Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Br. 14 I«tzr-a«» xxxi Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums^ Wien, 3. April 1914 Lrscbelnt jeden FreLtsg. Brief-Adresse: Wie«. H/i. Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch S Wochenschrift, Wie«. Inhalt: Leitartikel: Sp onageprozesse. — Der wandernde Jude von heute. — Bom Jahrmarkt des Lebens: Von den Juden in Irland. Zur Pessachsaison in Warschau. Eine Litton an antisemitische Studenten. Jahrhundertfeier der Emanzipation der dänischen Juden. Jüdische Stadträte in Alexandrien. Jüdische Wohltätigkeit in New-York. Germanischer Antisemitismus in Rußland. Ein jüdischer Legationsrat. Die Verfolgung der Juoen in Jemen. — Eheiruth — Freiheit. — Korrespondenzen: Zentralstelle für das jüdische Armenwesen. D-e Oberlehrerstelle an der Werdertorschule. Das aktive und Passive Gemeidenwohlrecht der Frauen. Die Neuwahlen in der Petter Chewra-Kadischa. Rückerufung der Juden nach Spanien. Der Großradbrner der Türkei beim russischen Botschafter. Fürst Meschtschersky gegen die Resolution der Adeligen. Studienrelse des Großrabbiners von Serbien in neus-rbische Gebiete. Der Militärdienst der Juden in Neuferbien. Eine griechische Mahnung an die Juden in Athen. Die Pogromdrohuna des Obeffaer Stadthauptes. Der dritte Kongreß der jüdischen Gemeinden nr Italien. — Vermischtes. — Feuilleton: Chewra - Kadischa. (Lch uß) — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. O tr ■ - o? K. k poMparkLprnLMl Slearlng-Verkebr «r. 810.976. Redaktion und Admtntstratton. Wien ll/i, Praterstraße 9 J> Telefon 14847 <1 nO -QQ JUL.1 '■■■" * "-i?-1?; LJ— O O— - p X>rpiger>rrt« für ©eftrtteltfj: Q <aldsädrtg 8 Kronen: Stnzeleremvtare 50 Heller. Für'» Au»t»nd: Halbtährtg 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die »<*1 gefpal» ■> tene Pettrzeile *b Heller. O r>P ■ Kpronageprozefte. Es ist geradezu unheimlich, wie viele Prozesse wegen Spionage jetzt geführt werden. Ganze Gruppen von Angeklagten stehen vor Gericht und suchen sich erfolglos gegen den schmählichen Vorwurf zu verteidigen, ihr Vaterland gegen Geld dem Feinde verraten zu haben. Offiziere, Beamte, Kaufleute und auch Bauern sind den Verlockungen des rollenden Rubels unterlegen und haben sich in den Dienst der militärischen und politischen Werbearbeit Rußlands gestellt. Wir bemerken nun mit Genugtuung, daß sich unter diesen vielen verkommenen Verbrechern nur ein einziger Jude befindet, der nicht einmal österreichischer Staatsangehöriger war. Er hat für seine dumme und plumpe Vermittlerarbeit zwischen den anderen Spionen eine exemplarische Strafe erhalten, gegen die gar nichts einzuwenden ist. Ein Jude soll und muß sich immer dessen bewußt sein, daß er sein Verbrechen nicht nur auf seine eigene Verantwortung begeht, sondern daß er auch Vorwürfe und Angriffe gegen alle anderen Juden hervorruft und verschuldet. Er muß daher noch exemplarischer bestraft werden als jeder andere, und vergißt er sich, so ist er straffällig auch für die Unbill, welche er den Juden im allgemeinen zufügt. Von diesem einen Falle jedoch abgesehen, ist das Uebermaß der nun vor den Gerichten enthüllten Korruption jedoch durchaus judenrein. Wir wollen durchaus aus der tadellosen Erfüllung einer Pflicht kein Verdienst machen. Wir müssen sie jedoch feststellen, weil wir noch immer unter der ungesetzlichen Billigung, der Behörden von der Verfolgung der antisemitischen Presse unausgesetzt Schaden leiden und jede Gelegenheit ergreifen müssen, um gegen die fortgesetzten Verleumdungen aufzutreten. Die antisemitische Presse und ihr Anhang behaupten immer die moralische Minderwertigkeit der Juden. Der Beweis dafür müßte nun wohl durch die Gerichte erbracht werden, vor welche schließlich alle Vergehen und Verbrechen gelangen. Nun war doch jetzt die Gelegenheit sehr günstig, die Skrupellosigkeit, die Geldgier, die Vaterlandslosigkeit zu zeigen, welche uns mit einer wirklich komischen Umdrehung der Wahrheit von den Christlichsozialen vorgeworfen wird. Man hat sich an Leute aller Berufsklaffen wegen Ausspähung gewendet. Unmöglich hat man dabei die Juden übersehen, welche durch ihre vielen kaufmännischen Reisen unauffällig von Ort zu Ort reisen können und denen es vielleicht ein Leichtes wäre, Erkundigungen aller Arten einzuziehen. Es hat sich aber niemand von ihnen für die Tätigkeit gefunden, für welche sie nach den Behauptungen ihrer Feinde so viel Talent und so viel schlechten Willen besitzen. Jetzt wäre es an der Zeit, die Debatte wieder aufzurollen, welche anläßlich der Dreyfusafsäre stattgefunden hat. Diesen einen Juden hat man fälschlich beschuldigt und ihn die ärgsten Qualen ausstehen lassen für ein Verbrechen, das er selbst nie, aber Nichtjuden hundertfach. begangen haben. Die Dreyfusdebatte blieb nicht auf Frankreich beschränkt, sie wurde in der ganzen Welt ausgenommen. In Deutschland wurde die Affäre zur neuerlichen Begründung für die schreiende Ungerechtigkeit benützt, daß man Juden nicht einmal zu Reserveoffizieren macht, in Rußland, Rumänien, zuletzt auch in Oesterreich wurde von der antisemitischen Presse mit Ungestüm die Forderung vertreten, die Juden zur Ehre des aktiven Vaterlandsverteidigers nicht zuzulassen und von ihnen statt dessen eine hohe Kopfsteuer zu verlangen. In der Zwischenzeit hat Rußland einen großen Krieg geführt, am Jalu waren es vornehmlich jüdische Regimenter, welche im ersten Treffen standen und dezimiert wurden. Rumänien hat seine Macht gegen Bulgarien aufgeboten, und ebenso wie ihre christlichen Kameraden sind auch die jüdischen unter die Fahnen geeilt, unter denen sie ebenso wie in Rußland trotz Eifer, trotz Patriotismus, trotz Intelligenz nicht einmal den Rang eines Gefreiten erringen können. Oesterreich hat an zwei Grenzen militärische Maßregeln treffen müssen, und trotz der großen persönlichen und durch die Krise entstandenen materiellen Opfer ist aus den Kreisen der Juden keine Klage laut geworden. Wo beginnt denn nun die moralische Pflicht der Wiedervergeltung, wenn man die Juden trotz allen diesen großen und deutlichen Beweisen ihrer Vaterlands-