Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 24 (12.6.1914)
- Date
- 1914-06-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 417 (der zugleich als Vertreter des Verbandes der deutschen Rechtsanwälte erschienen war), Dr.: K e m p f Und Kammeranwaltstellvertreter Dr. Kafka entsandt. Die Notariatskammer vertrat Dr. L a n d a. Die Knltusgemeinde, deren Vizepräsident der Verstorbene war, war durch ihren Präsidenten Dr. Rosenbacher, Vizepräsidenten kais. Rat Hanrowitz und die gesamte Repräsentanz vertreten. Außerdem sah man Abordnungen verschiedener Vereine und Korporationen und eine große Anzahl pietätsvoller Freunde aus den verschiedensten Bevölkernngsschichten. Nach Absingung eines Tranerchorals betrat Prediger Dr. Schwarz die vor dem Grabdenkmal errichtete Tribüne und hielt eine Ansprache, in welcher er u. a. ansführte: „Was ist das für ein Denkmal, das ich hier sehe?" so fragte einst der fromme König Iosia auf dem Gräberfelde zu Beth-Est Und die Männer der Stadt antworteten ihm: Es ist das Grab eines göttlichen Mannes. Fragen wir uns mit dem frommen König Iosia, was bedeutet uns dieses Denkmal? Wir antworten mit den Männern der Stadt Beth-El, es ist das Grab eines göttlichen Mannes, eines Mannes nach dem Herzen Gottes. Keine Uebertreibung, zu der die letzte Ruhestätte eines geliebten Toten den Sprecher gar leicht zu drängen vermag. Aber fraget drin die Männer der Stadt, in deren Rat er gesessen, um die Not der verschämten Armen zu lindern und dem Elend der Kranken zu steuern. Fraget die Männer von Beth-El, die Männer des Gotteshauses, dessen Verwaltung er geführt und an dessen altem Gemäuer die Zeit Dornen und Disteln, Gestrüpp und Gebüsch wachsen lieh, fraget sie einmal, was wir erwarten dursten von dem starken Vertrauen seines glaubensfrohsn Gemütes? Ist es n-ch eine Uebertreibung, wenn wir das Prophetenwort auf dieses Grab beziehen und sprechen, es ist das Grab eines göttlichen Mannes? So mögen denn die Kinder hier ihren Vater suchen, die Enkel ihren Ahn'; eine ganze Familie ihren Adelsbrief, die Armen ihren Wohltäter, der Nächstenliebeverein seinen Führer, die Gemeindeverwaltung ihren treuen Berater und ihr Präsident seinen besten Freund, uns, den Männern von Beth-El, uns vom Tempel wird dieses Denkmal sagen: Es ist das Grab eines göttlichen Mannes,. Dieser Stein soll uns nach dem Muster in. der Bibel zu einem Stein der Hilfe werden und künden, wie geschrieben steht: Bis hierher hat deine Barmherzigkeit uns geholfen und deine Gnade uns nicht verlassen. Darum soll der Name, den wir im Allerheiligsten unseres Herzensschreines hüten, auch draußen auf diesem Steine prangen und nach dem Psalmisten den kommenden Geschlechtern erzählen von - einem Manne nach dem Herzen Gottes, von einem Gerechten und Frommen, von Ludwig Bediener! Denn das Andenken des Gerechten wirkt fort zum Segen, Amen!" Nach der Rede des Predigers Dr. Schwarz fand die Enthüllung des Denkmals statt. Das Grabmal Dr. Ludwig Bendieners wurde, dem Charakter des Verstorbenen entsprechend, ohne Prunk in einfachen Formen errichtet. Auf ungegliedertem Sockel erhebt sich der Aufbau. Ein von Halbsäulen getragenes Gebälk schützt die Nische, welche die Büste aufzunehmen bestimmt ist. Das Ganze umrandet ein reliefartig aus der Fläche herausgearbeiteter Mäander. Die Formensprache ist trotz Anlehnung an die Tradition aus modernem Geist geschaffen. Der Entwurf stammt von dem Berliner Architekten Friedrich Blau. Die Ausführung erfolgte in musterhafter Weise durch die Werkstätten für moderne Grabmalkunst Müller, Schifferes & Co. vormals Eduard Radnitz in Mrakotiner Granit. Das Denkmal trägt als Inschrift folgende gefühlvollen Verse: Mögen dich die andernpreisen Als den Reinen, Edlen, Weisen, Als den Helfer aller Armen Dem das wirkliche Erbarmen Stets das weiche Herz gerührt. Tiefer noch ins Herz wir senken, Wir, die Kinder, dein Gedenken, Denn auf allen unseren Wegen Fühlen wir, dah uns dein Segen Leuchtend unsre Schritte führt. Mit der Absingung eines Trauerchorals fand diese würdige Feier ihren Abschluß. Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Frankfurt a. M., 3. Juni. Heute begann hier die Tagung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft der Juden. Ilm 6 Uhr vereinigte die öffentliche Versammlung die Freunde und Mitglieder der Gesellschaft im großen Saale der Frankfurter Loge. Direktor Dr. Adler begrüßte die Erschienenen im Namen des Ortsausschusses. Er wies auf die Begeisterung hin, die in Frankfurt geherrscht habe, als vor zwölf Jahren die Gesellschaft gegründet worden sei. Die Gesellschaft tage diesmal wieder in Frankfurt, das sich anschicke, in kurzer Zeit eine Universität zu eröffnen, die wohl auch der für das Geistesleben der Menschheit so bedeutungsvvlkckn Wissenschaft des Judentums den ihr gebührenden Platz einräumen werde, dabei der Mahnung gedenkend, daß sich die gesamte Bürgerschaft ohne Unterschied der Konfession in der Pflege idealer Güter zusammenfinden müsse. Er bedauerte, daß der erste Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Dr. Philippson - Berlin, durch seinen Gesundheitszustand verhindert sei, an der Tagung teilzunehmen. Der Redner erwähnte dann, daß Professor Philippson für seine unermüdliche Tätigkeit eine Ehrung in Gestalt einer Plakette zuteil werden soll, die der Frankfurter Bildhauer Mar Lewy ausgesührt habe. Dann begrüßt« er den Oberbürger- Zmeister Voigt als Vertreter der Stadt Frankfurt a. M., den Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde, die Vertreter auswärtiger Synagogengemeinden und -Verbände. Dann dankt er dem Komitee, das der Gesellschaft 5000 Mark überwiesen habe zur Förderung der Bestrebungen des Vereins, und Herrn Benas L e v y - Berlin, der den Mitgliedern eine Broschüre „Die Juden in Worms" gestiftet habe. Oberbürgermeister Voigt- Frankfurt a. M. wies darauf hin, daß die Vergangenheit des Judentums Tausende von Jahren umfasse, daß die Wissenschaft des Judentums sich daher eine große Ausgabe stellt, wenn sie sich die Erforschung dieser Kultur zur Aufgabe stelle. Schon zur Zeit der homerischen Dunkelheit habe das jüdische Volk eine geistige und kulturelle Höhe erreicht, die man heute noch bewundern müsse. Keine Wissenschaft könnte sich heute ausbauen, ohne sich auf die Erforschung des Judentums vor Tausenden von Jahren zu stützen. In der Entwicklung des Judentums spielte auch die Frankfurter Gemeinde eine bedeutende Rolle, und wir werden heute noch aus berufenem Munde über die Entwicklung der Frankfurter Gemeinde belehrt werden. Der Magistrat der Stadt Frankfurt aber läßt durch mich der Gesellschaft seine besten Glückwünsche zu der Tagung aussprechen. Im Namen der Frankfurter israelitischen Gemeinde begrüßte Justizrat Dr. Blau die Versammlung. Er sprach den Wunsch aus, daß die Frankfurter Universität, die durch die Opferwilligkeit der Frankfurter Bürger, nicht zum geringen Teil auch der israelitischen Bürger, gestiftet worden sei, auch eine jüdisch-theologische Fakultät erhalten werde. Dafür müßten alle Gelehrten und Gebildeten eintreten. Eine derartige Pslegestätte jüdischen Geisteslebens müßte selbst von christlicher Seite gefordert werden, denn das Studium der christlichen Theologie baue sich auf der viel älteren des Judentums auf. Jahrhundertelang fei das Studium der jüdischen Wissenschaften vernachlässigt worden, und erst in den letzten Jahrzehnten mache sich ein neuer Geist bemerkbar, die Erforschung der jüdischen Wissenschaften werde eifriger betrieben. Das Judentum sei dies aber auch seiner glorreichen Vergangenheit schuldig, und auch von ihr gelte der Spruch: „Nur der verdient die Achtung anderer, der sich selbst achtet." Die Gemeinde Frankfurt erkenne dankbar die Bestrebungen der Gesellschaft an und habe als äußeres Zeichen dieser Dankbarkeit drei Eermplare der „Urkundensammlung der Frankfurter Juden" von Professor Dr. Kracauer der Gesellschaft gestiftet. Professor Hülsen überreichte für das Komitee zur Erhaltung und Wiederherstellung jüdischer Baudenkmäler einen Band des Beerdigungsregisters der jüdischen Beerdigungsgemeinde. Rabbiner Dr. Seligmann überbrachte die Glückwünsche des Rabbinerverbandes. Der zweite Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Tr. Guttmann - Breslau, verbreitete sich dann in längeren Ausführungen über die Zwecke und Ziele der Gesellschaft. Er betonte, daß die Frankfurter israelitische Gemeinde einen großen Anteil an der Entwicklung des Judentums und der jüdischen Wissenschaften gehabt habe. Bis jetzt habe die jüdische Wissenschaft aus jede Unterstützung des Staates verzichten müssen. Keine Universität habe Lehrstühle für die jüdische Theologie, keine Akademie und keine gelehrte Gesellschaft unterstütze ihre Bestrebungen. Deshalb sei die Gründung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums eine Notwendigkeit gewesen. Ihr Zweck sei es, die Existenzberechtigung der Erforschung der jüdischen Vergangenheit nachzuweisen. Es sei ein schwerer Kampf, den man aber führen müsse, denn man könne die Wissenschaft als beste Waffe nicht entbehren. Professor Dr. Kracauer - Frankfurt a. M. hielt hierauf einen Vortrag über die geschichtliche Entwicklung der israelitischen Gemeinde Frankfurts. Nachdem der Vorsitzende, Direktor Dr.