Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Br. 25 Dr. Bloch’s Jahrgang xxxi Zentralorgan kür die gesamten Interessen des Judentums. A. fl. PostsparKaffrnamt Sleartng-VerKebr fit. 810.976. Redaktion und Administration, k wir« tt/i, Praterstraße 9 l) Telefon 45359 nO - ■ - Qo Wien. 19. Juni 1914 : Erscheint jeden Freitag, i Brief-Adresse: Wie«» II/i» Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wie«. Oo -■ ■■ - -=00 p Srjugsprrf# fiir i>»ffrrrrid|: Q Halbjährig 8 «tonen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die mal gespal» 2 lene Pelilzeile »8 Heller. C nP ■Oj Inhalt: Leitartike l: Brief aus Rumänien. — Vom Jahrmarkt des LebenS: Die wirtschaftliche Krise und die Juden. Das Angola-Projekt. Ein jüdischer Arbeiterstreik in Galizien. „Jiddisch". Kongreß der B'nai B'rith-Vereine im Orient. Organisation zur moralischen Erziehung jüdischer Emigranten-Kinder in Frankreich. Die hebräische Universitäts-Bibliothek in Jerusalem. Die Bibliothek der Inquisition. Professor Dr.W. Förster über das Alte Testament. Der Delegiertentag der Agudas Jisroel in Palästina. Eine Kulturschande. Antisemiten gegen den deutschen Kronprinzen. — Die Jugendlehrer der talmudifchen Zeit. — Korrespondenzen: Gemeinderat Dr. Alfred Mittler über die Taufseuche. Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten in Wien. Eine Beratung jüdischer Delegierten in Lemberg. Im jüdischen Hospital in Franzensbad. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Eine Rede des Fürstprimas von Ungarn. Der Dekan der philosophischen Fakultät in Budapest. Deutschnationale „Eigenart". öOjähriges Gründungsjubiläum der jüdischen Schule Nagyßombat. Ein Legat von 250.000 Kronen für Jerusalemer jüdische Spitäler. Der Oberrabbiner be'm Te Deum. Das „Fest des Rab" in Tlemcen (Algier). Russische Auszeichnungen an Petersburger Juden. Ausweisung von 300 Fleischhauern aus Kiew. Massen ausweisungen russischer Juden aus Dänemark. Der russische Botschafter gegen das Schächtverbot. Die Verächtlichkeit der Judentaufen. Das Schicksal der buccharischen Juden. Ein jüdischer Universitäts- Professor in Rußland. Die letzten Zwei von Fünfhundert. Nationalisierung der Kunst in Rußland. Die jüdische Bevölkerung in Argentinien. Ein neues englisch-jüdisches Tagblatt in New-Iork. Rücksicht auf das jüdische Neujahrsfest. — Vermischtes. — Feuilleton: Das Kismartoner Ghetto. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Krief ans Rumänien Man schreibt uns aus Gal atz vom 16. Juni: Löbliche Redaktion! Wollen Sie die Güte haben, uns Gastfreundschaft in Ihrem geschätzten Blatte zu gewähren, das der Sache des Judentums immer treu gedient hat und dessen Hilfe wir jetzt mehr denn je gebrauchen. Die europäische Presse hat offenbar keine Lust, sich mit unseren ständigen Klagen zu beschäftigen, aber wird das Elend und der Anlaß zu Beschwerden deswegen geringer, weil sie weiter andauern? Einige unverbesserliche Optimisten haben geglaubt, daß wir rumänischen Juden jetzt eine Besserung unserer Lage erreichen werden, weil man uns während des Krieges derartige Versprechungen gemacht hat. Aber die rumänischen Politiker, welche Europa gegenüber so oft und so beharrlicher Wort gebrochen haben, verhöhnten natürlich auch ihre eigenen Juden, denen sie zugesagt hatten, ihnen für ihre Einrückung zum Heere Bürgerrechte zu geben. Man geht jetzt allerdings daran, die Verfassung zu ändern und die Lage eines ganzen Standes zu verbessern. Die Bauern sollen eine Verbesserung ihres Wahlrechtes erhalten und man will zu ihren Gunsten einen Teil des Großgrundbesitzes gesetzlich enteignen, um die Bauern mit dem Lande >zu beteilen. Von den Juden aber ist nicht im mindesten die Rede. Sie bleiben weiter die entrechteten Sklaven ohne ein Stimmrecht für die Wahlen, ohne Recht zum Ankauf von Liegenschaften, zur Ausübung eines Gewerbes oder des Ackerbaues. Sie dürfen nicht Staatsbürger werden, müssen aber zum Heere einrücken, wo sie auch nicht die geringste Charge erreichen. Es möcht' kein Hund so länger leben! Europa läßt uns nach wie vor in unserem entsetzlichen Elend vergehen, aus dem sich nur die Glücklichsten nach Amerika retten können. Wenn wenigstens die zivilisierte Welt ihre Pflichten gegen die Unglücklichen erfüllen wollte, welche neuerdings durch den zweiten Balkankrieg zu Rumänien gekommen sind. Dieser Krieg wurde doch bekanntlich geführt, unk die Völkerrassen des Balkans vom fremden Koch zu befreien, in Wirklichkeit aber sind unsere Brüder in Neurumänien in die ärgste Schwierigkeit geraten. Sie haben bis jetzt als Bulgaren religiöse und politische Gleichberechtigung besessen, jetzt aber fallen die Armen unter die verruchten Judengesetze ihres neuen Vaterlandes, deren traurigen Inhalt wir oben wiedergegeben haben. Wie man mit ihnen zu verfahren gedenkt, zeigt die Rede des rumänischen Präfekten bei einer Tempelfeier im vielgenannten Silistria. Diese Feier hatte durchaus einen rumänisch-patriotischen Inhalt. Trotzdem sagte der Präfekt in seiner Rede, die Juden Silistrias sollten aushören, sich über ihre Lage im Auslande zu beklagen, denn in solchen Dingen verstehe Rumänien keinen Spaß. Das ist wohl eine deutliche Illustration zu der angeblichen Befreiung 'der Völker auf dem Balkan und Anlaß genug für zivilisierte Völker, um gegen die Bildung einer neuen Sklaverei energisch aufzutreten. Allerdings ist die gegenwärtige politische Lage sehr ungünstig für die rumänischen Juden. Ihr Land mit seinen 600.000 Soldaten wird von den europäischen Staaten sehr stark umworben. Dreibund und Tripelentente stehen einander gegenüber und ihr Wetteifer hat es sogar so weit gebracht, daß der Zar aller Reußen sich zu einem Besuch in Constanza herabließ. Allerdings wurde die angestreb'te Liebe des rumänischen Volkes durch diesen hohen Besuch nicht erreicht, auch wenn er zu einer Verlobung des zweiten Thronerben führt. Man liebt einen Herrscher nicht, der hinter einem dreifachen Kordon von Infanterie und Gendarmerie empfangen wird und dessen Ehrung durch die Einwohner darin bestand, daß diese ohne Erlaubnis weder die Straßen von Constanza betraten, noch selbst aus den Fenstern blicken durften, also einen verschärften Hausarrest zu halten hatten. So knechtisch ist nun die Bevölkerung Rumäniens doch nicht, daß sie einen Herrscher feiert, dessen Regierungssystem sich durch die Angst vor der Oeffentlichkeit kundgibt. Der „Adeverul" hatte sogar den Mut, die ganze Wahrheit zu schreiben: Es sei für Rumänien gar keine Ehre, den „Zaren aller Henker" zu empfangen. Der „Adeverul" hat überhaupt eine merkwürdige politische Stellung. Er darf sich viel erlauben, denn die Regierung wagt es nicht, scharf gegen seinen Herausgeber aufzutreten, der