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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-01 · 18 (1.5.1914) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
18 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Vkochs Wochenschrift. Seite 313 nehmern zeitlebens sin unauslöschlicher Erinnerung bleiben wird und da bereits von offiziellen Persönlichkeiten Bedeutung und Zweck dieser Feier dargelegt wurde, glaube ich allen Anwesenden aus dem Herzen zu sprechen, wenn ich in Ihrem Namen unseren aufrichtigsten, innigsten Dank der hochherzigen Vereinsleitung für die Veranstaltung dieses schönen Festes abstatte. (Lebhafte Zustimmung.) Wir haben durch den berufenen Mund einiger geehrter Herren die Bedeutung des ehrwürdigen Brüderschaftsvereines in bezug aus seine Entstehung, Geschichte und Entwicklung kennen gelernt, es fallt mir daher nicht ein, irgendwie jene historischen und philosophischen Vorträge, die wir heute hier vernommen haben, in eine Parallele zu ziehen mit den Ausführungen, welche ich als einfaches Mitglied der Chewra-Kadischa Vorbringen will. Es drängt mich aber, namens aller heute hier versammelten Mitglieder — und ich darf mir wohl diese Mission arrogieren (großer Beifall) — unfern herzlichsten Dank auszusprechen, und zwar in erster Linie selbstverständlich unserem hochverehrten Herrn P r ü s i d e n t e n, der heute neuerlich den Beweis seines edlen und roarmfühlenden Empfindens und seiner unermeßlich offenen (Rufe: jüdischen) Hand erbracht hat. (Stürmisches, anhaltendes Händeklatschen.) Es ist noch nicht lange her, wo Herr Salo Cohn, dessen Leitung auch ein anderer Verein untersteht, 59.000 Kr. zur Unterstützung armer kranker Börsebesucher gespendet hat. Er hat damals den Wunsch geäußert, daß diese edle Tat nicht in die Oefsentlichkeit gelange, aber heute kann ich dies mitteilen. Heute hat er nun hier wieder dokumentiert, was sein edles Herz und seine stets offene Haud für Bedrängte und Unglückliche zu leisten vermag. Wir danken ihm von Herzen und ebenso alle, denen diese Spenden einen Trost in ihren drückenden Verhältnissen und Heilung ihrer Krankheit schaffen werden. Dank gebührt auch allen übrigen Herren des Vorstandes der Chewra-Kadischa, daß sie uns diesen so herrlichen Abend, der uns fürs ganze Leben unvergeßlich bleiben wird, bereitet haben. (Neuerlicher lebhafter Beifall.) Ferner aber gilt unser Dank auch allen Künstlern, vor allem unserem verehrten und geliebten Professor Alfred Grünfeld (rauschender, sich wiederholender Beifall), der die. Verkörperung des jüdischen Herzens ist und in edler Menschlichkeit seine unübertreffliche Kunst zugunsten der Bedürftigen aller Nationen und Konfessionen darbietet. (Neuerlicher, stürmischer Beifall.) Wir danken ferner dern großen Sänger Herrn Viktor Heim, der uns mit seinen herrlichen Vorträgen erfreut hat, und nicht minder den beiden Herren Obcrkantoren F u ch s und M o r g e n st e r n, die uns in künstlerischen und zum Herzen gehenden Weisen die Kunst des jüdischen Gesanges offenbart haben. (Großer Beifall.) Wenn ich hier mir erlaubt habe, als prononzicrter Jude zu sprechen, so wollte ich damit zeigen, daß es Zeiten gibt, wo es Pflicht eines jeden Juden ist, im gegebenen Moment ungescheut seine jüdische Gesimmng öffentlich zu dokumentieren. Verzeihen Lie, daß ich Ihre Aufmerksamkeit, wenn auch nur kurz, in Anspruch genommen habe mn das kundzugeben, was die Herzen aller Anwesenden bewegt: ich möchte nur noch mit dem Wunsche schließen, es mögen unsere Nachkommen, die in den späteren Zeiten dem Vereine der Chewra-Kadischa anaehören werden, sich einer solchen Leitung erfreuen, welche zu besitzen wir uns zum Glücke rechnen! i Anhaltender, großer Beifall.) Nachdem Oberkantor Morgen st e r n in meisterhafter Weise das Tischgebet vortrng und das Mischeberach auf Präsidium und Vorstand der Chewra-Kadischa, Präsidium und Vorstand der Wiener Kultusaemeinde und^alle Anwesenden rezitiert hatte, kam der künstlerische Teil des Abends. Von beit musikalischen Genüssen des denkwürdigen Abends wird die unvergleichliche Wiedergabe der Gounod- Lisztchen Faust-Fan a ie und des Frühlingsstimmen- Walzers durch Meister Alfred Grünfeld, ^der allen Zauber seiner Kunst entfaltete, allen Teilnehmern des Brudermahles unvergeßlich bleiben. In atemloser Stille horchte das Auditorium und brach in einen minutenlangen begeisterten Applaussturm aus, als der große, in seinem ganzen Wesen so bescheidene und liebenswürdige Künstler den letzten Ton am Bösendorfer- Flügel verklingen ließ. Schon zu Beginn des Brudermahles wurde dem Publikum eine besondere musikalische Ueberraschung geboten, indem der vom Verfasser gesprochene Prolog von Herrn Prof. Valker auf der großen Orgel melodramatisch begleitet wurde, wobei die beinahe überirdischen Töne des Fernwerkes ihre faszinierende Wirkung auch diesmal nicht verfehlten. Einen nachhaltigen schönen Erfolg holten sich auch die vereinigten Chöre des Stadt- und Leopoldstüdter Tempels mit Sulzers imposantem, großangelegtem „Hallelujaih", wobei Herr Hermann Reich mit seiner sonoren, einschmeichelnden Baßbaritonstimme in geschmackvollster Weise die Soli sang und die Anwesenden zu rauschendem Beifall hinriß. Der Chor wurde wirksam unterstützt von der Orgel und von Herrn Prof. Josef Sulz er mit gewohntem Elan und Temperament dirigiert. Der bekannte Konzertsänger Herr Viktor Heim brachte am Klavier, von Anton Zilzer begleitet, mit dramatischer Belebung mehrere Lieder zum Vortrage und erntete reichsten Beifall. Herr Professor Sulz e r, der sein Cello virtuos singen ließ, lieferte neue Beweise dafür, daß er ein Meister des Cello ist, dem er immer neue, liebliche Töne zu entlocken versteht. Der stürmische Beifall zeigte, daß seine Kunst in die Herzen der Zuhörer gedrungen war. Den Schluß des Festes bildete das große Adaun Aulom in Es-dur, von Prof. Sulz er instrumentiert und vom Orchester in wirkungsvollster Weise begleitet. Man hat diesen schönen, musikalisch interessanten gemischten Chor wohl noch niemals so eindrucksvoll singen und klingen gehört, wie an diesem, in jeder Beziehung gelungenen Festabende. Zum Schlüsse richtete Präsident Salo Cohn an die Anwesenden folgende Dankesworte: Meine verehrten Damen und Herren! Herr Kammerrat Steinhübel hat offenbar die Darbietungen unseres wackeren Professors Sulzer nicht mit angehört, es bleibt somit mir Vorbehalten, demselben unseren herzlichen Dank für sein seelenvolles Spiel auszusprechen. In uns steigt heute auch die Erinnerung auf, wie sein seliger Vater, der Altmeister Sal. Sulzer. durch seine gefühlvolle Gesangskunft auf unsere Gemüter eingewirkt hat. Nun möchte ich mir noch einige Mitteilungen zu machen ertauben: Die beiden B.-B.-Vereine haben für da? Badener Heim zwei Bettstiftungen errichtet, ferner haben die Delegierten des Vorstandes ebenfalls ein Bett gestiftet. Die Synagogengemeinden in Berlin, Breslau und Hamburg sowie die Kultusgemeinden von Budapest und Lembera, Prag. Brünn, Graz, Krakau, Triest u. v. a. haben uns ihre Glückwünsche in herzlichen Worten auf telegraphischem oder schriftlichem Wege übermittelt, desgleichen die Chewra-Kadiscba-Vereine aller dieser und noch vieler anderer Städte. Es steht mir bei der vorgerückten Stunde leider nicht mehr so viel Zeit zur Verfügung, um Ihnen 'alle Zuschriften vorzulesen: und so möchte ich noch einige Worte zum Schli'.sie des heutigen Festabends an Sie richten: Ich danke Ihnen allen, sehr geehrte Anwesende, für Ihr Erscheinen. Ich würde jedoch geradezu eine Pflicht-

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