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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1914-02-20 · 8 (20.2.1914) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
31 (1914)
Issue
8 (20.2.1914)
Date
1914-02-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Br. 8 Qpa Bloch’s I«chrs«.SWI Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Judentums- Wien. 20. Februar 1914 : Erscheint jeden Freitag, i Brief-Adresse: Wie«, »/i. Praterstraße 9 Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. 0(r.-. =OC O Vr^ugsprri» für Vrstrrrrich: Halbjährig 8 Kronen: «injelejemplare 50 Heller. Für'« Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die nal geix^l. tene Petttzeile 4t* Heller. 5. k. Postlparkalfenami Clearing« ID erhebt «r. 810.976. Redaktion und Administration: - Vien »/i. Praterstraße 9 Tel«*»» 14847 Inhalt: Leitartik e l: Der Friede nach allen Seiten. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Eine arisch-antisemitische Gauneree. Erlaß der k. k. Statthalterei von Mähren, betreffend Bestellung von Rabbinern. Henri Bergson. Affimilationsblüten. Ein Judi Landesgerichtspräfident von Mannheim. Beilis in Jaffa. Ein jüdischer Senator in der Türkei. Der Knabenmord in Fastow. Ein christlicher Gutsbesitzer, der nur geschachtetes Fleisch genießt. Theodor Roosevelt und die Juden in Buenos-Aires. Die Galvestonemigration im abgelaufenen Jahre. Eine jüdische Amme. Uebertritt russischer Bauern zum Judentum. Ein Lehrstuhl filc jüdische Wissenschaft an der Athener Universität. — Der nationale Ausgleich in Galizien und die Juden. — Korrespondenzen: 18. Februar 1853. Ein Gnadenakt Sr. Majestät. 40 jähriges Jubiläum der Chewra-Kadischa Baden bei Wien. Troppau. Eine Gedenkfeier für jüdische Kriegshelden. Die Verurteilung eines antisemitischen Professors. Jüdische Zeugen im ungarischen Ruthenenvrozeß. Ableben eines bedeutenden kroatischen Juden. Auszeichnung eines jüdischen Gendarmerieinspektors. Großloge für Deutschland VIII. U. O. B. B. Selbstschutz der Juden von Jaffy. Ein Kongreß der „Fremden" Nationalitäten in Rußland. Rußland braucht Aerzte. Eine traurige Statistik. Vernichtung der Spuren des Kiewer Mordes. — Vermischtes. — Feuilleton: Mädchenheime. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Der Friede «ach allen Seiten. Bei der letzten Sitzung des Wiener Gemeinderates ist eine Aeußerung gefallen, welche es sicherlich verdient, öffentlich ausgestellt zu werden. Der Mann, der sich schließlich doch herbeigelassen hat, das Testament Luegers zu erfüllen, der Bürgermeister Dr. Weiskirchner, hat um angenehme Formen beim beginnenden Wahlkampfe ersucht und als sein Bestreben bezeichnet, nach allen Seiten hin Frieden zu halten. Man kennt das alte Wort von den Gracchen, welche sich über Aufruhr beklagen — die Gracchen, deren Lebenselement und Tätigkeit im alten Rom der Aufruhr war. So wie sie spricht nun der Wiener Bürgermeister. Er erhebt den Oelzweig und verkündet den Frieden, er und seine Partei, deren ganze Entstehung und Leben aus einer unausgesetzten Feindseligkeit, aus rastloser Hetze, aus rücksichtslosen Angriffen besteht. Das nunmehrige Oberhaupt der Christlichsozialen möge an der Hand der Tatsachen gefälligst beweisen, welche sonstige Tätigkeit als den Unfrieden seine Getreuen bis jetzt geleistet haben. Haben sie etwa wirtschaftliche Programme durchgeführt? Die Teuerung ist unter ihnen maßlos geworden, und die Verelendung der breiten Massen ist nach den Berichten der Wärmestuben und Obdachlosenasyle in einem Maße vorgeschritten, daß jedes fühlende Herz mit Schauder erfüllt wird. Waren sie etwa Demokraten und haben die Freiheit und das verfassungsmäßige Recht des Volkes verstärkt und gewahrt? Niemals war die Herrschaft der Feudalen und klerikalen stärker, die Bedeutung des Parlaments schwächer als jetzt. Wurde wenigstens ein einziger Erwerbsstand gehoben und gesichert? Das war natürlich unmöglich für eine Partei, welche allen Ständen alles verspricht, keinem etwas halten kann und unter welcher das Wirtschaftsleben erfüllt ist von den mannigfachsten Klagen. Nein, von den Christlich-Sozialen wurde gar nichts Nützliches und Wirkliches geschaffen. Ihre ganze Taktik und Methode bestand aus der brutalen Kraft der Viehknechte von St. Marr, welche die christlichsozialen Versammlungen sprengten und aus den skrupellosen, schrankenlosen, endlosen Verleumdungen im Stile des „Blauen Luchsen", welche jetzt noch in den christlichsozialen Versammlungen und Preßorganen fortgesetzt werden, haben die Macht der Christlich-Sozialen geschaffen. Eine solche Macht kann sich natürlich auf die Dauer nicht halten, muh jedem ernsten Angriff erliegen. Dfesey Angriff ist bis jetzt noch nicht erfolgt, weil die innere Politik von der äußeren seit vielen Jahren zurückgedrängt wurde und an Interesse verloren hat. Aber die Götzendämmerung der Christlich-Sozialen bereitet sich sicher vor. Das spürt der kluge Weiskirchner, und er versucht es eine Weile mit dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung, mit der Loyalität und Friedensliebe. Er möchte neuen Hrabas, Verganis und anderen Anklägern von vornherein den Boden abgraben, er verkündet den Frieden wie jeder gesättigte Machthaber, der seine Ruhe haben möchte. Wie ernst es ihm seinerseits damit zu tun ist, geht wohl am besten daraus hervor, daß die Aeußerung in einer Sitzung des Gemeinderates gefallen ist, in welcher der Hausknechtparagraph ebenso wie in der vorigen gegen vier Vertreter der Opposition angewendet, darunter gegen die notorisch unruhigsten Elemente. Die Aeußerung ist in einer Zeit gefallen, in welcher einige ehemalige christlichsoziale Parteigänger vor der Öffentlichkeit sensationelle Behauptungen über schamlosen Wahlschwindel der Christlich-Sozialen vorgebracht haben, in einer Zeit, in welcher die oppositionellen Bezirke unter allerlei Ausreden überhaupt keine Wählerliste erhalten haben. Wenn es dem Doktor Weiskirchner mit seinen Aeußerungen über den Frieden und die vornehmen Formen des Wahlkampfes ernst ist, so soll er sie vor allem recht ernsthaft und eindringlich an seine eigenen Parteigenossen richten, und diese sollen mit gutem Beispiele vorangehen. Was aber die Blätter und Versammlungsberichte von dieser Seite produzieren ist immer noch der Iargon aus ben Plattenquartieren, Ehrabschneiders, Verleumdung und wüstes Geschimpfe. Was sollen aber auch die Christlich-,Sozialen anderes tun? Sie können wohl nicht auf ihre eigenen Verdienste Hinweisen. Auf dem Lande könnten sie das wohl tun, denn hier verschwenden

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