Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 10 Dr. Bkochs Wochenschrift. Seite 151 namens Engel kennen gelernt, der ein Großgrundbesitzer war, der aber auch die Gleichberechtigung aller Konfessionen im Her- Len .getragen hat. und der für seine christlichen Landsleute, für seine Arbeiter eine Kirche hat bauen'lassen. Dieser Engel ist Ealimberti vorgestelltworden, der ihm die Hand gab und sagte: Unsere Kirche ist Ihrer ' Religion nicht feindlich, denn diese ist die Basis 'der katholischen Religion, .wie die Bibel, die Psalmen und die Propheten die Basis des Evangeliums sind. Versichern Sie Ihre Glaubensgenossen meiner Sympathien. Sehen Sie, ich habe Zeugen aus den Kreisen der katholischen Kirche für meine-Behauptung angeführt, daß der Antisemitismus mit der öffentlichen Moral nicht vereinbar ist; diesen Zeugen kann man die Berechtigung zu diesen Aeußerungen als mindestens objektiver Beurteiler nicht absprechen. Je höher der katholische Priester steht und je näher er dem Wesen der Religion ist, desto sicherer kann er den Grundsätzen. des Christentums, sowie sie der Lehre des. Stifters entsprechen, Rechnung tragen. Freilich, in den Niederungen ist ' vornehme Gesinnung, die. abgeklärte Huldigung vor dem Geiste des Christentums weniger energisch und da macht sich allerdings der streitbare Geistliche geltend, da kommt leider jener in den Vordergrund, den wir mit dem . Ausdrucke Hetzpfaffe bezeichnen. Es ist viel bequemer, Volksleidenschaften zu erwecken, als das Volk zu belHren und.es in die wahren Bahnen seines Heils zu. lenken. Ich meine , damit nicht das Heil irgend eines Glaubens, welches der Bevölkerung ein Jenseits verspricht, sondern ich 'meine das Heil der Wohlänständigkeit, der Gerechtigkeit und der wirtschaftlichen Entwicklung des Einzelnen und des ganzen Volkes. --7— (Schluß folgt.) Gin Kriefwechfel. In den reichsdeutfchen Tagesblättern erschien vor einiger Zeit eine Erklärung reichsdeutscher jüdischer Notabeln gegen den Zionismus, die sowohl wegen des ungewohnt scharfen Tones, in welchem der Kampf gegen Zionismus angekündigt wird, als auch wegen der Persönlichkeiten, die ihre Unterschrift unter diese Erklärung gesetzt haben, außerordentliches Aufsehen erregt hat. Unter den Unterzeichnern befindet sich auch der berühmte Philosoph, Geheimer Rat Dr. Hermann Cohen-Berlin. In zionistischen Blättern hatte deshalb Herr Justizrat Dr. Emil Fränkel-München folgenden „Offenen Brief" an Herrn Geh. Rat Cohen gerichtet: Sehr geehrter Herr Geheimrat! Als ich letzte Woche in Nr. 1 der Monatsberichte der Großloge für Deutschland Ihren Artikel über die Bedeutung unseres Ordens für die Harmonisierung der religiösen sozialen und internationalen Gegensätze las, war ich, wie immer, so oft ich Ihren Standpunkt in jüdischen Dingen kennen zu lernen das Vergnügen habe, von der im besten Sinne des Wortes jüdisch-ethischen Art, mit welcher Sie dieses Thema behandelten, von dem Geist der Ihnen in Ihrer Eigenschaft als Philosophen wie als Juden gleich wohl' anstehenden Toleranz auf das Höchste erfreut. Um so bestürzter war ich, als ich. tags darauf in einer größeren Tageszeitung Ihre Unterschrift-, hochgeehrter Herr Geheimrat, unter der antizionistischen Enunziation oder vielmehr Denunziation las. Sollte man es für möglich halten, daß ein Manu von Ihrer Autorität seinen Namen unter ein Schriftstück setzen läßt, welches gegenüber der nichtjüdischen Oeffentlichkeit einen Teil der deutschen Judenheit mit Acht und Bann belegt, die Bande der Gemeinsamkeit mit diesen unseren Glaubensgenossen zerrissen haben will und auf den Gebieten, welche mit Politik nicht das Geringste zu tun haben, also in. sozialen Fragen und jüdischen Kultusfragen eine gemeinsame Tätigkeit mit diesen unseren Mitbrüdern ausschließen will? Von Ihnen als Kenner jüdischen Wesens und jüdischer Ethik darf ich wohl voraus - setzen, daß Ihnen der herrliche Grundsatz nicht fremd ist, wonach der Einheit Gottes die Einheit der jüdischen Gemeinschaft entspricht. Und wenn ich es wage als Nichtziönist und lediglich in meiner Eigenschaft als Vertreter des positiven religiösen Judentums, als Ben Brith im weiteren und engeren Sinn, an Sie die Frage zu stellen, inwiefern Sie bei Ihrer Denkungsart und Ihrer Vergangenheit bei einer solchen Aktion mitwirken können, so schöpfe ich den . Mut zu dieser Frage aus der Ueberzeugung heraus, daß unter den Unterzeichnern dieser Kundgebung kaum ein ßinziger Vertreter des religiösen Judentums ist, insbesondere kaum einer, dessen religiöser Standpunkt auch'mit in Erkenntnis unserer heiligen jüdischen-Quellen wurzelt. Mögen einzelne .fanatisierte Agitatoren inr Zionismus rednerisch oder journalistisch.auch entgleist sein, nichts durfte doch Ihnen die Händ bieten, einem so beträchtlichen und so begeisterten Teil unserer Glaubensgemeinschaft in der Oeffentlichkeit den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Eine derartige Verleugnung des obersten jüdischen Prinzips würde einen Fanatismus bekunden, dessen ein Zionist schon infolge der Blutsgemeinschaft mit allen Glaubensgenossen niemals fähig wäre. Man hat zwar die Erklärung so abgefaßt, daß man sich im Notfall damit verteidigen kann, als ob nicht die Zionisten in ihrer Gesamtheit, sondern nur gewisse agitatorisch auftretende Elemente unter ihnen getroffen sein sollen: Es wäre dies aber, wie Sie, hochgeehrter Herr Geheimrat, sofort zugeben werden, eine plumpe Ausrede, denn man will doch nicht die nichtjüdische Oeffentlichkeit in allen großen Tageszeitungen gegen ein paar einzelne Personen verhetzen, sondern es ist ja deutlich zu lesen, daß der Zionismus als solcher der Gefährlichkeit geziehen und ihm gegenüber die Blutsgemeinschaft verleugnet werden will. Dabei ist es fast unfaßbar, in welcher Weise praktisch von den Unterzeichnern des Aufrufes die Scheidelinie gezogen werden will? Will etwa die Hinaustreibung aus Synagoge und Gemeinde, die Ausweisung aus den Vereinen und Logen als Ziel des heiligen Krieges gepredigt werden? Und richtet sich der App 11 an die deutschen Glaubensgenossen, auch weiterhin ein leuchtendes Beispiel auf allen sozialen und kulturellen Gebieten zu geben, im letzten Absatz dieser Kundgebung auch an diejenigen, mit welchen Sie die Bande ausdrücklich zerrissen halten? Es ist tief bedauerlich, solche Fragen aufwerfen und einem Manne wie Ihnen gegenüber noch besonders betonen zu müssen, daß man eine derartige Bloßstellung von Glaubensgenossen in alter Zeit als Mesiruth (Verrat) bezeichnet hat. Ich kann Ihre Stellungnahme nicht anders begreifen, als daß Ihnen doch in der Studierstube die Entwicklung der jungjüdischen Ideen in den letzten zehn Jahren entgangen sein muß; sonst müßten auch Sie, von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Zukunft des Judentums nur verbürgt wird von der Jugend, die entweder vom traditionell-religiösen oder vom zionistischen Ideal begeistert ist, die Zumutung, einen solchen Aufruf mit Ihrem großen Namen zu decken, mit Entrüstung zurückgewiesen haben. Meine unbegrenzte Hochachtung vor Ihrer Person mag Ihnen wohl der Umstand beweisen, daß unter all den Unterzeichnern der Erklärung Sie der einzige sind, mit dem mir eine Auseinandersetzung über diese von mir als Katastrophe empfundene Publikation ein Herzensbedürfnis ist. München, den 11. Februar 1914. Ihr ergebenster Dr. Emil Frankel, Justizrat. Antwort des Herrn Geh. Rat Pros. Cohen an Herrn Justizrat Fränkel: Sehr geehrter Heil- Justizrat! Ihr „offener Brief“ an mich motiviert sich als eine Auszeichnung für mich. Ich verkenne darin nicht Ihre Gesinnung und Ihr Wohlwollen, aber ich muß sie ablehnen. Und mit diesem Punkte muß ich meine Erwiderung beginnen. Mir ist es rührend und mahnend geblieben, wie die Sabbatliturgie feierliche Danksagung darbringt denen, die sich den öffentlichen Angelegenheiten unseres Gemeinwesens widmen. Da wird nur gefordert, daß sie es „mit Treue“ tun. Und die Treue, welche die Männer unserer modernen jüdischen Religiosität unserem Religionsleben erweisen, die sie mit erstaunlicher Aufopferung üben, sie ist ein Kultus von wahrhafter Frömmigkeit. Sie begreifen daher, daß es mich unangenehm berührt, wenn Sie diesen vielen verdienten Männern gegenüber mich mit Ihrer Anerkennung auszeichnen, während unser altes, tief durchdachtes Gebet sogar um die „Vergebung ihrer Vergehen“ bittet für diejenigen, welche für die Angelegenheiten der Gemeinde Sorge tragen. Ich gestehe Ihnen, daß ich jene Erklärung vielleicht, gar nicht unterschrieben hätte, wenn ich nicht die Pflicht in mir gefühlt hätte, mich in Reih und Glied zu steilem mit den Männern, welche in den Geschäften unserer Gemeinden mit treuer Hingebung arbeiten und dafür Tag um Tag von jener Partei angegriffen, verdächtigt und beschimpft werden. Wohin soll denn diese Art der öffentlichen Kritik führen? Wohin anders als zur Auflösung der freien Liebestätigkeit innerhalb unserer Gemeinde? Das wollte ich vorerst sagen. Nun aber zur Sache! Das Buch, das ich schreiben müßte, wenn ich meine Ansicht über den Zionismus hinlänglich begründen wollte, kann ich heute nicht schreiben. Ihren offenen Brief aber, möchte ich kurz beantworten, auch auf die Gefahr weiterer Mißverständnisse. Sie werfen mir vor. daß durch die „Erklärung“ die Gemeinsamkeit mit unseren Glaubensgenossen zerrissen werde „auf den Gebieten, welche mit Politik nicht das Ge-