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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-04-24 · 17 (24.4.1914) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
17 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 282 Nr. 17 Dr. Blochs Wochenschrift. Zeichen von Geist urrd Bildung ist, abgesehen von dem öden Schimpfen auf politische Gegner wird auch die Wissenschaft und Poesie im Zeichen des Parteigeistes behandelt. 'Wenn es'sich um die Besetzung von Lehrkanzeln handelt, wird mit Macht daran gearbeitet, daß nicht der bessere Vertreter der Wissenschaft, sondern der bessere Parteigenosse ernannt wird, und die schöne Folge davon ist der Rückgang unserer einst so berühmten Universität, deren politische Behandlung auch so viele ausländische Studenten abschreckte. Artur Schnitzler hat dieser Sippe ein unübertreffliches Denkmal gesetzt im „Professor Bernhardt", einem Kunstwerk, das selbst im katholischen München begeisterte Aufnahme gefunden. Wenn Anstand und Gerechtigkeit gewaltet hätten, sö hätte man sich bei der Auszeichnung Schnitzlers auch au eine andere Dankesschuld erinnern müssen, welche man gegen , das Haus Schnitzler hat. Der Vater des Dichters war nämlich der Regierungsrat Universitätsprofessor Dr. Johann Schnitzler, eine wissenschaftliche Größe auf dem Gebiet der Herz- und Lungenkrankheiten. Er gehört in die Galerie der Berühmcheiten, welche die Wiener medizinische Fakultät zur berühmtesten auf der ganzen Welt Machten. Darüber hinaus hat er sich jedoch noch ein unsterbliches Verdienst um Wien erworben. Er gehörte nämlich zu den Begründern der Poliklinik, dieser berühmten Pflegestätte wissenschaftlicher Forschung, welche Kranken nach Hunderttausenden Heilung geboten hat. Man darf mit Recht bezweifeln, ob unter denen, welche den Glückvunsch an den berühmten Sohn des berühmten Vaters verweigert haben, sich auch nur ein einziger gefunden hat, welcher für die Menschheit auch nur entfernt einen solchen Wert hatte, wie Schnitzler senior oder junior. Allerdings besteht in diesen Kreisen wenig Sehnsucht nach der Wissenschaft oder dem Geist. Wenn Christlichsoziale krank sind, werden sie trotz einer alten Parteiparole nicht ein Kräutlerweib, sondern einen Professor holen, und sogar einen jüdischen, wenn sie diesen für besser halten. Wenn sie ins Theater gehen, so legen sie auch kein Gewicht aus die Konfession des Autors, sondern auf seine Fähigkeit zu unterhalten. Wenn jedoch die Partei spricht, dann wird es ein Anriss gegen die Juden, möge er einen Sinn haben oder nicht. Schließlich aber arbeiten die Christlichsozialen auf diese Art gegen sich selbst. Denn die gebildeten Elemente, welche ihre Ideale nicht beim Luchsen finden, müssen sich schamrot von einer Gesellschaft abwenden, welche sich weigert, sich unter die kultivierten Menschen zu stellen. Alle gebildeten Kreise sind einig in den hohen Ehren, welche sie dem Wiener Dichter Artur Schnitzler erweisen, vielleicht dem größten seiner Epoche. Nur die Wiener Rathäusgewaltigen debütieren mit einer Tat, welche an berühmte Aussprüche über Tolstoi und die „Büacheln" erinnert. Dem Dichter Schnitzler ist nichts geschehen. Nicht sein Verdrußsondern sein Humor wird sich mit der Sache beschäftigen, denn von den Christlichsvzialen können keine wirklichen Ehrungen kommen. Von seinen zahllosen Verehrern aber werden gewiß viele den Machthabern im Rathaus zu chrer stramm parteimäßigen Beurteilung des Lebens gratulieren. Generalverlammlrmg der Isrartttischr« Am 20. April um 6 Uhr abends fand im Saale, der israelitischen Kultusgemeiude unter dem Vorsitze des Präsidenten Dt. Alfred Ster« die 41. ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Allianz statt. Vom Vorstände waren außer dem Präsidenten die Vizepräsidenten Dr. Arthur Kuranda und Dr. Felix Katzau, ferner die Herren Wilhelm Pappenheim, Dr. Nirenstein, Oberrabbiner Dr. M. G ü d e in <ut n, Prof. Dr. S. Ehr m a n n, M. Eißler, der Vizepräsident der Anglo-Oesterr. Bank Generalrät Adolf Klein, Prof. Dr. Josef P ö l l a k, ' Julius / R e i t l i n g e r und kaiserl. Rat Leopold Sachs Edler v. S ä ch s e n h ä l l anwesend. V’ In der Versammlung bemerkte man die Mitglieder des Kultusvvrstandes, Vizepräsidenten Hosrat Dr. Rappaport, Adolf Schrämet und Dr. Heinrich Schreiber, die Rabbiner Dr. MoxGrunwald, Dr. Feucht Wan g, Dr. Rosen mann, Dr. M. B a u e r und Dr. F r a n k f u r t e r, Oberstabsarzt Dr. B y k, die Redakteure Dr. I. S. Bloch und Dr. M. L ö w y, kaiserl. Rat Moriz Waizner, kaiserl. Rat Dr. Theodor Lieben, Dr. Emil Adler, Inspektor Prof. K a n i tz, Prof. M. Autsch erl, Heinrich Mendel, Dr. A. Käpralik, Bernhard H o f b a u e r, Prof. Dr. Königstein, S. Goldman«, Dr. Leopold Stern, Guido Fuchsgelb, Oberoffizial Josef Steiner u. v. a. Der Präsident eröffnet die Versammlung, . indem er auf die Nachrichten über die Erkrankung Seiner Majestät des Kaisers Bezug nimmt und uyter lebhafter Zustimmung aller Anwesenden, die sich von ihren Sitzen erhoben, dem innigen Wunsche Ausdruck gibt, daß der Kaiser feine vollkommene Gesundheit bald wieder erlange und noch viele Jahre seine glorreiche Regierung zum Wohle. der Monarchie fortfetze. Präsident Dr. Alfred Stern hielt dann auch einen Nachruf den im Laufe hes Jahres dahingeschiedenen Vorstandsmitgliedern und Förderern der Hilfswerke des. Vereines. Nach ttebergang zur Tagesordnung wird über Antrag des Herrn Dr. Kapralik von einer Verlesung des umfangreichen, den Mitgliedern bereits vor mehreren Tagen zugegangenen und von ihnen mit großem Jnterefle gelesenen Jahresberichtes abgesehen. Professor M. A n t s ch e r l hebt hervor, daß der Bericht der Israelitischen Allianz ein wichtiges Dokument der jüdischen Geschichte bilde. Die Allianz habe sich auch im verflossenen Jahre als --Mutterin Israel". bewährt,, indem .sie anläßlich des Beilis'Prozeffes und der vielfachen Verfolgung unserer Glaubensgenossen in Rußland sowie im Kampfe für die Gleichberechtigung der Juden in Rumänren, in der Hilfsaktion für dst. Opfer de^ Krieges in den Balkanländern, im galizischen Schulwerk eine überaus segensreiche Tätigkeit zum Ruhme unserer Religionsgemeinschaft entfaltet hat. Der Jahresbericht sollte an sämtliche Religionslehrer in Oesterreich zu Propagandazwecken versandt werden und beim Jugendgottesdienst müßten alle jüdischen Schüler aüf die Bedeutung des Vereines verwiesen werden. Herr M. Baum nimmt Bezug auf die im Berichte mit Bedauern erwähnte viel zu geringe Förderung des Vereines durch ° die jüdischen Gemeinden iu Oesterreich und konstatiert, daß außer den Spenden in Wiener Bethäusern und in Le'pnik in Mähren in keiner jüdischen Gemeinde Oesterreichs der Pflicht nachgekommen wird, durch Tempelspenden an Feiertagen die Wirksamkeit einer so bedeutenden und für die gesamte Judenheit wichtigen Vereinigung, wie die Allianz, zu unterstützen. Auch in Wien stlbst müßte mehr Propaganda gemacht werden, da die Zahl der Mitglieder eine viel zu geringe ist. Er empfiehlt unter anderem die Gründung eines Damen-Komitees. Herr Hofbauer unterstützt die Anregung des Vorredners, daß für den Verein eine regere Propaganda entfaltet werde. Oberstabsarzt Dr. Byk spricht im Namen seiner galizischen Heimat dem Vorstande den Dank föt J bii tmt großen Kosten erhaltenen Schulen und Kindergärten aus. Er bedauert, daß der Verein sich laut Bericht grundsätzlich enthalte, über den Typus der zweiklaffigen Schulen hinauszugehen. Rabbiner Dr. Feuchtwang spricht namens sämtlicher Mitglieder dem Vorstand und dem Sekretär für bie vielseitige ersprießliche Tätigkeit den Dank aus. Sekretär Dr. K a m i n k a erteilt Auskunft auf verschiedene Anfragen und erklärt, daß vom Bureau allen jüdischen Gemeindevorständen, Rabbinern und Lehrern in Oesterreich bereitwillig Exemplare des Jahresberichtes zu Pcopagandazwecken zur

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