Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seile 124 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 8 Verstorbenen gleichfalls ihren Obmann verloren hat, aus dem Tempel getragen und auf den Fourgon gehoben. Langsam bewegte sich der Zug weiter zum jüdischen Friedhof, wo am offenen Grabe Herr Dr. Zeller namens des Kuttusvorstandes in tiefempfundenen Worten Abschied von dem treuen Freund und Führer der Gemeinde nahm. Mit einigen herzlchen Trostesworten des Herrn Rabbiner Dr. G a n e t h an die Hinterbliebenen fand die würdige Feier ihren Abschluß. F- Lemberg. Der Verein „Hilfe", der jüdische Emigranten unterstützt, sendet uns einen Aufruf, Worin er alle jüdisch Fühlenden, insbesondere die Wohlhabenden, bittet, ihm durch Geldbeträge in seinem schwierigen und dankenswerten Werke beizustehen. Die Adresse für Geldsendungen ist i Ingenieur Isidor D o r n e r, Lemberg, Rapportgasse 7; für Korrespondenzen und sonstiges: Schewach Sirate, Lemberg, Batoregog. 38, II. Szered. Bei der am 8. d. M. stattgefundenen Konstituierung der Repräsentanz der aut. israel. Kultusgemeinde, wurden als Ausdruck des allgemeinen Vertrauens mit Akklamation Herr Iosef Weih zum Präses, Herr Benö Paskusz zum Vize-Präses, die Herren Mar Fuchsz und Wilh. Reich in den Vorstand, und Herr Heinrich Silber st ein zum Kassier gewählt. Breslau. Frau Rabbiner Dr- Tr eitel in Laupheim wurde von S. M. dem Kaiser durch Verleihung der Roten Kreuz-Medaille dritter Klasse ausgezeichnet. Frau Dr. Tr eitel ist eine Schwester des Dozenten am Breslauer Räbbinerseminar, Dr. M B r a n n. Dombrau-Orlau. Zu einem eindrucksvollen jüdischen Feste gestaltete sich das Gründungsfest der Ortsgruppe des Jüdischen Handlungsgehilfen-Verbandes. Die überaus große Zahl der Festgäste ließ auch rein äußerlich die Veranstaltung als größte bisher hier abgehaltene jüdische Feier erscheinen. Die Vertreter aller jüdischen Vereine und der Verbandsgruppen Mährisch-Ostrau und Teschen konnten wir am Feste begrüßen. Die formvollendete Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. W inte r st e i n aus Mähr. Ostrau. Fräulein Martha und Hilda Vorder, Fräulein Eisa Neu und Herrn Ben d e tz wurden für ihre gelungenen musikalischen und rezitatorischen Darbietungen lebhafter Beifall gespendet. Wahre Begeisterung erweckten dir nun folgenden Vorführungen des Jüdischen. Turnvereines Mähr. Ostrau, die teilweise nach hebräischem Kommando vorgeführt ein schönes Bild vom jungen Muskeljudentum zeigten und so das Verständnis für den hohen Wert der jüdischen Turnbewegung in neue Kreise trugen. Paris. Professor Dr. Ignatz Eoldzjeher, der berühmte Orientalist an der Budapester Universität, ist vom Pariser College de France eingeladen worden, an demselben die Vorträge einer Stiftung zu eröffnen, welche die Aufgabe hat, ausländische Gelehrte zur Mitwirkung an dieser Hochschule heranzuziehen. Belgrad. Unter den Resultaten der städtischen Wahlen in Serbien, muh man die Wahl des Herrn Schalom Rousso, Kandidaten der Regierungspartei, zum Stadtrat in Belgrad, hervorheben. Die Wahl des Herrn Rousso ist umso interessanter, als es das erste Mal ist, dah ein Jude in die städtische Verwaltung kommt und weil von allen Kandidaten Rousso die größte Stimmenzahl erhalten hat. Frankfurt am Main. Kaufmann Artur Forchhei - mer wurde zum Handelsrichter ernannt. Feuilleton. Miidchenheirne.*) Arbeit heißt die Parole der Gegenwart und weder Mann noch Frau kann sich ihrem Zwange ent^ ziehen. Unablähig sind wir darum bemüht, neue Wege zu finden, um unserer weiblichen Jugend neue Erwerbs¬ und Bildungsmöglichkeiten zu eröffnen. Kaum liegt die *) Aus dem deutsch-n Großlogkiiblalt. Schulzeit hinter ihnen, treibt es sie hinaus, namentlich aus den kleinen Städten, und Dörfern, dem Berufsleben, der Grohstadt zu. Welcher Umschwung im Iungmädchenleben! — Gestern noch ängstlich behütet von zärtlichen Mutteraugen und den engen Traditionen der Kleinstadtsitte, Heute unvermittelt hinaus in die Freiheit selbständigen Handelns gestellt. Aber wo nicht Zügellosigkeit das Kraftgefühl der Selbstverantwortlichkeit ablöst, zeigen sich fremd fühlende junge Mädchen bald niedergedrückt von dem dehnen nach einer liebevollen Umgebung, nach dem gewohnten Gedankenaustausch mit teilnehmenden Menschen. Denn die Berufstätigkeit soll sie wohl frei und stark inachen, soll und wird ihnen aber nicht ihre weibliche Eigenart rauben. Deshalb brauchen diese jungen Menschen einen sittlichen Halt, einen Wegweiser für ihr innerliches Leben. Diesen Zweck erfüllen in der besten Weise die „Mächenheime." Eine in den Jahren 1606 und 1907 von mehreren Vorstandsmitgliedern der Frauenvereinigung der Frankfurt-Loge durchgeführte Enquete hat gezeigt, wie schlecht zum großen Teile die jungen, im Berufsleben stehenden Mädchen in Frankfurt untergebracht waren. Für verhältnismäßig teures Geld bewohnten sie unfreundliche. unhygienische Räume und waren oft gesundheitlich gefährdet durch Zusammenwohnen mit leidenden Hausbewohnern. Licht, Beheizung, Bäder, warmes Wasser und dergleichen wurden stets ertra ertra und teuer berechnet. Am ungünstigsten waren die jungen Lehrmädchen gestellt, die wenig oder gar nichts verdienten. Gerade sie, die in den Entwicklungsjahren standen und besonderer körperlicher und geistiger Pflege bedurften, gerade sie mußten mit den schlechtesten Quartieren, mit der unzulänglichsten Beköstigung meist bei ungebildeten Leuten oder solchen, die selbst mit der Not des Tages zu kämpfen hatten, vorlieb nehmen. Doppelt kalt und doppelt liebeleer fanden sie des Abends ihre einsame, ungemiWche Stube. Was Wunder, wenn sie sich außerhalb des Hauses, leider auch manchmal auf der Straße, ihr Vergnügen, ihre Zerstreuung und Anregung suchten? Die Idee der Gründung von israelitischen Mädchenheimen lag nahe und überall, wo diese soziale Einrichtung bisher geschaffen wurde, hat sie sich bestens bewährt, ist sie nach kurzer Zeit zur Notwendigkeit geworden. Sind die Heime doch in erster Linie dazu da, gegen einen geringen Pensionsbeitrag, jungen alleinstehenden Mädchen, Schutz, Unterkunft und vollständigen Ersatz für das Elternhaus zu bieten. Man bestreitet heute garn nicht mehr den prinzipiellen Wert dieser Einrichtung. Man ist zur Ueberzeugung gelangt, daß eine Gruppe gleichaltriger, gleichartiger, auf ähnlicher Bildungsstufe stehender, ähnlichen Werdegang erstrebender Menschen sich durch das Zusammensein gegenseitig erzieht, fördert, abschleift, und daß der Geist der Ordnung und Pflicht, der gefordert wird, körperliches Wohl und sittliche Kraftentwicklung zur Folge hat. Welche Erziehungsfaktoren sind schon die in solchen Heimen selbstverständlich von den Insassinnen verlangte Selbstzucht, Selbstbeschränkung und Unterordnung. Nicht unterdrückt soll dadurch die Individualität werden, diese Eigenschaften sollen vielmehr jede einzelne über sich selbst erheben und die höchsten geistigen sittlichen und körperlichen Werte und Kräfte in ihnen zur Entfaltung bringen und auslösen. Welche Traulichkeit herrscht in einem solchen Heime! Vom frühen Morgen entwickelt sich alles in regelmäßiger Ordnung ab, und doch niemals eintönig, weil jede einzelne die eigene persönliche Note zum Klingen bringen