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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-06-26 · 26 (26.6.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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O Cr Lr. 26 I«hrg«n»LLXl Dr. Bloch’s ♦ Zentralorgan für die gesamten Unter essen des Judentums« Q ir- —u o r K. h. Postsparksffensmt Clearing* Werft ebt ' Tlt. 810.976. Redattion und Administration. Wien H/1, Pmterstraße 9 Telefon 45359 o ■ 'HJn Wien. 26. Juni 1914 Erscheint jeden fr ei tag. Brief-Adresse: Wien, ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wie«. r1 SrruAsprri» für ©«prtrei^j: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Auslnnd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die «al gespal. cene Petttzetle *s Heller. Inhalt: Leitartikel: Die große Prophetin des Vöikerfriedens. — Plewa und Mädchenhort. — Bom Jahrmarkt des Lebens: Eingabe der Juden an das rumänische Parlament. Juden als Erfinder. Eine ganz kuriose Geschichte des Dr. Berger aus Lemberg. Züchtigung eines antisemitischen Preßbuben. Ein weiterer Raubmord. Die Petersburger Advokaten und der Beilisprozeß. Ein Bankett zu Ehren der Anwälte im Beilisprozesse. Das „Schächten". Die jüdischen Bergarbeiter in Kattowitz. Eine Großtat Leo Brodskys. Die Erfolge eines vertriebenen Juden. Die jüdischen Kompagnons des Diktators Huerta. Auswanderung ganzer Judengemeinden. Einführung des Londoner Chiefrabbis bei Hofe. Spende für eine jüdische Universität. Lesefrüchte. Ausgrabung der Davidstadt. Anatole Leroy Beaulieu über die jüdische Religion. Meyrrbeer über die hebräische Sprache. Die Jugendlehrer der talmudischen Zeit. — Korrespondenzen: Berta Baronin Suttner. Eingesendet. Die Frage der Autonomie der Juden in Ungarn. Ein neuer Kurialrichter. Wohltätige jüdische Frauen. Der katholische Steuerzahler der Pester Kultus gemeinde. Zionistischer Delegiertentag in Leipzig. Revolverattentat auf Baron Henri Rothschild. Generalversammlung der Kultusgenossenschaft in Paris. Tie Bewachung des Zaren. P ozentnorm für Bibliotheken. Scholim Aleichemv on der russischen Regierung verfolgt. Gründung einer Müchen patriotischen Gesellschaft in Rew-Aork Das Stimmrecht der jüdischen Frauen in der Synagoge. Jakob Saphirstein. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Mesufa. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die große Prophetin des Uolkerfriedens. Wie einst die hebräischen Propheten, die nicht sowohl Wahrsager und bloße Zukunstskünder als vielmehr Erwecker und Ausrüttler waren, so hat die Sonntag, den 21. Juni, verstorbene'Baronin Berta v. Suttner in unserer nüchternen Zeit ein heiliges Prophetenamt ausgeübt. Bis tit ihrem tiefsten Innern war sie vory diesem großen Apostelbernf erfüllt, ihm diente sie mit der Glut einer feurigen Seele, mit dem ganzen Zauber ihrer starken Persönlichkeit, mit der hinreißenden Gewalt ihrer.an den prophetischen Stil gemahnenden leidenschaftlichen Beredsamkeit, und ihr Weckruf drang bis in die fernsten Länder, Zonen uiid Weltteile. Dieser seltenen, vom reinsten Idealismus erfüllten Frau, die die Geistesrichtung der Zeitgenossen stark und tief beeinflußte und zweifellos mehr noch der kommenden Generationen beeinflussen wird, gebührt auch in diesen Blättern ein Wort ehrender und wehmütiger Erinnerung. Ihre große Tat war der Roman „Die Waffen nieder", der 1890 erschien und in 13 Sprachen übertragen wurde, sogar ins japanische und hebräische. Angesehene Tagesblätter, denen der Roman im Manuskript angeboten wurde, scheuten das Wagnis, dieses Buch ihren Lesern zuzumuten. Wenige Bücher haben in kurzer Zeit ein so ungeheures Aufsehen erregt, sind so gepriesen und befehdet worden und haben eine solche Zahl von Auflagen erlebt wie dieser furchtbare Protest gegen den im Kriege organisierten Menschenmord. Damit begann ihre große, erfolgreiche Lebensarbeit. Durch diesen Roman gewann sie Beziehungen zu dem russischen Staatsrat von Bloch, wurde durch ihn die erste und eigentliche Anregerin der H a a g e r Fried e it s konferenze u, deren Ergebnisse zwar von den Kriegspredigern geflissentlich verkleinert wurden, die aber dennoch je länger, desto mehr ihren Einfluß auf die Gestaltung des Völkerrechts geltend machte. Sie war es auch, die ihren Freund Nobel zu der großen Stiftung für die Friedensidee veranlaßte. Ihre größte Bedeutung aber liegt doch vor allem darin, daß ihr unerschrockenes, vor keinen Anfechtungen zurückweichendes Auftreten, ihre tapfere Rücksichtslosigkeit im Dienste des Friedens und des Fortschrittes der Menschheit, nicht zum wenigsten auch ihre literarische Tätigkeit das Gewissen der Völker geweckt. Unbekümmert um Hohn und Spott, um Anfeindung und Gehässigkeit, schritt sie ihres Weges ohne Zagen und Schwanken, ohne Rasten und Bedenken, und hat es zuwege gebracht, daß der Friedensgedanke eine der mächtigsten Weltorganisationen sich geschaffen hat und zu einer siegreichen Macht nicht nur im Geistes-, sondern auch im politischen Leben geworden ist. Gelehrte, erprobte Staatsmänner, führende Männer der Geschäftswelt stehen in ihrem Dienst: verstummt ist das geringschätzende Gelächter, die überlegene Skepsis, überwunden die Gleichgiltigkeit, der Fatalismus; die Organisation der Friedensgesellschasten aller Länder — sie ist das Werk dieser Heldin des Geistes. In gewissem Sinne darf man sagen: Berta Suttner ivar eine jüdische Prophetin; wenn auch nicht jüdischer ftammung, so war sie doch voll jüdischen Geistes. Ihr Genie stand im Dienste einer großen jüdischen Idee. Der ewige Frieden ist eine Domäne des jüdischen Geistes; niemand wußte etwas von diesem Erlösungsgedanken, den auch heute noch so viele ablehnen, bis Israels Propheten ihn kündeten. Die Seher Israels malten in glühenden Farben das große Friedenszeitalter in dämmernder Zukunft, da alle Völker ihre Kriegswerkzeuge in Kulturinftrumente umschmieden werden. Schon die hebräische Sprache beweist, daß das israelitische Volk des schlimmen, auch für den Sieger Nachteil und Schaden bringenden Charakters des Krieges sich wohl bewußt war, indem Loeheim /„Kämpfen") ursprünglich bedeutet „sich ausfressen" (lechem „Speise" >, „sich vernichten", iVergleiche auch IV. Buch Moses 14, 9a.) "Auf der anderen Seite bedeute seholaum nicht allein Ruhe vom,K'ampf und Streit, sondern auch „Vollkommenheit" und „harmonischer Einklang", so daß schon in der hebräischen Bezeichnung für den Begriff „Frieden" eine unendliche Perspektive alles Segens und aller hohen idealen Güter sich eröffne. Das jüdische Volk verabscheute den Krieg, hielt ihn für eine Strafe der Gottheit, suchte ihn womöglich zu vermeiden, führte, wie die Geschichte zeigt, gar keine

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