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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-07-03 · 27 (3.7.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
27 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Sr. 27 I«hrgrmgxxXl Dr. Bloch’s Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums O Vir. 310.97 ö. Redaktion und Ädmtntfrrakton. K. h. Pofispsrksffrnsrnt li/i. Praterftraße 9 Telefo» 45359 Wirn, 3. Juli 1914 Lrscvetnr jeden Frettng. i.— Brrei-Adresie: Wie«. II/1. Praterftraße 9 Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. 2 0 ----ü C? ’Btixia&pvxt* für Drsterrrirh: Halbjährig 8 Kronen: Linzelexenrplare 50 Heller. Für'» A»»l»nd: ll Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die nal gespal» rene 'ücttt \ette +v Heller. i OG £> Inhalt: Leitartike l: Am Grabe des Erzherzog-Thronfolgers. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Trauersitzung der isra litischen Kultusgemeinde Wien. Verächtliches Renegatentum. Domet Aziz ein nazireischer jüdischer Dramenschriftsteller. Ein jüdisches Mitglied des französischen Kriegsrates. Die „Judenkönige" der Provence. Die Tscheberjak unter Polizeiaufsicht. Juden auf den Metrorologenkongreß in Petersburg. Getaufte Juden und die jüdischen Friedhöfe. Ein jüdischer Oberstaatsanwalt. Der Talmud über die Brille. Ein jüdischer Held zu Zeiten Napoleons III. Juden im persischen Parlamente. Juden in der ostafrikanischen Oase Figuig. Rausseau und die Juden. Ein merkwürdiges Testament. Biblische Vögel. — Die Jugendlehrer der talmudischen Zeit. — Korrespondenzen: Reisezeit. MUDr. Wilhelm Wittenberg. Das Ende des famosen Pater Hrachovsky. Jüdische Wohlfahitsstiftungen in Lemberg. Das bayrische Königspaar in Regensburg. Internationales Pro-Falascha-Komitee. Das Camondo-Mufeum in Paris. Jahresversammlung der jüdisch-literarischen Gesellschaften von England. Die Zarenreise. Die jüdische Deputation vor Kaiser Nikolaus II. Ableben eines hervorragenden Philanthropen. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus dem Ghetto auf die Höhe der Wissenschaft. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Am Grade des Erzherzog-Thronfolgers. Heute findet die Beisetzung des Erzherzog-Thronfolgers und seiner Gemahlin, der Herzogin Sophie von Hohenberg statt, an deren Bahre auch wir Juden, gleich allen anderen Bewohnern der Monarchie, in tiefster Trauer stehen. Als loyale Staatsbürger beklagen wir vom Herzen jedes Unglück, von welchem ein Mitglied des kaiserliches Hauses betroffen wird. Wir bewundern den ungebrochenen Heldenmut, mit welchem der Erherzog-Thronfolger im Bewußtsein seiner hohen Mission und seiner Sendung, als zukünftiger Herrscher Bosniens sich dem drohenden Tod entgegengestellt hat. Mit schmerzlichem Weh tragen wir den Verlust eines Fürsten, der, mit seltenen Gaben des Geistes und Herzens ausgestattet, den Herkulespfad der Pflicht und Tugend bis zu einer leuchtenden Höhe hinaufgeschritten ist. An seiner L-eite fiel seine treue Gemahlin der Kugel eines elenden Mörders zum Opfer, weil sie den Gatten in Tod und Gefahr nicht verließ, mit dem sie sich einst in inniger Liebe verband. In Schönheit sind die beiden gestorben und an ihrer Gruft wächst neben den Blüten der Liebe auch der immergrüne Lorbeer des Ruhmes, gepflanzt zu ewigem ruhmvollen Gedenken für die Märtyrer des österreichischen Staatsgedankens, welche trotz aller Warnungen und bösen Vorzeichen sich aus hohen und bewundernswerten Gründen in die schreckliche Gefahr begaben. Von einer Gloriole umstrahlt wird das Bild weiland des Erzherzog-Thronfolgers stets in den Herzen und im Andenken aller Juden bleiben. Es hat eine Legendenbildung gegeben, welche einst diese Gloriole zu verdunkeln suchte und etwas von einer Abneigung des Thronfolgers gegen die Juden wissen wollte. Diese geschäftigen Erzähler hatten lange leichtes Spiel, weil der Erzherzog fein hervorragendes Talent lange nur -ftr der Stille heranbildete und der Oeffentlichkeit abgeneigt war. Stets bestrebt, die Rechte des Thrones auch nicht im mindesten zu verletzen, blieb er so lange gehorsam vollständig im' Hintergrund, bis der Kaiser seinen jüngeren Schultern wichtige Regierungsgeschäfte, besonders die militärischen, zum Teil übertrug. Im Lichte des Tages nun präsentierte sich der präsumtive Erbe des österreichischen Thrones als ein Fürst, welchen niemand zu seiner Partei zählen konnte. Der Erzherzog war in seinem treffenden Urteil vollständig unabhängig geblieben, er hörte jedermann an, aber er sprach, was er wollte und wollte, was er sprach. Inmitten des politischen Getriebes hatte er seine eigene Meinung über Menschen und Dinge behalten, die immer das Richtige erkannte und sich von niemandem beeinflussen ließ. Dieser Festigkeit des Charakters und Sicherheit des Urteils, vor allem aber der erhabenen Gerechtigkeit weiland des Erzherzog-Thronfolgers haben auch wir Juden es zu verdanken, daß er uns mit dem größten Wohlwollen gegenüberstand. Er hat uns als das erkannt, was wir mit bestem Gewissen zu sein streben: als eine Gemeinschaft loyaler und treuer Staatsbürger, fleißiger und strebsamer Elemente der Gesellschaft. Daher hat er denn auch in der letzten Zeit mehrfach deutliche Zeichen dafür gegeben und ausgesprochen, daß die ihm unterschobene Feindseligkeit gegen die Juden eine Erfindung war. Leider hat sich zu seinem allzu frühen Untergang eine Macht verschworen, welche auch uns Juden mit blutigen! Hasse verfolgt. Ein führendes englisches Blatt hat mutig und richtig ausgesprochen, wo die Urheber des ruchlosen Attentats eigentlich zu suchen wären. Das Blatt hat auf eine Reihe trauriger Beispiele hingewiesen für die Tatsache, daß alle hervorragenden Männer ein gewaltsames Ende gefunden haben, welche sich gegen die russische Balkanpolitik gewendet haben. Der ermordete Prinz war ein großer Gegner und sein Erscheinen in Bosnien, dem Land der inspirierten serbischen Umtriebe, eine in der ganzen Welt bemerkte starke und kühne Demonstration. Lw wurde denn Belgrad zu einem Vorort von Moskau und Petersburg. Dieselben echt russischen Männer, welche die Waffen und Befehle für die Judenmetzeleien austeilen, ließen für die Mordbuben in Belgrad die Bomben füllen und Browningpistolen laden. In einem Netz des russischen Komplotts war der edle Prinz verloren und wenn er auch dieses einemal entkommen wäre, so wäre er doch nicht bis zuletzt den elenden Mordbuben entgangen, welche sich in Menge auf

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