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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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SeUt 160 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 10 Zeitschrift „Ter Radikale" noch während der Oktoberrevolution republikanische Tendenzen in deutscher Richtung zu verbreiten gesucht, wozu er mit dem flüchtigen Karl Tausenau und den Hingerichteten Becher und Jellinek in enger Verbindung stand, und hat überdies im Oktober v. I. als Mitglied des demokratischen Zentralvereines in Wien bis zur Einnahme der Stadt durch die k. k. Truppen fungiert: derselbe würde daher im Falle seiner Betretung wegen des Verbrechens der tätigen Beförderung des Aufruhrs der strafgerichtlichen Behandlung zu unterziehen, und da sich seine gefährliche Wirksamkeit wegen ve suchter Bildung des Landsturmes auf die Vorzeit des Belagerungszustandes der Haupt- und Residenzstadt erstreckt, dem Wiener Kriminalgerichte zur Amtshandlung zu übergeben sein. Das Vorkommen dieses Individuums ist strengstens zu überwachen, dasselbe bei seiner Erscheinung sogleich festzühalten und der nächsten politischen Obrigkeit zur weiteren Ablieferung zu übergeben. Hradisch, den 17. Oktober 1849. ' Kankowsky m. p" Als Flüchtling sollte Kolisch in Paris Hunger und Elend durchmachen. Durch den Roman „Kossuth und Metternich" war Heine auf ihn aufmerksam geworden und lud ihn ein. Kolisch erzählt über diesen Besuch bei dem kranken Dichter: „Eine wohlbeleibte Frau mit roten Backen empfing mich, fragte nach meinem Namen und ging, um mich anzumelden. Eine Minute darauf kehrte sie zurück und lieh mich in die KrankenstükP treten. Leisen Schrittes folgte ich der Weisung. Run befand ich mich in Gegenwart des ausgezeichneten Menschen, dessen Worte und Lieder eine Welt erheitern und bewegen. Aber wie traurig wurde mir zu Mute, als ich den bewunderten Heine auf dem Krankenlager vor mir sah, totenblaß, abgemagert, die Augen geschlossen, mit Schmerz und Elend in ungleichem Kampfe! Das enge Gemach, die verschossenen roten Möbel, der auffallende Abgang von Sorgfalt und Ordnung waren eben auch nicht geeignet, meinem gepreßtem Gemüte Erleichterung zu verschaffen. Mit schwacher Fistelstimme begrüßte mich der kranke Dichte", und mit dürren Fingern zeigte er auf einen vielgebrauchten Lehnstuhl zu Füßen des Beltes und lud mich ein, Platz zu nehmen. Ich setzte mich, einige Worte herkömmlicher Höflichkeit stammelnd: der Schmerz ob der tragischen Heimsuchung vor meinen Augen schnürte mir die Kehle zu. Aber kaum war der Austausch der üblichen Einleitungsreden erfolgt, lenkte der Leidende das Gespräch auf Fragen der Zeit, auf Gegenstände und Persönlichkeiten von hohem Interesse und belebte durch seine scharf zugespitzten Bemerkungen die Unterhaltung derart, daß ich nach einer Viertelstunde den Jammer um mich her vergessen hatte und an dem funkensprühenden Geiste des Kranken mein Vergnüaen fand. Als ich ging, sagte mir Heine in seiner Weise: „Ich bitte, kommen Sie bald wieder und kommen Sie oft. Sie glauben nicht, wie angenehm Ihr Organ meinem Ohre klingt. Also auf Wiedersehen!" Er reichte mir die kalte, magere Hand. Fast täglich besuchte ich den leidenden Poeten, der mir immer zutraulicher, immer wohlwollender entgegenkam. Schade, daß eine Störung eintrat. die mich von dem berühmten Manne für immer entfernte." Nachdem sich die Verhältnisse Kolisch' gebessert hatten, konnte er im Iahre 1854 wieder nach dem gelitten Italien reisen. Während der folgenden Jahre lebte er in Paris als Journalist und Korrespondent auswärtiger Blätter. Am Anfang des Jahres 1657 erhielt Kolisch das ersehnte Dokument, welches besagte: „Seine k. k. apostolische Majestät haben mit allerhöchster Entschließung vom 16. Jänner d. I. Ihnen in B^ug auf Ihr politisches Benehmen im Jahre 1846 die von Ihnen erbetene straffreie Rückkehr nach Oesterreich allergnädigst zu bewilligen geruht." Als Karl Emil Franzos im Iahre 1883 sein „Deutsches Dichterbuch aus Oesterreich" herausgab, in dem alle bedeutenden österreichischen Schriftsteller zu Worte kamen, nahm er auch Kolisch' Gedichte: „Echtes Glück", „Ermunterung", „Geschick" auf. Das letztere, welches der Verfasser häufig zu zitieren liebte, lautet: In seinem Zorn hat mir die Lebensstunden Ein finstrer Gott vergiftet und verflucht: Was ich gesucht, das Hab' ich nicht gefunden, Was ich gefunden, Hab' ich nicht gesucht. Im Dezember des Jahres 1686 erkrankte Kolisch in Göding und starb bald darauf. Kolisch, der in dem kleinen Orte an der Rordbähin wenig geistige Anregung fand, zog gerne die Studenten des Städtchens an sich heran, die zu belehren ihm viel Vergnügen machte. Diese wieder hingen ihm mit großer Liebe und Verehrung an. Einer von ihnen, der jetzige Politiker und Gelehrte Dr. Josef Redlich, widmete seinem um mehr als 50 Iahre älteren Freunde nach dessen Tode folgenden Nachruf: Ich Hab' dich geliebt, Ich Hab' dich geehrt: Nun bist ins Grab du gebettet. Von allem, was teuer mir ward und wert, Hab' ich nur Ein's mir gerettet. Der Schmerzen hefte Linderung. Man heitzt's wehmütig Erinnerung. Stiemte«. Dir englische Uebersetzung der jüdischen Bibel. Die amerikanischen Juden können mit Stolz auf ein Werk Hinweisen, welches dieser Tage seiner Vollendung zugesührt wurde. Es handelt sich um die englische Uebersetzung der gesamten hebräischen Bibel, des Pentateuch, der Propheten und der Hagiographen. Wohl gab es auch bisher schon englische Uebersetzungen der Bibel, doch wurden diese ausschließlich von christlichen Gelehrten besorgt und ließen, vom jüdischen Gesichtspunkte aus, vieles zu wünschen übrig. Diese Uebersetzung der Bibel ins Englische ist eine sorgfältige Arbeit, an welcher ausschließlich jüdische Gelehrte in Amerika teilgenommen haben. In den nächsten Tagen dürfte die Gesamtausgabe dieser englischen Uebersetzung im Buchhandel erscheinen, und da wird sich die Gelegenheit bieten, sich über den wissenschaftlichen Wert derselben des Näheren zu äußern. Tatsache ist, daß diese englisch-jüdische Bibel auch von den Juden Großbritanniens gegenüber den bisherigen englischen Ausgaben der heiligen Schrift bevorzugt werden wird. „Reschumoth". Eine hebräische Revue für jüdische Altertumskunde, Ethnographie und Folklore. Wir erhalten den Prospekt einer interessanten, in zwanglosen Heften erscheinenden neuen Revue, die ein reichhaltiges Programm entwickelt, interessante Beiträge aus allen Gebieten jüdischen Kulturlebens und Freunde der jüdischen Volkskunde eine willkommene Gabe sein wird. Der Dichter B i a l i k zählt zu den Herausgebern und schon sein Name ist Bürgschaft für die Gediegenheit des neuen literarischen Unternehmens, welche in dem rühmlich st bekannten Verlag „Morjäy" erscheinen soll. Adresse für Zuschriften: Verlag „Morjah", Odessa, für „Reschumoth". Das antisemitische Hauptdogma, beleuchtet von Geheimrat Pros. Dr. Phil, et theol. Ed. Koenig in Bonn (A. Marcus & E. Webers Verlag Bonm) Preis 1,50 M Der Antisemitismus ist unstreitig einer der häßlichsten Auswüchse am Baume der Kultur, und, wie es den Anschein hat, will mit seiner Häßlichkeit seine Dauerhaftigkeit um den Rang der Stärke wetteifern. Anstatt durch die bisherige Bekämpfung sich besiegt zu fühlen, tritt er immer von neuem nm Angriffen hervor,

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