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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-08 · 19 (8.5.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
19 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch’s I«hr-«mg xzxi Zentralorsan für die gesamten Interessen des Judentums^ ob" =D o r N. k. Postfxarkaffrnsvrt Sleartng-Verkedr «r. 810.976. Redattion und Administration: Wien H/i. Praterstraße 9 U Telefon 14847 J no ■ o% Wien. 8. Mai 1914 : Lrs<LeLnt jeden Frettsg.1 Brief-Adreffe: Wien. >1/1. Praterstraße 9 Telegramm-Adreffe: Bloch'S Wochenschrift, Wien. OO - - —-oo 9tpxg&pvxlm strr V.strrrrirst: Q Halbjährig 8 Kronen: > Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen.! Ganzjährig 20 Kronen. I Anzeigen: Die malgespal. j q tene Betitzeile 48 Heller. c OQ ■ ' - —=-=0 Inhalt: Leitartikel: Eine Beschimpfung der Bukowinaer Inden. — Großgemeinden und Kleingemeinden mit spezieller Rücksicht auf die Verhältnisse in Böhmen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Das jüdische Legat des Grafen Goluchowski. Ein Wiener Kriegskamerad Fejervarys. Mickiewicz und die Juden. Rothschild als Verteidiger des Sabbat. Eine neue Synagoge in Shanghai. Tempelweihe in Silistria. Ein jüdischer Arbeiterstreik in Palästina. Erfolg eines jüdischen Aviatikers. Eingesendet. Ein hygienischer Rat. Verletzung der Staatsgrundgesetze. Ein Jude als Kavalier des Ordens der katholischen Jsabella. Das Krönungsbild des Königs Eduard von England. Zar und Huligan. — Korresponde nzen: Oeffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde vom 4. Mai 1914. Wiener Chewra-Kadischa. Ein Heim für die „Einheit". Aktion der galizischen Kultusgemeinden gegen die Boykottbewegung. Genehmigung der Jto-Statuten in Ungarn. Auszeichnung eines jüdischen Hochschulprofessors. „Dank vom Hau e Juda". Das 100jährige Jubiläum der Judenemanzipation in Dänemark. Zugrundegegangene Sommerfrischen zufolge Ausschlußes der Juden. Empfänge beim neuen Warschauer Generalgouverneur. Verurteilung der Lodzer Huligans. Geheilte Volksverbändler. Ueberwachung der getauften Juden in Rußland. Der Tallis ein gangbarer Artikel in Rewyork. Ein jüdisches'Freispital in San Francisco. — Vermischtes. — Feuilleton: Eduard Sueß. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Cme Beschimpfung der Kukowinaer Jude«. „Der österreichische Volkswirt", eine von Dr. Walter Federn herausgegebene Wochenschrift, enthält in ihren letzten Nummern einen Artikel von Otto Neurath, der in allen nichtantisemitischen Kreisen die hellste Entrüstung hervorruft. Der Artikel heißt „Eindrücke aus dem Osten Oesterreichs" und beschäftigt sich zum großen Teil mit der Judensrage in einem unerhört feindseligen Sinn. Wie wir glauben, ist der Herausgeber des Blattes ein Jude und der Verfasser des Artikels dürfte auch nicht von denen abstammen, die im Teutoburger Wald kämpften. Darum erscheint es unerfindlich, wie durch ihre gemeinsame Schuld eine publizistische Arbeit erscheinen konnte, wie sie in der übelsten judenfeindlichen Presse üblich war und ist. Nach seiner ganzen Anlage erscheint das Pamphlet nach einer einzigen kurzen Reise des Verfassers rn die Bukowina entstanden zu sein und der Verfasser hat die als Reisegepäck mitgebrachten Vorurteile mit den von Reisegefährten mitgeteilten Verleumdungen zu einer dreisten Anklage mit erfundenem Tatbestand vereinigt, welche einem Vergani Ehre machen würde. Der Artikel enthält u. a. folgende Stellen: „Der Jude wird fast nur als Fremdkörper und Last empfunden. Fragt man, warum es den Bauern einer Gegend gar so schlecht gehe — der Jude hat sie ausgewuchert. Wie oft hörte ich, er habe ihnen Servitutrechte, die Tausende wert seien, um eine Kleinigkeit abgetanst. Als nämlich die Abholzung der großen Waldungen bereits vergeben war, gingen kleinere Unternehmer — meist Schankwirte — hin und erstanden oft um wenig Geld die Majorität der Anteile einer Waldservitutengenossenschast, um dann die Servitutengesamtheit billig an sich selbst zu verkaufen. Die Versuche der Regienmg, dagegen einzuschreiten, hatten nur geringen Erfolg. Und erkundigt man sich, wieso denn nicht die Gerichte einschreiten, so lautet nicht selten die Antwort: „Wre soll ein. ärmer Bauer zu seinem Rechte kommen, der juristisch unzureichend handelt und nun vor einem Richter kommt, der ein Jude ist, einen Advokaten hat, der ein Jude ist, einen Gegner hat, der ein Jude ist und dessen Advokat wieder ein Jude ist? Die vier Juden untereinander werden sich besser verstehen, selbst wenn der Advokat des Bauern und der Richter dem Bauer nicht übel gesinnt sind, als sie den Bauern verstehen." Die Juden spielen in der Verwaltung und Gerichtsbarkeit der Bukowina eine nicht unerhebliche Rolle. Sie üben gelegentlich einen Einfluß aus, der weit über ihre numerische Vertretung in diesen Körperschaften hinausgeht." „Fast jede Ortschaft hat ihren Schankjuden, der zugleich meist auch Geldjude ist, sehr viele haben deren mehrere. Die Juden sind so die Verbreiter des Alkoholismus, unter dem die Bukowina seit langem leidet." „In vielen Ortschaften sind die Juden im Besitze der schönsten an den Hauptstraßen gelegenen Höfe, die sie den Bauern abgenommen haben." „Der Jude tritt dem Bauern als der Fremde, der Heimatlose, der Traditionslose gegenüber,- aper nicht deshalb, weil er diesen Empfindungen unzugänglich wäre, sondern weil sie in seiner Beziehung zum Bauern nicht in Erscheinung treten. Das beste Beispiel ist die Traditionslosigkeit. Dem Bauern gegenüber kennt der Jude selten etwas, das ihn zurückhielte, Altgewohntes zu zerstören, er wird die Familie des Bauern zerreißen, wenn er damit sein Einkommen zu vergrößern vermag." „Wenn man von den wenig erfreulichen Geldgeschäften hört — zeitweilig sucht man den ärgsten Wucher durch strafrechtliche Verfahren zurückzudrängen —, welche die Juden zu betreiben pflegen, sowie von ihren sonstigen, meist unerquicklichen Kniffen und Praktiken, so möchte man erwarten, sie überwiegend als Wohlhabende Leute anzutreffen. Das ist nun gewöhnlich nicht der Fall. Der Jude, welcher die Bauern aussaugt, bleibt im allgemeinen ein armer Mann, der mit seiner Familie kümmerlich sein Leben fristet — daneben gibt es freilich bemerkenswerte Fälle von Dorfjuden, die durch Kniffe aller Art es bis zu Millionären brachten. Wir verstehen die üble Lage auch leicht, brenn wir bedenken, daß das Betriebskapital der Dorfjuden recht klein ist und die Bauern zu arm sind, als daß die Wuchergeschäfte oft vorgenommen werden könnten." Der Verfasser wird vielleicht Vorbringen, daß wir die oben angeführten Stellen aus dem Zusammenhang gerissen haben und die Komplimente verschweigen, welche er zum Zeichen seiner angeblichen Unparteilichkeit den Juden macht. Dieses Argument der Widerlegung möchten wir ihm vorweg nehmen. Wir haben nur die ärgsten Stellen aus dem Artikel herausgenommen, der von den absurdesten Unwahrheiten strotzt und in welchem die Anerkennung der jüdischen kaufmännischen Tätigkeit wie eine weitere Beschuldigung aussieht. Es ist tatsächlich zum Erbarmen, daß sich bei der furchtbaren Verleumdung, der materiellen und moralischen Zurücksetzung und Unterdrückung der Juden noch in ihren eigenen Reihen jemand findet, welcher sie vor der Welt als Verbrecher be-

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