Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 12 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 12 Die Boykottagitation in Galizien. .Man muß immer wieder auf die große Gefahr Hinweisen, welche, die bisher ungehemmte Boykottagitation gegen. die Juden in Galizien seitens der. polnischen Antisemitenin sich birgt. Wie sehr diese Agitation von der kompetentenBehörde bisher geduldet wurde, geht aus einem. Artikel hervor, der in dem Przemysler Antisemitenblättchen' erschienen und schließlich wenigstens zu einem' Teile der Konfiskation anheimgefallen ist. Die konfiszierten, stellen müssen allerdings schon sehr blutrünstiger Nätür gewesen sein, denn selbst die vom Zensor verschont gebliebenen Stellen reichen hin, um die gutmütigste Bevölkerung gegen die Juden in Harnisch zu bringen. ' Das sorglose Gewährenlassen dieser antisemitischen Hetze. ist umsofrevelhafter, als ja allen kompetenten Behörden nicht unbekannt ist, daß es heute in Galizien Hunderttausende jüdischer Arbeitsloser gibt, denen jede Hoffnung aus Arbeit genommen wird, selbst für den Fall, als sich die Arb eits Verhältnisse bessern sollten, da inzwischen die. Boykottagitation es erreicht haben wird, daß Juden zu einer Arbeit oder zu -irgend einem Erwerbe nicht zugelassen werden. Erfolge der Boykotthetze in Galizien. . Das-polnische Blatt „Glos Narodu", also eine in bezug aus übermäßige Judenfreundlichkeit sicherlich einwandfreie .Quelle, veröffentlichte dieser Tage mit sichtlicher Genugtuung über das „günstige Ergebnis der Boykottagitation" hie folgende Statistik über die fortschreitende Entjudung von Krakau. Während in den früheren Jahren der Besitzwechsel von Realitäten zwischen Juden und Nichtjuden stets, zugunsten der Juden ausfiel, war es im Jahre 1913 schon umgekehrt. Es kauften nämlich Juden' von Christen 18 Realitäten und Parzellen im Gesamtwerte von 593.763 Kronen, hingegen haben Christen von Juden 26 Realitäten und Parzellen im -Gesamtwerte, von 1,766.593 Kr. erworben. Die Bilanz weist daher ein Saldo von mehr als zwei Drittel des gesamten Grund- und Realitütenverkehres von Krakau zu ungunsten der Juden aus. Das hindert natürlich nicht, daß gerade in Krakau in jüngster Zeit die Boykottagitation gegen die Juden unter dem Motto, daß Krakau von den Juden befreit werden müsse, mit besonderer Vehemenz eingesetzt hat. Der Boykott gegen die Hilfsveremsschulen bleibt aufrecht. Gegenüber der Meldung, daß im Friedensschluß zwischen d'em Hilfsverein und den Zionisten in Angelegenheit des Sprachenkampfes auch die Bestimmung enthalten sei, daß die Zionisten den Boykott der Schulen des Hilfsvereines der deutschen Juden in Palästina aufgeben, telegraphiert der Präsident des Lehrerverbandes in Palästina Dr. Lurie von Berlin, wo er dieser Tage weilte, an den Warschauer „Haint", daß diese Meldung vollkommen unzutreffend sei. Diese Frage sei im zionistischen Aktionskomitee überhaupt nicht behandelt worden und die Beziehungen der national gesinnten Lehrer in Palästina zu den Schulen des Hilfsvereines bleiben unverändert. Man sieht also, daß es mit dem Frieden nicht weit her ist. Denkmalsenthüllung für weil. Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld. Dem bescheidenen Wesen des verstorbenen Oberrabbiners Dr. Ehren seid Rechnung tragend, wurde ohne jedwedes größere Gepränge am Jahrzeitstage auf dem vvn der Chewra-Kadischa gewidmeten Ehrengrabe das von. der Prager Gemeinde gestiftete Grabdenkmal enthüllt. Ein kleiner, aber erlesener Kreis von Verehrern Seite 191 und Freunden des Oberrabbiners hatte sich zu dieser Feier am neuen Straschnitzer Friedhose eingefunden. Außer den beiden Söhnen des Verstorbenen, Pros. Dr. Salo Ehrenfeld und Semi Ehrenfeld, Kaufmann in Wien, waren erschienen als Vertreter der Kultusgemeinde-Repräsentanz der Präsident Dr. Arnold R o s e nbacher mit den Repräsentanten Tr. M. Fischer, Dr. N. L. K o h n e r, Dr. H. R o s e n b a u m, Großindustrieller D e n h o f und Sekretär Dr. Z e m a n e k, ferner der Vorstand der Chewra-Kadischa mit dem Obmann David Lieben, die Rabbiner Professoren Drn. K i s ch, Klotz, T Hieberger, Weiner, Architekt B r a n d und der Schöpfer des Denkmals, Architekt Kopecky, ferner viele Kausleute, Industrielle usw. Vor dem Grabmale war eine schwarz dekorierte Kanzel errichtet, die der Schwiegersohn und Nachfolger des Gefeierten, Herr Oberrabbiner Dr. Brody, bestieg, in doppelter Eigenschaft: als Verwandter im Namen der Familie der Gemeinde zu danken und als Oberrabbiner im Namen der Gemeinde zu sprechen. Beides gelang ihm trefflich. Der Eindruck dieser rhetorischen Leistung war ein tiefgehender. Hieraus rezitierte Oberkantor Teweles mit seiner schönen Baritonstimme das Kl mole rachamim Nach Schluß der Feier gingen die Teilnehmer an die Besichtigung des Grabdenkmals. Das Grabdenkmal präsentiert sich als ein großer Sarkophag, dessen Höhe 2.20 Meter, dessen Breite 1.60 und dessen Tiefe 2.40 Meter mißt. Er ist aus dunkelgrünem schwedischen. Syenit, die Gehänge aus Dyoritt. Für das Grabmal war von der Prager isr. Kultusgemeinde eine Konkurrenz ausgeschrieben, aus welcher der hiesige junge Architekt Paul A. Kopecky als Preisträger hervorging. Marokkanische Juden beim König Alfonso. Vor kurzem empfing König Alfonso von Spanien eine Abordnung der spanisch-jüdischen Gesellschaft in Tanger, welche dem König namens der über ganz Marokko verbreiteten Gesellschaft die Huldigung darbrachte. Der König empfing die Deputation huldvoll und versprach, die Juden in dem zu Spanien gehörigen Teil Marokkos materiell und moralisch zu unterstützen. Diese Audienz hat insoferne eine historische Bedeutung, als sie in der neueren Geschichte Spaniens den ersten Fall darstellt, daß ein spanischer König einer jüdischen Deputation eine Audienz gewährt. Die marokkanische Anleihe Frankreichs. „L'Univers Jsraelite" schreibt in seiner Nummer vom 6. März': Am 28. Jänner hat die Kammer die marokkanische Anleihe votiert. 5 Millionen sollen für die Opfer der Vorgänge in Fez, Marakesch usw. verwendet werden. Von dieser Summe soll, glauben wir, eine Million für die jüdischen Opfer des Metlah von Fez verwendet werden. Diese Ziffer ist ausfallend gering, nicht nur im Verhältnisse zu den Ansprüchen der Interessenten, sondern auch bei der noch so gerechten und peinlichen Bewertung der erlittenen Schäden. Würde man in Frankreich wissen, unter welchen Umständen das Mellah, d. h. das Ghetto von Fez, geplündert wurde, man hätte sich vielleicht nicht berechtigt gefühlt, die Ansprüche der Opfer zu reduzieren. Im Verlaufe der. Debatte in der Kammer wurden natürlich die Namen der marokkanischen Juden, dieser Pioniere des französischen Protektorates, nicht erwähnt. Selbst gelegentlich der Besprechung der Schulen und des französischen Unterrichtes in Marokko wurde wohl die Fakultät in Beysmouth, aber nicht der unter den schwierigsten Verhältnissen tätigen Schulen der Allianz Jsraelite Universelle in Marokko Erwähnung getan.