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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-03-20 · 12 (20.3.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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12 Dr. Bloch’s Zenttalotgan kür die gesamten Interessen des Judentums. Wien. 20. März 1914 Lrscbetnt jeden LreLtsg. Brief-Adresse: Wie«, ll/i, Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch'- Wochenschrift. Wie«. Inhalt. Leitartikel: Ein Erlaß gegen den Fremdenverkehr. — Gleiches Recht. — Dom Jahrmarkt des Lebens: Ein bisher unbekannter Ausspruch Voltaires über das Judentum. Eine bedeutsame griechische Kundgebung in Alexandrien. E ne Aktion zugunsten der Falascha. MoniSmuS und Judentum. Die Predigt im Judentum. Elektrische Straßenbahnen in Jerusalem. Die Jerusalem-Rente. — Korrespondenzen: Friedrich Pollak. Wien. Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten sür schulpflichtige Kinder. Die Boykottagitation in Galizien. Erfolge der Boykotthetze in Galizien. Der Boykott gegen die Hilfsvereinsschulen bleibt aufrecht. Tenkmalsenthüllung für weil. Ob^rrabbtner Dr. N. Ebrenfrld Marokkanische Juden beim König Alfonso. Die marokamsche Anleihe Frankreichs. Eine neue Kulturgesellschaft in Rußland. Prozeß wegen eines hebräischen Plakates. Der älteste Berditschewer Rabbiner gestorben. Der russische Senat beschützt die Ehre der Juden. Germanischer Antisemitismus in Rußland. Jüdische Wohltätigkeit in New Aork. Absolventen des Jaffaer Gymnasiums wandern nach Amerika aus. Die kanadische Regierung erschwert die Einwanderung russischer Juden. — Vermischte». — Feuilleton: Chewra-K'discha. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. OO' - -=ÜQ p >er»a»prrt» för «»fbrreftii: *-j Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare SO Heller. Für'» «»»lenk: Halbjährig 10 Kronen. SanzjLhrtg 20 Kronen. «»zeigen: Di« «alaespa!» 2 tene PeMzeUe 4g Heller. C oO ■ " ■) 0(r O M. k. P»stsp«rk»ls,nmnr Slesrtng-Verß ebr Ht 810.976. Redaktion und Administration. / »len ll/i. Praterstraße 9 Oo 9 Telefon 14847 oiL =DO Gin Erlaß gegen den Fremdenverkehr Der Fremdenverkehr in Tirol ist schon oft in unangenehmer Diskussion gestanden und bedeutet ein Kapitel, das uns Juden besonders interessiert. Bekanntlich werden aus den öffentlichen Steuergeldern im Laufe der Jahre und im Wege des Arbeitsministeriums viele Millionen ausgegeben, um den Strom des Fremdenverkehrs nach Tirol zu lenken und das ist auch ganz in Ordnung. Das märchenhaft schöne Land mit seinen ununterbrochenen Ketten gigantischer und gletscherbedeckter Kalkalpen, wild zerrissener und romantischer Dolomiten ist leider erst in der letzten Zeit halbwegs erschlossen worden, sonst wäre es längst schon als Dorado Europas bekannt und den ganzen Sommer über von einer Menge von fremden Gästen erfüllt. Es ist nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht der Regierung, die Propaganda und die technische Kulturarbeit für das Land fortzusetzen und Menschen aus aller Herren Länder einzuladen. Es handelt sich. nicht nur darum, daß sie für ihr Vergnügen viel Geld ausgeben, sondern daß sie auch im näheren und ferneren Umkreise ganz Oesterreich kennen lernen, was von großem Vorteil ist gegen die Vorurteile und für den Frieden in der äußeren Politik. Wenn also die Regierung auf einen guten Zweck in löblicher Art hinarbeitet, so sollte sie doch wenigstens dafür sorgen, daß ihre Absichten nicht immer wieder von ganz bestimmter Seite durchkreuzt und behindert loerden. Es ist nicht im mindesten unsere Absicht, das retigiöse Moment heranzuziehen, aber wir stellen die höchst bedauerliche Tatsache fest, daß von klerikaler Seite alles mögliche geschieht, um den Fremdenverkehr in Tirol unmöglich zu machen. Was alljährlich zu Beginn der Saison in den klerikalen Blättern zu lesen ist, muß jedem Nichtkatholiken und sogar jedem freisinnigen Katholiken gründlich die Lust benehmen, in Tirol auch nur vorübergehend Aufenthalt zu nehmen. Die Oeffcntlichkeit dieser Blätter ist nicht gerade sehr groß, aber etwas sickert doch aus ihnen in die Weltpresse durch und die protestantischen Deutschen, diese großmütigen und großartigen Erschließe! des Hochgebirges, erfahren so den merkwürdigen Dank für ihre Arbeit. Zwar ist die Bevölkerung Tirols im allgemeinen sehr liebenswürdig und entgegenkommend. Bei ihrer Ergebenheit gegen die Kirche ist es jedoch nicht äbzusehen, welche Folgen die wütende Fremdenhetze nach sich ziehen kann und welche Leidenschaften in ihr hervorgerusen werden. Bei seinen Wirten nur geduldet und vielleicht einmal gefährdet zu sein, ist wohl kein Moment, das ein Fremder während seines Sommerurlaubs haben möchte. . Jetzt ist ein Zeichen gekommen, daß die feindselige Hetze sobald kein Ende nehmen wird. Fürstbischof Endrici von Trient hat einen Hirtenbrief erlassen, der sich sehr stark gegen den Fremdenverkehr wendet und ungefähr folgendes ausführt: „Durch den Fremdenverkehr komme das Volk mit Leuten in Berührung, die eine ganz andere Lebensweise und Lebensanschauung haben. Diese Leute seien religiös vielfach gleichgiltig oder gar der katholischen Religion gegenüber feindlich gesinnt. So sei es auch gekommen, daß auch Andersgläubige in Tirol wohnen, die Kirchen und Schulen erbauen und damit wurde auch die Glaubenseinheit zerstört, die bisher den Ruhm des Landes bildete. Diese Berührung mit den Fremden übe bei vielen aus dem Volke einen ungünstigen Einfluß auf Religion und Sittlichkeit." Die Worte des Fürstbischofs von Trient nehmen nun noch eine ganz andere Gestalt an, bis sie auf den Kirchenkanzeln der Dörfer und in den klerikalen Blättern als Parole verkündet werden, und sie sind daher wirklich geeignet, eine Unruhe im Lande zu erzeugen, welche wohl dem Ruhebedürfnis des Urlaubs und der Vergnügungsreise wenig entspricht. Der Hirtenbrief veranlaßte denn auch einige deutschbürgerliche Tiroler Abgeordnete, in einer parlamentarischen Interpellation sich gegen die Schädigung der Volkswirtschaft zu verwahren. Allerdings haben diese Herren nur wenig moralisches Recht dazu, denn unter ihrer Patronanz und von ihren radikalen Gesinnungsgenossen ist in einzelnen Tiroler Orten der Judenboykott ausgesprochen worden und sie haben sich nicht zu beklagen, wenn es ihnen eine andere Partei im größeren Umfange nachmacht.

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