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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-05-01 · 18 (1.5.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
18 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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»'>« Dr. Bloch’s J*"Mm Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums- Wien, 1. Mai^l914 : LrscbeLnt jeden Freitag, i Brief-Adreffe: Wie«, 11/1, Praterstrafte 9 Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wie«. 0(j p B»rug»prri» firr V»str«r1ch: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Nuslnnp: Halbjährig 10 Kronen. Sanzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Dt» malgespal» 2 lene Petttzetle 48 Heller. C nO ■ -> ■ —Oo 0(7 O Oo O M. *r. P»PJpatftaflr*nantt (kleartng-Verkebr «r. 810.076. RedaMon und Administration. c Wien H/i, Praterstraße 9 Telefon 14847 nP - - —O r Inhalt: Leitartikel: Eine Judenfrage in den Delegat'onen. — Rumänien (Aus dem Jahresberichte der Wiener Israel. Allianz.) — Vom Jahrmarkt des Lebens: Hilfsveiein deutscher Juden. — Verlogene antisemitische Politik. — Auf den Spuren des Mörders Juschtschinskis. — Korrespondenzen: Eduard Such. — Galizischer HUfsvrrein. — Regine Ulmann. — DaS 150jahrige Jubiläum der Wiener Chewra-Kadischa. — Auszeichnung eines jüdischen Hochschulp.oftssorS. — Zu den Kammerwahlen in Frankreich. — Vermischtes. — Literatur — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Eine Indenfragr i« de« Delegationen Bei der Tagung der Delegationen in Budapest wird natürlich die auswärtige Politik den größten Teil der Beratungen einnehmen. Unter dieser besonders die Politik am Balkan, die seit jeher für alle Großstaaten und den europäischen Frieden bedrohliche Probleme enthalten hat. Es ist nicht interessant, in welchem Tenor die Debatten über den Balkan geführt werden. Denn eigentlich gehören sie in die Skupschtina von Belgrad und Cetinje, in die Sobranje von Sofia, in die Kammern von Athen und Konstantinopel. Man spricht jedoch in den Delegationen über die Fragen des Südostens unter der Vorgabe, um die Herstellung des Friedens und der Ordnung besorgt zu sein und unter den Völkerschaften dieses Gebietes jede Unzufriedenheit und Unterdrückung bannen zu wollen. Halten wir das fest, bevor wir zum eigentlichen Thema übergehen, was wir Juden in der Balkandebatte aufrollen wollen und mit schweren Vorwürfen gegen die europäische Gerechtigkeit vereinen müssen. Europa nimmt sich der Kretenser und Epiroten an und unterstützt deren hellenische Freiheitsbestrebungen, es zeigt sich den Wünschen der Mazedonier geneigt, welche bulgarische Klagen gegen angebliche serbische Unterdrückung Vorbringen; Europa schützt die Muselmannen, welche unter das bulgarische Szepter gekommen sind und hat für die Selbstständigkeit Albaniens ein ungeheures Aufgebot von Kräften eingesetzt. Angesichts dieser Politik erscheint es als eine ungeheure Satyre, was in den Gebieten geschehen ist^ die unter die rumänische Herrschaft fielen. Das Gebiet von Silistria und die anderen Eroberungen wurden unter dem Vorwand angesprochen, daß die hier wohnenden rumänischen Kutzowalachen das Joch Bulgariens nicht mehr ertragen könnten. Die Kutzowalachen sind nun mit ihrem angeblichen Stammland vereinigt. Rumänien hat seine Heldenrolle als Freiheitsheld glücklich durchgeführt. Mjt den Kutzowalachen sind aber noch viele Tausend andere Bürger unter die Herrschaft König Carols gekommen, darunter sehr viele Juden, welche bis dahin in Bulgarien volle Gleichberechtigung genossen haben. Wie nun Rumänien in tönenden Proklamationen an Europa verkündet hat, wollte es nichts als die nationale Erlösung seiner Stammesgenossen, die anderen Bewohner des neuen Gebietes sollten in ihren staatsbürgerlichen Rechten durchaus nicht geschmälert werden. Jetzt stellt sich heraus, daß die unglücklichen Juden Silistrias unter die berüchtigten rumänischen Ausnahmsgesetze fallen, welche von der Bukarester Kammer eigens ersonnen wurden, um den rumänischen Juden ihr Vaterland zu einem Kerker zu machen. Man kennt diese Foltergesetze, in denen die Juden zwar zur Steuer an Blut und Geld herangezogen, sonst aber als Fremde betrachtet und behandelt werden, weder Länder erwerben noch ein Gewerbe treiben köunen und den schwersten moralischen Bedrückungen ausgesetzt werden, wie z. B. dem Ausschluß von der Beförderung im Heere. Unter diese Bestimmungen fallen die Juden des ehemaligen Nordbulgarien, zu dessen Eroberung im rumänischen Heere 25.000 ihrer Stammesbrüder ausgezogen waren! Wenn die Welt nach einfacheren Grundsätzen regiert würde, hätten diese 25.000 Männer das Schwert ziehen müssen, damit gewiß kein Jude mehr unter die rumänische Herrschaft gerate. Die tapferen Streiter waren aber wohlgemut gestimmt worden durch eine jener infamen Lügen, welche man in Rumänien innere Judenpolitik nennt. Man hatte verkündet, daß alle jene, welche für ihr Vaterland in den Krieg ziehen, auch dessen staatsbürgerliche Rechte erhalten sollten. Voll Enthufiasmus stellten die rumänischen Juden ihre Söhne und ihre Habe in den Dienst des patriotischen Gedankens, wandelten sie sogar ihre Tempel zu Lazaretten um. Nun haben sie ihren Teil an der Beute — sie dürfen neue Schicksalsgenossen ihrer alten Qualen begrüßen. Bon der Einlösung der Ministerworte und Versprechungen keine Spur, höhnisch weist man ihre Bitten und Mahnungen zurück trotz allen Opfern. Dafür hat Europa keinen Sinn. Kein Ruf des Erbarmens und der Entrüstung erhebt sich, kein Wort verlangt Gerechtigkeit. Man duldet es ruhig, daß die maßgebenden Faktoren Rumäniens zu ihren alten Verbrechen ein neues häufen. Unzähligemal ist schon daran erinnert worden, daß Rumänien seine Selbständigkeit nur gegen die Bedingung bekam, seinen Juden das Bürgerrecht zu geben. Die Unterschriften von Fürsten und Ministern unter dem Berliner Vertrag, in welchem diese Bestimmung festgelegt wurde, sind niemals ein-

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