Rabbiner, aus denen die Deputation bestand — andere Mitglieder der Gemeinde wurden nicht zugelassen —, einen recht romantischen Artblick. Die drei Rabbiner trugen eigens für diese Gelegenheit angefertigtc Seidenornate mit seidenem Gurt und ebensolche w«ß.e seidene Hüte. Rabbiner Bolinkofski überbrachte eine herrlich ausgesührte Sefer Thora in einem künstlerisch ansgesührten Kästchen ans rotem Holz in Form eines Turmes. Rabbiner Dichno hielt an den Kaiser die folgende Ansprache: Die jüdische Bevölkerung von Odessa, klein und groß, ist erfüllt von glückseliger Freude, daß sie Eurer kaiserlichen Majestät die alleruntertänigsten Gefühle unbegrenzter Liebe ansdrücken darf und bittet alleruntertänigst, Eure Majestät geruhe anzunehmen die heilige Thora, dieses Snmbol unseres Glaubens, als heilige Garantie unerschöpflicher' Ergebenheit für unseren vergötterten Monarchen. Erfüllt von unendlicher Freude, beten wir heiß und innig zu dem allmächtigen Gott um die Gesundheit und das Wohlergehen Eurer Majestät. Möge der allmächtige Gott die Herrschaft Eurer Majestät noch lange, lange Jahre leuchten lassen. Als Antwort auf diese Begrüßung drückte Kaiser Nikolaus jedem der drei Rabbiner die Hand und ersuchte, der jüdischen Bevölkerung für die Loyalitätskundgcbung sowohl wie auch dafür seinen Dank zu übermitteln, daß ihm nun zum dritten Male von der Odessaer Bevölkerung wertvolle Thorarollen überreicht wurden. Zar Nikolaus ließ dann die Thora in den kunstvollen Schrein legen und gab den Auftrag, sie nach Petersburg mitzunehmen. Wochenschrift Vermischtes. Schwindler, die sich als russische Emigranten ausgeben. Vom Bureau der Israelitischen Allianz lvird uns folgendes mitgeteilt: Wie seit Jahren, haben sich mit Beginn des Sommers wieder zigeunernde jüdische Wanderbettler, zumeist professionelle Schnorrer, aus der Bukowina mit Wagen und Pferd auf die Reise von Ort zu Ort gemacht. Sie belästigen in Ungarn, Mähren und Schlesien zumeist die kleineren jüdischen Gemeinden, indem sie Vorspiegeln, vertriebene russische Juden zu sein und von der Israelitischen Allianz in Wien die Weiterbeförderung nach überseeischen Ländern in Aussicht zu haben. , Vom Kultnsvorstaude in Mährisch-Ostrau wird der Israelitischen Allianz mitgeteilt, daß eine solche Gruppe ein gefälschtes Zeugnis des Kultusvorstandcs und des Rabbinates in Lemberg vorgezeigt habe. Die Israelitische.Allianz hat bereits'in den verflossenen Jahren vor dieser Ausnützung der Leichtgläubigkeit der Kultusgemeinden auf dem Lande gewarnt (den größeren Orten, wo sich Vertrauensmänner der Allianz befinden, pflegen die Leute wohlweislich in weiten! Bogen auszuweichen). Für die wirklichen Opfer der russischen Verfolgung lvird durch die Israelitische Allianz zu Wien und ihre Filialen in Czernowitz, Brody, Lemberg und Krakau in ausreichendem Maße gesorgt, und Unterstützungen für das Hilfswerk sind in keinem Falle an durchreisende Personen, die sich als russische Emigranten bezeichnen, auszufolgen, sondern an die I s r a e l i t i s ch e A l l i a ll z zu Wien, 2. Bezirk, Untere Donaustraße 33, oder an die Filialen derselben in den genannten Orten 311 senden. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 5. Juli 1914 filldet in Baden, Gräbengasse, um tz/Z Uhr die Trauung des Fräuleili Erna S ch c i n, Tochter des Herrn Heinrich Schein, mit Herrn Philipp K unstadt, Sohn des Herrn Hermann K u n st a d t, statt. Allerhöchster Dankerlaß des Kaisers Franz Joseph an den Schriftsteller königlichen Rat Dr. Adolf Kohut in Berlin. Der k. u. k. österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin Graf von Szögyeny-Marich hat unter dem 24. Juni d. J. an den in Berlin lebenden Schriftsteller königlichen Rat Doktor Adolf Kohut die nachstehende Zuschrift gerichtet: »Seine k. u. k. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 1. Juni d. J. die von Euer Hochwohlgeboren verfaßte und behufs Unterbreitung an Allerhöchster Stelle in Vorlage gebrachte Publikation »König Maximilian II. von Bayern und der Philosoph F. W. I. von Schelling« der huldreichsten Annahme für die k. u, k. Familien-Fideikommiß-Bibliothek zu würdigen und anzubefehlen geruht, daß Euer Hoch wohlgeboren aus diesem Anlaß der Allerhöchste Dank bekannt gegeben werde. Auf Anlangen Seiner Exzellenz des Herrn Oberstkämmerers Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät beehre ich mich Euer Hochwohlgeboren von dieser Allergnädigsten Schlußfassung Kenntnis zu geben. Der k. u. k. Botschafter: Szögyeny. Kaiser Franz Joseph I. Huldigungstempel Wien, II., Paznianitengasse 6. "" """ ~~~ Bibelschulprüfung. ° Unter starker Beteiligung fand Sonntag, den 14. Juni, im großen Vortragssaale die Prüfung und Schlußfeier an der-Sprach- und Bibelschule, II., Pazmanitengasse 6, statt. Es waren erschienen die Herren Schulinspektoren Professor Moritz Kanitz und Julius