Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 11 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 176 Dr. Bkochs Wochenschrift. Nr. 11 London. Folgender Dialog zwischen einem unserer nichtjüdischen Richter und einem Verteidiger dürfte nicht ohne Interesse für Ihre Leser sein. Bert.: Wenn ein Jude Geld verliert, pflegt er Dinge vorzubringen, die nicht gänzlich aus Wahrheit beruhen. Richter: Es würde mir leid tun, ein derartig scharfes Urteil über dieses Volk ergehen zu lassen. Bert.: Es tzibt Juden und Juden. Richter: Es war stets meine Ansicht, daß in geschäftlicher Handlungsweise die Juden ein sehr ehrliches (honourables) Volk sind. Ich habe oft Leute sagen gehört, daß sie es vorziehen, mit einem Juden als mit irgend einem anderen Geschäfte zu machen. Sie mögen scharfe Bedingungen auferlegen, aber sie sind ehrlich. Der Richter ist der Recorder beim Old Baily, dem Haupt-Kriminal-Gerichtshof, Sir Forrest Fulton. Der Präsident des Verbandes der republikanischen Journalisten von Frankreich. Aus Paris wird uns geschrieben: Der Verband der republikanischen Journalisten von Frankreich hat in seiner jüngsten Sitzung den Senator Paul Strauß zum Präsidenten für das Jahr 1914 gewählt. Auszeichnungen in Frankreich. Das französische Amtsblatt meldet: Der Chef des Kolonialinfanteriebataillons Cahen hat für seine hervorragenden Leistungen und sein heldenmütiges Verhalten aus dem Kriegsschauplätze in Marokko das Offizierskreuz der Ehrenlegion erhalten. — Marinechefingenieur erster Klasse M. Auscher wurde zum Marinegeniedirektor befördert und gleichzeitig zum Schiffsbaudirektor in Rochesort ernannt. Der griechische Volksdichter Matzoucas beim Groß- Rabbiner. Aus Saloniki wird uns gemeldet: Der bei den Griechen hochangesehene Volksdichter Matzoucas stattete dieser Tage dem Großrabbiner Jacob Meir einen Besuch ab, der über eine halbe Stunde währte. Matzoucas versicherte den Großrabbiner, daß er seinen ganzen Einfluß darauf verwende, um den Tag herbeizuführen, da Griechen, Juden und Türken sich in dem Patriotismus für das neue Vaterland vereinigen werden. Er betonte, daß er seinen Kompatrioten bei - jeder Gelegenheit die Juden als Muster der Lohalität hinstellte, die besonders jetzt bei der Sammlung zugunsten eines Denkmals für den ermordeten König Georg in so schöner Weise zum Ausdruck komme. Interessant ist, daß Matzoucas dem Großrabbiner ein seidenes Taschentuch als Andenken zurückließ, um „die Tränen der Freude über den Sieg Griechenlands" zu trocknen. Ein Jude Obmann der Geschwornenbank in Rußland. Aus Jekaterinoslaw wird dem „Haint" gemeldet: In Tangarog haben die Geschwornen bei Behandlung eines Kriminalfalles das jüdische Mitglied der Geschwornenbank Jsakosf zu ihrem Obmann gewählt. Der Staatsanwalt Juschkofski hat jedoch unter Berufung auf das Gesetz, welches bestimmt, daß zum Obmann eines Geschwornengerichtes nur ein rechtgläubiger Russe gewählt werden dürfe, gegen die Wahl Jsakosfs protestiert und gefordert, daß die Geschwornen an seiner Stelle einen anderen Obmann wählen. Dieser Protest des Staatsanwaltes hat auf die Geschworenen einen um so ungünstigeren Eindruck geübt, als Jsakoff schon früher wiederholt zum Obmann von Geschwornengerichten gewählt wurde und sich in dieser Würde stets vollkommen bewährt hat. Unverläßliche Muselmänner. In Petersburger jüdischen Kreisen erweckt der folgende Vorfall peinliches Aufsehen. Schon seit zwei Jahren besteht zwischen den jüdischen und den mohammedanischen Mitgliedern der russischen Reichsduma ein Kompromiß in der Richtung, daß die beiden Parteien bei allen ihren Aktionen zugunsten der Abschaffung bestehender Rechtsbegrenzungen nichtchristlicher Konfessionen auch zugunsten der anderen Konfession tätig sein werden. Nun haben die mohammedanischen Dumadeputierten einen selbständigen Antrag eingebracht, in welchem sie verlangen, daß die Duma sich gegen die bezüglich der mohammedanischen Advokaten bestehenden Begrenzungen durch eine Resolution ausspreche, ohne in diesem Antrag der jüdischen Advokaten, die unter den gleichen Begrenzungen leiden, auch nur mit einem Worte zu gedenken. Die Mohammedanischen Deputierten haben es auch verabsäumt, ihre jüdischen Kollegen, welche von dieser Aktion erst durch die Presse erfuhren, vorher von dem geplanten Schritte zu unterrichten. Die „Gnaden" des russischen Bildungsministers. Der russische Bildungsminister beschloß, die in den Mittelschulen und einzelnen höheren Lehranstalten schon längst eingeführte Perzentnorm für jüdische Schüler auf die Weise zu realisieren, daß zwischen den Petenten das Los entscheiden möge, wer bis zu dem normierten Perzentsatz in die betreffende Lehranstalt ausgenommen werden soll. Journalisten gegenüber, welche den Gehilfenminister Taube darüber befrugen, weshalb die Regierung zu diesem Auskunftsmittel gegriffen habe, erklärte der Herr Vizeminister, daß die Regierung darin einen ganz besonderen Gnadenakt den Juden gegenüber erblicke, weil bisher nur der. sehr reiche Jude durch Protektion und ähnliche Mittel sein .Kind in die Mittelschule bringen konnte, während der ärmere Schüler ausgeschlossen blieb. Nun soll das sicherlich unparteiische Los hierin eine gerechte Ausgleichung herbeiführen. Dieser perfiden Aeußerung gegenüber bemerkt der jüdische Rechtsanwalt und Politiker Dr. Winawer in Petersburg mit Recht, daß diese Losung sicherlich keinen anderen Zweck habe, als das Durchschnittsniveau der jüdischen Mittelschüler künstlich heraüzudrücken. Während nämlich bis nun zumeist Schüler mit Auszeichnung im Rahmen der Prozentnorm ausgenommen wurden und die weniger begabten unberücksichtigt blieben, wodurch der jüdische Schüler in der betreffenden Klasse gewöhnlich über seine russischen Kollegen hervorragte, soll von nun ab diese, „unangenehme Erscheinung", wie die russischen antisemitischen Blätter sich auszudrücken pflegen, verschwinden. Ueberdies rechnet die Regierung auch damit, daß das Los solche arme Schüler treffen könnte, welche nicht in der Lage sein würden, die Kosten des Studiums auf die Dauer zu tragen und dadurch gezwungen wären, das Studium aufzugeben. So sehen in Wirklichkeit die Gnaden der russischen Regierung aus. Kämpfe zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern in Palästina. Wie die hebräische Zeitschrift „Hapoel Hazair" meldet, kommt es zwischen den jüdischen und arabischen Arbeitern in Chedera fast ununterbrochen zu den heftigsten Zusammenstößen, bei welchen es auf beiden Seiten mehr oder minder schwer Verletzte gibt. Die Araber wollen es nicht dulden, daß sie durch jüdische Arbeiter verdrängt werden, andererseits demonstrieren die jüdischen Arbeiter, wenn, was in den allerneuesten Fällen geschieht, jüdische Garten- oder Grundbesitzer sich der arabischen Arbeiter bedienen. Hieraus entstehen dann die blutigen Zusammenstöße, welche durchaus nicht geeignet