Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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gute 158 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 10 enthusiastischen Beifallsbezeugungen, mit welchen die zur Begeisterung entflammten Zuhörer ihre innigste Dankbarkeit bezeugten. Am 7. Februar spielten Konzertmeister Dr. Otto K a p e r l und die Pianistin Frl. Margit Schwarz, am 14. Februar Professor Frühling und der Violinvirtuose Wiedenfeld herrliche Kammermusikstücke für Violine und Klavier und der Schriftsteller Mar V a 11 a s z rezitierte eigene fein humoristische Dichtungen mit geradezu hinreißender Wirkung. Der nächste Samstag brachte einen Liederabend, an welchem der bekannte Meistersänger Victor Heim und die ausgezeichnete Sängerin Fr. Else Kaulich einen ganzen Blütenkranz der schönsten Lieder und Arien mit immer steigender Wirkung zu Gehör brachten, und durch enthusiastischen Beifall zu immer neuen Zugaben gezwungen wurden. Am 28. Februar arrangierte die Gesangsmeisterin Frl. Freystädt einen Vortragsabend ihrer Schülerinnen; die schönen Liedervorträge derselben, sowie die vortrefflich studierten 3 stimmigen Frauenchöre gaben den Beweis für die ausgezeichnete musikalische Ausbildung durch die vortreffliche Lehrerin, die selbst durch ihre eigene Gesangsleistung, besonders in den ergreifenden Liedern von Cohn- Speyer, alle Hörer entzückte. Herr Cohn-Speyer war von dem schönen Abend und der ganzen Institution der Toynbeehalle, über die er sich eingehend informieren ließ, so befriedigt, daß er dem Obmann Dr. L amuely den Betrag von tausend Kronen für die G urichtung des geplanten Neubaues übergab. 'Alle Mitglieder und Gönner der Toynbeehalle werden gebeten, zu der Sonntag, den 8. März, IX., Universitätsstraße 4, Mezzanin, um 10 Uhr vormittags stattfindenden Generalversammlung zu erscheinen. Bei derselben, sowie bei der um 11 Uhr ebendaselbst stattfindenden Generalversammlung des Vereines zur Errichtung von Horten für schulpflichtige Kinder, wird über die sensationelle, hochherzige Stiftung eines Wohltäters berichtet werden, die es eben ermöglicht, daß schon im nächsten Winter die Toynbeehalle und die Kinderhorte in einem ihren Zwecken voll und ganz entsprechenden eigenen Heim untergebracht werden. „Beth Haam" (Jüdisches Volksheim) XVI., Wurlitzergasse 11. Samstag .den 7. März, Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Heinrich Grün über „Hunger und Liebe." Mittwoch, den 11. März, ö/ß Uhr abends: „Neujüdische Renaissance", Herr Wilhelm Felder. Um 7 Uhr wird der Tee verabfolgt. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Anmeldungen von Vorträgen oder Mitwirkungen bei Konzertett wolle man an den Präsidenten Dr. Martin Förster, XVI., Thaliastraße 22, gelangen lassen. Austritte aus dem Judentum. Vom 22. Februar bis 28. Februar 1914. Neumann Georg, Ingenieur, geb. 1. Oktober 1883, Wien, II., Kronprinz Rudolfstrasse 23. Roseozweig Esther, Hilfsarbeiterin, geb. 15. April 1885, Czecz. Ungarn. Russe geb. Politzer. Julias Eugen, Beamter, geb. 16. Juni 1885,, Kagran, IV., Wiedner Gürtel 42. Schneider Gisela, Näherin, geb. 5. Oktober 1882, Wien, II., Sluwerstrasse 31. Tarney Julias Eugen, Handlungsgehilfe, I., Zelinkagasse 13. Tasch Aranka geb. Ungar, geb. 2. September 1882, Selmeczbanya, XX., Brünnerstrasse 44. * * * Ter Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Berthold Thor f ch, dessen Austritt aus denr Judentum wir letzthin gemeldet haben, ersucht uns mitzuteilen, daß er sich konfessionslos erklärt habe. Trebitsch. Herr Kantor Kurzweil aus Wien wurde nach einem beifällig aufgenommenen Probevortrag per Akklamation als Kantor gewählt und hat derselbe am 1. März a. c. den Posten angetreten. Mähr.-Ostrair. (W ohltätigkeitsveranstaltuitg.) Der israelitische Frauen-Wohltätigkeitsoerein hat am Sonntag nachmittags in den Räumen des „Hotel National" nach dem Muster der Großstadt einen Fünf-Uhr-Tee veranstaltet, der nicht nur in allen seinen Teilen als gelungen bezeichnet werden kann, sondern auch gewiß eine baldige Wiederholung finden wird. Der rührige Verein, der in aller Stille seinem humanen Ziele nachgeht, Not und Elend zu lindern, wendet sich von Zeit zu Zeit an die Oefsentlichkeit mit der Bitte um Förderung dieses Strebens. Und der sprichwörtlich gewordene Ostrauer Wohltätigkeitssinn ist auch diesmal willig diesem Appelle gefolgt. Das unermüdliche Damenkomitee mit Frau Direktor Si r a s n y und Frau Doktor Spira an der Spitze, unterstützt von einer Schar junger Damen, machte die Honneurs und kredenzte Tee und Kaffee, mit feinen Leckerbissen. Eine ganz^ besondere Anerkennung muß einer Reihe von Mitgliedern des wtadttheaters gezollt werden, die in selbstloser Weise sich in den Dienst der Wohltätigkeit stellten und durch ernste und heitere Deklamationen, wie durch Gesangsverträge mit einem feingewählten Programm das Publikum auf das beste unterhielten. An den Vorträgen beteiligten sich in ganz hervorragender Weise die Damen Hoppe, Mertens, m Sonne n t h a l, VioIin und W i p p e r i ch, sowie die Herren A rm i d i, A u r i ch und Wahr. Weiters brachte Herr Josef Roth einige Lieder prachtvoll zum Vortrag und erntete reichen Beifall. Die Klavierbegleitung hatten die Damen Engländer, A r m i d i und der 2. Kapellmeister des Stadttheaters übernommen. Die Veranstaltung harte ein namhaftes Reinerträgnis. Innsbruck. (Vierzig Jahre Zensor der Notenbank.) Herr Wilhelm Dann haus er, welcher nun durch 40 Jahre das Ehrenamt eines Zensors bei der hiesigen Filiale der Oesterreichisch-ungarischen Bank ausübt, erhielt von der Direktion in Wien ein ehrenvolles Dank- und Glückwunschschreiben, in dem ihm für sein ersprießliches Wirken und die selbstlose Mühewaltung im Dienste der Volkswirtschaft die volle Anerken-. nung ausgedrückt wird. Budapest. Den Schulsragen wird in den hiesigen jüdischen Kreisen ein besonderes Interesse entgegengebracht und so las kürzlich der Prof, der k. Oberrealschule von Stulweißenburg Dr. Aladar F ü r st infolge Einladung der ungar. isr. Literaturgesellschaft, im Prunksaale des Lloyd, über die von ihm im vergangenen Sommer besuchten jüdischen Mittelschulen in Deutschland, deren älteste, die Samsonschule in Wolfenbüttel, im Jahre 1786, deren jüngste, die Israel. Höhere Schule in Leipzig, 1912* begründet wurde. Prof. Fürst schilderte die Geschichte und die Leistungen dieser Anstalten, die er eingehend studiert hatte, und war der am Schlüsse, des ungemein interessanten und spannenden Vortrages von der großen Zuhörerschaft dem Redner gespendete rauschende Beifall ein wohlverdienter. Das Interesse für den Vortrag war auch atts dent Grunde ein großes, da schon sehr bald ein großzügig angelegtes jüdisches Gymnasium in Budapest eröffnet werden wird. Ä. Smyrna. Der Vizepräsident des österreichisch-ungarischen Hilfsvereines in Smyrna Herr Ludwig Maulwurf wurde vom Kaiser in Anerkennung seiner langjährigen gemeinnützigen Wirksamkeit auf wohltätigem Gebiete und in Anerkennung seiner Verdienste um das wirtschaftliche und moralische Gedeihen der österreichischungarischen Kolonie zum königlich ungarischen Rat ernannt. Feuilleton. Mn Dichter des Uormiirz Im Jahresberichte der deutschen Landesoberrealschule in Eöding veröffentlicht Professor Dr. Oskar Donath eine interessante Abhandlung über Siegmund Kolisch, einen fast schon vergessenen Dichter und Schriftsteller des Wiener Vormärz, der auch an der Bewegung des Jahres 1848 tätigen Anteil nahm und dessen 25. Todestag sich zu Weihnachten 1911 geführt hat. Ko lisch war am 21. September 1816 zu Koritschan in Südmähren gebürtig. In Wien widmete er sich an der philosophischen Fakultät dem Studium der klassischen Literatur, Aestethik, Kunstgeschichte und mit besonderer Vorliebe der Geschichte und Philosophie der Geschichte. Sehr früh fing Kolisch an, sich als Schriftsteller zu betätigen. Am Anfänge der 40er Jahre muß er bereits im Kreise der Wiener Schriftsteller bekannt gewesen sein. Der anonyme Verfasser des berüchtigten Pamphlets „Der österreichische Parnaß, bestiegen von einem heruntergekommenen Antiguar", der sich in der frechsten Weise selbst an Dichter wte Gnllparzer und Bauernfeld heranwagr, sagt von Kolisch, welcher nebenbei bemerkt, nebst Broda der jüngste von den angeführten Bewohnern des Wiener Parnasses ist: „Äolisch Siegmund, geboren 1816, mittlere Figur, vornehmes Aussehen, elegant gekleidet, hübsche Zähne, etwas bildungsfähig noch im Benehmen, 'praktische Ansichten von Kunst, von Literatur weniA,