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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-22 · 21 (22.5.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
21 (22.5.1914)
Date
1914-05-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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B‘ 21 Dr. Bloch’s ,'NWffll Zentraloroan kür die gesamten Interessen des Judentums« Wien, 22. Mai 1914 : Lrscbelnr jeden Freitag, i Brief-Adresse: Wie«, ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wie«. OO— - -- oc? Bexirgsprej« firr Vrfirrrrirst: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Helle,. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die mal gefpal» 2 tene Petitzeile 4» Heller. G oP . -■- — —--0.) M. k. Pustsxarksffenarnk Slearlng-Verk ebr «r. S10.S7S. Redaktion und Administration: - Wien ü/i. Praterstraße 9 Telefon 14847 Inhalt Leitartikel: Von Pfister bis Sviha. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein hygienischer Rat. Eine Unterredung mit Beilis. Nachklänge zum Beilis-Prozeß. Die Juden in Mexiko. Verschlechterung der Lage der Juden in Saloniki. Der erste jüdische Professor an der Harvard-Universität ein Wiener Jude. Carmen Sylva und der Rabbiner von Dorohoi. Biblische Heldengestalten in der Musik. — Die Jugendlehrer der talmudischen Zeit. (Fortsetzung) — Korrespondenzen: Eine englische Stimme über die Drangsalierung der bulgarischen Bevölkerung in den neurumänischen Gebieten. Verein „Frauenhort". Verein „Kinderheim". Generalversammlung der Pester israelitischen Kultusgemeinde. Budapest. Der jüdische Lastträger von Stuhlweißen bürg. Kongreß sephardischer Juden in Toledo. Gemeinsames Vorgehen des Chachan Baschi und des Scheck Uel-Jslam in Rußland. Wirtschaftliche Verfolgung der Juden in Griechenland. Gegen die getauften Offiziere. Ein Uebergangener. — Vermischtes. — Feuilleton „Ketten". — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Uo« Pfister bi« Sviha. Seit einiger Zeit laufen fast ununterbrochen Prozessc, welche in jedem ehrlichen und aufrichtigen Staatsbürger die größte Entrüstung lvecken. Hochverrat, Spionage, rusfophile Agitation, rumänische Jrredenta, Svihaaffäre in Prag und ähnliche Verhandlungen geben ein Material, wie es ärger und unerwünschter gar nicht gedacht werden kann. Solche Prozesse sind Fäulnisprozesse der Moral und Zeichen eines furchtbaren Zustandes im öffentlichen Leben durch die Beweisführung, daß sich immer weniger Leute um Vaterlandsliebe, Ehre und überhaupt um Ideale kümmern, sondern ganz ohne Rücksicht und Gewissensbisse ihren persönlichen Vorteil mit allen Mitteln verfolgen. Tatsächlich herrscht eine tiefe Verdrossenheit in der Bevölkerung, und selbst die leidenschaftlichsten Kämpfer für die Hebung der Politik und Wohlfahrt scheinen sich verzweifelt zurückgezogen zu haben. Wenn man eine Statistik der Gerichtsverhandlungen aufstellen wollte, so würde man sicherlich finden, daß ihre Anzahl sich in erschreckendem Wachstum befindet, das in gar keinem Verhältnis steht zum Wachstum der Bevölkerungszisfer. Solche Zustände müssen natürlich eine Ursache haben. Man muß erheben, wer eigentlich an dieser Vergiftung des öffentlichen Lebens, an dem Niederreißen aller sittlichen Schranken, an der skrupellosen Erhebung der Eigenliebe die Schuld trägt. An sich sind fast alle Menschen gutartig, nur-die schlechten Beispiele verderben ihre guten Sitten. Solche Beispiele müssen an jenen Stellen gesucht werden, die weithin sichtbar sind und einen großen Einfluß besitzen. Da steht wohl in erster Linie das Parlament. Dieser frühere Turnierplatz der edelsten Geister, wo mit Leidenschaft um erleuchtete Ideen gekämpft wurde, ist fast zu einer Wirtshausstube herabgesunken, in welcher gelärmt, Geschäfte gemacht und die ödeste Demagogie getrieben werden. Der aufmerksame Geschichtsschreiber kann genau seststellen, wann hier eine Wandlung zum Schlimmeren eingetreten ist. Er mag alle Parteien an sich vorüberziehen lassen und sich dann fragen, ob es wahr ist oder nicht, daß die Christlichsozialen am Untergang des Parlamentarismus die Schuld tragen. Es war auch gar nicht anders möglich bei einer Partei, welche von den nichtssagenden, wenn nicht übelsten Elementen gegründet und geführt wurde und in deren Leben der Ochsenziemer der Versammlungssprenger, die dümmsten Verleumdungen und Ritualmordhetzen die größte Rolle gespielt haben. Leute ohne geistige Fähigkeiten und moralische Eigenschaften leben immer davon, daß sie die Besseren verleumden, herabsetzen und vergewaltigen. Mit dieser Methode haben die von den Feudalen und Klerikalen als Schutztruppe benützten Christlichsozialen ungeahnte Erfolge erzielt. Nun benützten sie ihre Macht, um ihrer Gehässigkeit gegen alle anständigen Elemente die Zügel schießen zu lassen und sich in den gewonnenen Positionen zu befestigen. Sie waren es, welche an die Stelle der Tüchtigkeit die Gesinnung gesetzt haben und so an allen entscheidenden und führenden Stellen die Unfähigkeit einsetzten, an welcher der ganze Staat jetzt leidet. Sie nahmen für sich das System einer unerhörten Verhetzung in Anspruch, von welchem jetzt die ganze Politik durchsetzt ist. Ihre erfolgreichen Angriffe aus die Wissenschaft, auf den Fortschritt und sogar auf die Justiz sind traurige geschichtliche Tatsachen. Von der Skrupellosigkeit für die Partei kam es natürlich leicht zur Skrupellosigkeit für die eigene Person. Da ist es nun zu Zuständen unter den christlichsozialen Millionären gekommen, über welche weiter zu reden man sich erspart. Für intime Schilderungen aus diesem schönen Kreise haben ja bereits Hraba, Silberer und sogar das „Volksblatt" ausreichend gesorgt. Anfangs haben die Behörden geholfen, diese Zustände herbeizusühren, später haben die Christlichsozialen schon selbst die Dauer ihrer Methoden gesichert. Nichts ist aber leichter gelernt als das Verbrechen. Andere Parteien und andere Leute haben gesehen, mit welchen Mitteln die Helden vom Luchsen ihre Erfolge und Gewinne erreichten, und die Zuschauer waren nicht so dumm, sich wegen der Bedenklichkeit dieser Mittel etwa zu genieren. Auch sie wollten ihre Partei in die Höhe bringen, auch ihre Führer wollten möglichst rasch zu Reichtum kommen. So ging denn der in Wien erfundene und be-

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