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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 156 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 10 Für die Waisen der jüdischen Helden. Aus Sofia wird uns berichtet: Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde beschloß in einer seiner jüngsten Sitzungen, für die Waisenkinder der in den letzten Balkankriegen gefallenen jüdischen Soldaten ein eigenes jüdisches Waisenhaus zu errichten. Es handelt sich zunächst um die Unterbringung und Versorgung von fünfzig jüdischen Waisenkindern, die durch den Verlust ihres Vaters in die größte Not gerieten. Die jährlichen Erhaltungskosten dieses vorläufigen Waisenasyls wurden mit 30.600 Francs veranschlagt. Erst wenn das nötig-' .Kapital aufgebracht werden wird, soll an die Errichtung eines größeren ständigen jüdischen Waisenhauses geschritten werden, in welchem auch diejenigen Waisenkinder Unterkunft finden sollen, die jetzt anderweitig untergcbracht sind. Demonstration gegen die Rothschilbfchcn Ausgrabungen in Jerusalem. Aus Jerusalem wird gemeldet, daß dort dieser Tage eine mehrhundertköpsige Versammlung von Inden gegen die Ausgrabungen, welche im Aufträge des Baron Rothschild jetzt in der Nähe des Oelberges und au anderen Stellen durchgeführt werden, öffentlich Protest erhoben. Nach der Versammlung bewegte sich der seltsame Demonstrationszug durch die Straßen von Jerusalem. Die aschkenasischen Juden waren mit Psalmbüchern versehen, während die yemenitischen Juden, die sich dem Demonstrationszuge anschlossen, zum Zeichen der Trauer Lulaf und Hoschauoth in den Händen, über die große Sünde wehklagten, welche in den Ausgrabungen begangen wurde. Wie wir erfahren, handelt es sich darum, daß die Arbeiter während der Ausgrabung aus eine Höhle stießen, auf welcher Menschengebeine zutage gefördert wurden. Es ist wahrscheinlich eine jener Höhlen, die zur Zeit von Epidemien als gemeinsames Grab benützt wurden. Der Protest richtete sich nun dagegen, daß die Toten in ihrer Ruhe gestört wurden. Herr Antebi, auf dessen Namen die Konzession für die Ausgrabungen erteilt wurde, beruhigte anfangs vergebens die Demonstranten, indem er versprach, für eine würdige Wiederbestattung der Ueberreste zu sorgen, die angesammelte Menschenmenge schenkte ihm keinen Glauben und es kam zu solch argen Ausschreitungen, daß die Polizei bedauerlicherweise Anlaß fand, energisch einzuschreiten, wobei es zu Verhaftungen und Verletzungen kam. Die Ausgrabungsarbcitcn wurdet! auf einige Zeit sistiert. Eine Warnung der Jra. Da die Direktion der jüdischen Kolouifatimsgesell schaft Jca in Paris aus verschiedenen Gegenden Rußlands, Galiziens und Ungarns Gesuche um Ueberlassuna von Boden in den Jca-Kolonien in Brasilie n erhält, ersucht sic bekanntzugeben, daß im Jahre 1914 nur eine geringe Anzahl jüdischer Familien, welche sich jedoch bereits in Brasilien befinden, in den Jca-Kolonien angesiedalt werden. Sowohl im Jahre 1914, als auch in den darauffolgenden drei Jahren ist eine Anfiedlung neuer Ankömmlinge in den brasilianischen Kolonien der Jca völlig ausgeschlossen, da sie über keine freien Plätze verfügt. Beilis — Mazoch. Im Ezcnftochauer Zirkus kam es dieser Tage, wie uns aus Warschau geschrieben wird, zu einem argen antisemitischen Skandal. Der jüdische Ringkämpfer Brodsky rang mit einem christlichen Gegner und war eben daran, ihn zu überwältigen, als die anwesenden Christen in ein furchtbares Geheul ausbrachen und ununterbrochen schrien: „HinauA mit dem Beilis!" Brodsky, ein ungewöhnlich starker Mensch, unterbrach den Ringkampf und rief mit der größten Seelenruhe den Schreiern zu: „Ich schäme mich durchaus nicht, daß ihr mich Beilis nennt, aber ich nenne euch alle und jeden separat Mazoch!" (Mazoch ist bekanntlich jener heilige Mönch, aus dem Czenstochauer berühmten Wallfahrtskloster, der mit seiner Geliebten das Kloster bestahl und dem in der Gerichtsverhandlung die wüstesten Szenen im Kloster nachgewiesen wurden.) Diese mit der größten Seelenruhe hervorgebrachten Worte versetzten den antisemitischen Pöbel erst recht in unbändige Wut und es wäre zweifellos zu Blutvergießen gekommen, wenn die Juden, die im Zirkus anwesend waren, es nicht vorgezogen hätten, dem Ersuchen des einschreitenden Polizeioffiziers zu entsprechen, den Zirkus zu verlassen. Die Corpora Delicti des Beilisprozesses dennoch gerettet. Der Kiewer Gerichtshof hatte bekanntlich den Beschluß gefaßt, das gesamte Beweismaterial in dem Beilis- Prozeß der Vernichtung anheimzugeben. Ohne Rücksicht darauf, daß die Verteidigung gegen diesen Beschluß den Rekursweg betrat, war man in Kiew eben im Begriffe, das Autodafe durchzuführen, als die Affäre in Pastow sich zu einer neuen Ritualmordhetze ausgewachsen hatte. Die jüdischen Verteidiger im Beilis-Prozeß verdopp-.lien nun ihre Energie, um das erwähnte Material vor der Vernichtung zu retten, denn sie sahen es ja jetzt mit eigenen Augen, daß man in Rußland bei dem jetzigen Kurse keinen Tag sicher ist, von einer neuen Ritualmordlüge überrascht zu werden, und daß man' auch keine Gewähr dafür hat, daß, wenn einmal das gesamte Beweismaterial aus dem Beilis-Prozesse verschwunden ist, nicht etwa „Nowoje Wremja" und Konsorten mit der Verleumdung auftreten, daß das genannte Material die Beweise für die Schuld des Beilis enthalten habe und deshalb vernichtet wurde. Aber abgesehen hievon, hat die Verteidigung noch immer nicht die Hoffnung aufgegeben, den wahren Mörder Juschtschinskys stellig zu machen, für welchen Fall das Prozeßmaterial unerläßlich wäre. Dem energischen Einschreiten der Verteidiger ist es nun gelungen, von der Regierung zu erwirken, daß der Beschluß des Kiewer Gerichtes umgestoßen und das gesamte in Betracht kommende Material im Gerichtsarchive hinterlegt werde. vermischtes. Kranzablöfungsspeuden zugunsten der Chewra Kadischa in Wien I-, Scjtenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des sel. Hermann Kahn: Moriz Paunzen Kronen 30.—, David Kahn, Berlin, 5.—. Zusammen Kronen 35.— Anläßlich des Ablebens des sei. Josef E l k a n: Alexander Zirner Kronen 20.—, Rudolf Schmeidler 20.—, Melanie Müller 10.— , St. Martinek 10.—, M. Hermann 5.;—, Fam. (Silan 20.—. Zusammen Kronen 85.— Anläßlich des Ablebens der sel. Elisabeth Oe st erreich rr: Paul und Klara Fischer Kronen 10.—. Anläßlich des Ablebens der sei. Jolan Cohn: Mar Stern Kronen 40.—, kais. Rat Julius Stern 30.—, Dr. Josef Stern 20.—, Dr. Camill Kraus und Frau 20.—, Nanette Mautner 50.—, Ludwig Riesg 40.—, Direktor Eduard Braun und Frau 30.—, Charlotte Klinger 40.—, Dr. Norbert Klinger 20.—, kais. Rat Paul Lemberger 20.—, Kommerzialrat Herm. Gleistadtl 20.—, Rudolf Bichler 20.—, Relli und Dr. Alfred Stern 20.—, Emmy und Stefan Kriser 20.—, Kommerzialrat Julius Marburg 20.—, Kommerzialrat Gottl. Schnabel 20.—, Moritz K . . ., . 50.- , Georg Khuner 20.—. Zusammen Kronen 500.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Marie Pollak: Albine Pollak Kronen 10.—, Gustav Pollak 10.—. Zusammen Kronen 20.—. 1 Anläßlich des Ablebens der sel. Berta ll t a s s y: Marie Bürger Kronen 3.—.

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